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Editor(s): Pearce, Andy
Date: 2018
Abstract: Remembering the Holocaust in Educational Settings brings together a group of international experts to investigate the relationship between Holocaust remembrance and different types of educational activity through consideration of how education has become charged with preserving and perpetuating Holocaust memory and an examination of the challenges and opportunities this presents. The book is divided into two key parts. The first part considers the issues of and approaches to the remembrance of the Holocaust within an educational setting, with essays covering topics such as historical culture, genocide education, familial narratives, the survivor generation, and memory spaces in the United States, United Kingdom, and Germany. In the second part, contributors explore a wide range of case studies within which education and Holocaust remembrance interact, including young people’s understanding of the Holocaust in Germany, Polish identity narratives, Shoah remembrance and education in Israel, the Holocaust and Genocide Centre of Education and Memory in South Africa, and teaching at Deakin University, Melbourne, Australia. Table of Contents Series editors’ foreword Preface Acknowledgements Introduction Education, remembrance, and the Holocaust: towards pedagogic memory-work Andy Pearce Part I: Issues, approaches, spaces 1. Lessons at the limits: on learning Holocaust history in historical culture Klas-Göran Karlsson 2. The anatomy of a relationship: the Holocaust, genocide, and education in Britain Andy Pearce 3. Väterliteratur: remembering, writing, and reconciling the familial past Carson Phillips 4. Memories of survivors in Holocaust education Wolf Kaiser 5. Figures of memory at the United States Holocaust Memorial Museum Michael Bernard-Donals 6. Imperial War Museums: reflecting and shaping Holocaust memory Rachel Donnelly 7. Beyond learning facts: teaching commemoration as an educational task in German memorials sites for the victims of National Socialist crimes Martin Schellenberg Part II: National perspectives, contexts, and case studies 8. Hitler as a figure of ignorance in young people's incidental accounts of the Holocaust in Germany Peter Carrier 9. Who was the victim and who was the saviour? The Holocaust in Polish identity narratives Mikołaj Winiewski, Marta Beneda, Jolanta Ambrosewicz-Jacobs, and Marta Witkowska 10. Conveying the message of Holocaust survivors: Shoah remembrance and education in Israel Richelle Budd Caplan and Shulamit Imber 11. Holocaust education in the US: a pre-history, 1939–1960 Thomas D. Fallace 12. The Presence of the past: creating a new Holocaust and Genocide Centre of Education and Memory in post-Apartheid South Africa Tali Nates 13. Educational bridges to the intangible: an Australian perspective to teaching and learning about the Holocaust Tony Joel, Donna-Lee Frieze, and Mathew Turner 14. Myths, misconceptions, and mis-memory: Holocaust education in England Stuart Foster
Date: 2020
Author(s): Ullrich, Peter
Date: 2014
Abstract: Insbesondere für die deutsche Linke hat der Nahost- und Antisemitismusstreit eine immense Bedeutung und Sprengkraft. Er ist Dauerthema in linken Zeitschriften und Veranstaltungen sowie beliebter Gegenstand der Agitation konservativer Medien gegen die Linke. Gelegentliche Eskalationen zu verschiedenen Anlässen sorgen dafür, dass die Problematik ganz oben auf der politischen Agenda bleibt. Dabei verläuft die Auseinandersetzung auch innerhalb der Linken selten solidarisch. Starke Identifikationen sowie extreme und zudem häufig antagonistische Positionierungen und Blickwinkel kennzeichnen die Debatte. Regelmäßig kommt es auch zu sehr persönlichen und verletzenden Vorwürfen und Angriffen; sogar vor physischer Gewalt wird nicht haltgemacht. Und im Gewand dieser Debatte wird immer wieder auch verhandelt, was eigentlich (noch) links ist.

Ziel dieser kommentierten Bibliografie zur Thematik Linke, Nahostkonflikt und Antisemitismus ist es, zu einer Versachlichung der Diskussion beizutragen. Sie will den einseitigen Positionen, schablonenhaften Schuldzuschreibungen und ritualisierten Phrasen komplexere Perspektiven entgegensetzen, Zugang zu Hintergrundwissen und «Fakten» sowie zu den Bedingungen ermöglichen, die diese erst zu solchen machen, und somit Anregungen zur (selbst-)kritischen Reflexion geben. Die Broschüre soll zudem einen leichten Einstieg in die inzwischen doch recht umfassende Literatur zum Thema bieten. Denn insbesondere in der Zeit nach 1990 ist eine Vielzahl von relevanten Studien und ernsthaften Debattenbeiträgen erschienen, die eine gute Grundlage bieten für die fundierte und kritische Auseinandersetzung mit spezifischen Traditionen, ideologischen Erbschaften, Prägungen und grundlegenden Ambivalenzen linker Politik in Hinblick auf den Nahostkonflikt. Im Folgenden werden die wichtigsten dieser Beiträge in Form von kurzen Inhaltsangaben und Kommentierungen vorgestellt. Als Sammlung von Basistexten ist diese Broschüre vor allem für die Nutzung in der politischen Bildungsarbeit gedacht. Doch auch Studierende, Wissenschaftler/innen und alle anderen Interessierten werden sich mit ihrer Hilfe schnell einen Überblick zum aktuellen Stand der Forschung verschaffen können.

In die Darstellung wurden vor allem Bücher aufgenommen, die Grundlegendes zum Verständnis linker Kontroversen zum Thema in einer bestimmten Epoche leisten (zum Beispiel zur Zionismus- Debatte in der Arbeiter/innenbewegung des 19. Jahrhunderts) oder die wesentliche Begriffe beziehungsweise theoretische Perspektiven in die Diskussion eingeführt haben (beispielsweise «antiimperialistischer Antizionismus»). Neben recht bekannten, weitverbreiteten und häufig zitierten Publikationen sind auch solche berücksichtigt, die hierzulande bisher weniger rezipiert wurden – sei es, weil sie nicht in deutscher Sprache veröffentlicht wurden oder weil die Texte aus anderen Gründen nicht leicht zugänglich sind. Soweit Zitate vom Englischen ins Deutsche übertragen wurden, stammen die Übersetzungen vom Autor. Nicht alle besprochenen Bücher werden im gleichen Umfang behandelt. Dahinter steht durchaus die Absicht, eine Gewichtung vorzunehmen und unnötige Wiederholungen zu vermeiden. Stattdessen wird die jeweilige Bedeutung der Texte für die Gesamtdebatte herausgestellt. Wo immer es möglich ist, werden die Leser/ innen bei Monografien auch auf kürzere Texte der entsprechenden Autor/ innen (die für Seminare und Lesekreise geeignet sind) oder Online-Ressourcen hingewiesen. Die in fünf Abschnitte unterteilte Darstellung beschränkt sich im Wesentlichen auf wissenschaftliche Beiträge
Date: 2016
Abstract: Der Fachkräfteaustausch "Commitment without Borders – Transnational Network against Antisemitism" zwischen Deutschland und der Türkei ist ein Partnerprojekt von KIgA und den Organisationen Toplum Gönüllüleri Vakfi (TOG) und Karakutu („Blackbox“) aus Istanbul. Das Projekt befasst sich mit den unterschiedlichen Erfahrungen, Herausforderungen und Chancen von historisch-politischer Bildung zum Holocaust und der kritischen Auseinandersetzung mit Antisemitismus in beiden Ländern.

Im gegenseitigen Austausch erkunden Praktiker_innen aus Wissenschaft, außerschulischer Bildung und Gedenkstättenpädagogik die Geschichte und Gegenwart von Vorurteilen, Diskriminierung und politischer Gewalt sowie der Erinnerungskulturen in den jeweiligen nationalen Kontexten. Im Rahmen gemeinsamer Studienreisen, Workshops und Fachtagungen setzen sie sich mit aktuellen Diskursen auseinander, lernen pädagogische Akteure, Ansätze und Methoden kennen und entwickeln gemeinsam Handlungsstrategien. Erste Ergebnisse aus dem gemeinschaftlichen Lern- und Arbeitsprozess werden in Form der vorliegenden Publikation zugänglich gemacht.

Im ersten Kapitel mit dem Titel "Theorie Antisemitismus und Holocaust Education – Hintergründe und Diskurse" vermitteln Projektteilnehmer_innen Einblicke in Diskurse und zeigen die unterschiedlichen gesellschaftlichen Voraussetzungen in der Türkei und in Deutschland auf.

Das zweite Kapitel mit dem Titel "Praxis Einblicke in die pädagogische Arbeit" umfasst die Darstellung einiger der Methoden, die im Laufe des Projektes durchgeführt, diskutiert und bearbeitet wurden. Der Auswahl liegt der Wunsch nach Vermittlung einer möglichst großen Diversität von pädagogische-didaktischen Zugängen wie auch inhaltlichen Bezügen des Themenfelds zugrunde.

Das dritte Kapitel mit dem Titel "Reflexionen Rückblicke auf das Projekt und Ausblicke in die Zukunft" bezieht sich auf den diskursiven und produktiven Charakter des Projekts. Es spiegelt die kritischen Reflexionen und intensiven Diskussionen zu den im Laufe des Projektes vorgestellten, angedachten und besprochenen Inhalten und gibt somit einen vertieften Einblick in die partnerschaftliche Arbeit und den intensiven Austausch.

Die Publikation schließt mit einem Serviceteil, in dem sich die Projektpartner in beiden Ländern vorstellen.
Author(s): Cronin, Joseph
Date: 2018
Date: 2016
Date: 2018
Abstract: Jede Vertreibung, Migration oder Flucht hinterlässt ihre Spuren in den Biografien der betroffenen Individuen und in der Geschichte ihrer Familien.
Psychosoziale Dienste berichten demzufolge, dass eine stetig wachsende Zahl von ratsuchenden Shoah-Überlebenden und deren Angehörige unter psychischen Problemen leidet, die mit ihren migrationsbedingten Erfahrungen in einen Zusammenhang gestellt werden können.
Unter welchen Umständen und mit welcher Intensität sich einschneidende biografische Erfahrungen traumatisierend und mit auffälligen Symptomen auswirken, hängt sowohl von der Persönlichkeitsstruktur und den affektiven Reaktionsmustern des Individuums ab als auch von den gesellschaftlichen Bedingungen des Landes, in dem sich die Betreffenden niederließen, um einen biografischen Neuanfang zu wagen.
Die vorliegende Dokumentation versammelt die zentralen Beiträge einer internationalen Konferenz, auf der unterschiedliche Narrative und historische Rahmenbedingungen der verschiedenen Flucht- und Migrationswellen von jüdischen Überlebenden der Shoah nach dem Zweiten Weltkrieg aufgearbeitet und deren Auswirkungen auf die aktuellen Lebensbedingungen im Alter beleuchtet wurden.

Aus dem Inhalt

Gad Arnsberg Wer sind wir? Die Vielfalt jüdischen Selbstverständnisses in Deutschland nach 1945. Ein historischer Überblick | Jens Hoppe Erfahrungen von deutschen Juden, die die NS-Verfolgung in Deutschland oder im Exil überlebt haben. Eine historische Einbettung | Hans Jakob Ginsburg Doppelte Fremde: Jüdische Zuwanderer aus Osteuropa in der Bundesrepublik nach 1945 | Marianne Leuzinger-Bohleber Leben nach der Shoah: Psychoanalytische Überlegungen ausgehend von der Autobiografie des Psychoanalytikers und Traumaforschers Henri Parens | Gerda Netopil und Klaus Mihacek Psychotrauma im Alter. Eine Analyse des psychosozialen Modells ESRA | Amit Shrira Altern im Schatten transgenerativer Weitergabe der Holocaust-Erfahrungen | Julia Bernstein Multiple Traumatisierung ex-sowjetischer Juden vor und nach der Immigration | Martin Auerbach, Elise Bittenbinder und Lukas Welz Ein Zwiegespräch über Trauma, Flucht und Migration gestern und heute als Fortführung des Dialogs aus dem „PresentPast“-Projekt von AMCHA | Esther Weitzel-Polzer Chaos und Muster. Die Entwicklung einer transkulturellen Organisation am Beispiel eines jüdischen Altenpflegeheims in Deutschland | Andrea Schiff Stolpersteine im Umgang mit traumatisierten alten Menschen. Pflegewissenschaftliche Erkenntnisse für die Pflegepraxis | Jim Sutherland Shoah, Flucht und Migration aus britischer Perspektive. Die Arbeit des Vereins Association of Jewish Refugees (AJR) | Sara Soussan „Ehre Vater und Mutter“ — Der Anspruch des fünften Gebots im Spannungsfeld von Altwerden, Krankwerden und Verletztwerden | Doron Kiesel „Schnee von gestern“ — ein Film von Yael Reuveny | Christian Wiese Einsichten und Erkenntnisse

Author(s): Alexander, Phil
Date: 2019
Abstract: Silence appears frequently in discourses of the Holocaust – as a metaphorical absence, a warning against forgetting, or simply the only appropriate response. But powerful though these meanings are, they often underplay the ambiguity of silence’s signifying power. This article addresses the liminality of silence through an analysis of its richly textured role in the memorial soundscapes of Berlin. Beyond an aural version of erasure, unspeakability, or the space for reflection upon it, I argue that these silent spaces must always be heard as part of their surrounding urban environment, refracting wider spatial practices and dis/order. When conventions are reversed – when the present is silent – the past can resound in surprising and provocative ways, collapsing spatial and temporal borders and escaping the ritualized boundaries of formal commemoration. This is explored through four different memorial situations: the disturbing resonances within the Holocaust Memorial; the transgressive processes of a collective silent walk; Gleis 17 railway memorial’s opening up of heterotopic ‘gaps’ in time; and sounded/silent history in the work of singer Tania Alon. Each of these examples, in different ways, frames a slippage between urban sound and memorial silence, creating a parallel symbolic space that the past and the present can inhabit simultaneously. In its unpredictable fluidity, silence becomes a mobile and subversive force, producing an imaginative space that is ambiguous, affective and deeply meaningful. A closer attention to these different practices of listening disrupts a top-down, strategic discourse of silence as conventionally emblematic of reflection and distance. The contemporary urban soundscape that slips through the silent cracks problematizes the narrative hegemony of memorial itself.
Date: 2020
Date: 2019
Abstract: This edited collection seeks to present a valuable guide to the Jewish contribution to the European integration process, and to enable readers to obtain a better understanding of the unknown Jewish involvement in the European integration project. Adopting both a national and a pan-European approaches, this volume brings together the work of leading international researchers and senior practitioners to cover a wide range of topics with an interdisciplinary approach under three different parts: present challenges, Jews and pan-European identity, and unsung heroes.

1.Jews as the Principal Cosmopolitan, Integrating Element in European Integration

Sharon Pardo and Hila Zahavi

2.Jews in Europe, 2019: Demographic Trends, Contexts and Outlooks

Sergio DellaPergola

3.European Populism and Minorities

Dani Filc

4.Anti-Semitism from a European Union Institutional Perspective

Andras Baneth

5.The Cultural Dimension of Jewish European Identity

Dov Maimon

6.A Union of Minorities

Romano Prodi

7.Contributions of ‘Sefarad’ to Europe

Alvaro Albacete

8.The Trajectory of Jewish Assimilation in Hungary

Janet Kerekes

9.Rising from the Ashes: The Holocaust and the European Integration Project

Michael Mertes

10.The Jewish World’s Ambiguous Attitude toward European Integration

Diana Pinto

11.Walther Rathenau, Foreign Minister of Germany during the Weimar Republic, and the Promotion of European Integration

Hubertus von Morr

12.Fritz Bauer- a German-Jewish Immigrant at Home and the Rule of Law

Franco Burgio

13.Tribute to Simone Veil

Emmanuel Macron
Date: 2013
Author(s): Lehrer, Erica
Date: 2012
Date: 2019
Abstract: This report, produced by Professor P. Weller and Dr. I. Foster of the University of Derby, United Kingdom, is based on two phases of research conducted in six OSCE participating States—Belgium, Germany, Greece, Moldova, Poland and the United States of America—between December 2016 and May 2018. The research took various forms, including focus groups, interviews, questionnaires, observations, as well as desk research based on published literature. A detailed bibliography of works consulted is provided in an appendix to the report. The report provides background information about the history of anti-Semitism in each of the countries studied, along with recent statistics concerning reported anti-Semitic incidents in each country. The report does not compare how significant an issue anti-Semitism is in these participating States; rather, it presents an overall pattern of evidence to identify a range of key challenges with at least some relevance for teaching about and addressing anti-Semitism in classroom contexts across the OSCE region as a whole, and thus provides the basis for recommendations that could inform the development of teacher resources to meet those challenges in any OSCE participating State, not just the ones studied for this report. The research has made clear that, while the incidence, frequency and forms of anti-Semitism may vary over time, it remains a reality in OSCE participating States. However, there is relatively little published research on anti-Semitism among young people as such, and even less that is specifically focused on teaching about anti-Semitism and/or addressing it in classroom contexts. Therefore, the primary research that informs this report makes a clear contribution to understanding anti-Semitism as it currently exists in a number of OSCE countries, albeit subject to certain limitations in terms of methodology, which are noted in the report’s appendices.
Author(s): Ullrich, Peter
Date: 2019
Abstract: Mit der im Jahr 2016 von der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) anerkannten «Arbeitsdefinition Antisemitismus» liegt ein Instrument für die notwendige Erfassung und Bekämpfung von Antisemitismus vor, das weite Verbreitung gefunden hat. In einem Handlungsfeld, das durch hochgradige begriffliche Verunsicherung gekennzeichnet ist, verspricht die Definition als praktische Arbeitsgrundlage begriffliche Orientierung. Tatsächlich stellt die «Arbeitsdefinition» mit ihrer konkreten, ohne Fachterminologie auskommenden Sprache sowie mit anschaulichen Beispielen, die den Begriff Antisemitismus anhand typischer, immer wieder auftretender Phänomene verdeutlichen, inzwischen eine Grundlage für die Arbeit verschiedener Nutzer*innengruppen dar. Zudem erfolgte mit der Aufnahme bis dato nur wenig beleuchteter (israelbezogener) Aspekte von Antisemitismus eine zum Zeitpunkt der Formulierung der Definition (Anfang der 2000er Jahre) notwendige Aktualisierung der Diskussion.

Bei einer näheren Untersuchung offenbaren sich jedoch auch gravierende Mängel. Insbesondere ist die «Arbeitsdefinition» inkonsistent, widersprüchlich und ausgesprochen vage formuliert; mithin erfüllt sie nicht die Anforderungen guten Definierens. Die Kerndefinition des Antisemitismus ist zudem reduktionistisch. Sie hebt einige antisemitische Phänomene und Analyseebenen hervor, spart aber andere, wesentliche, sehr weitgehend aus. Dies gilt insbesondere für ideologische und diskursive Aspekte, beispielsweise den Antisemitismus als verschwörungstheoretisches Weltbild. Ebenso fehlt eine Erwähnung organisationssoziologischer Aspekte der Mobilisierung in Bewegungen und Parteien sowie deren Niederschlag in diskriminierenden institutionellen Regelungen und Praxen. Zudem können manche israelbezogenen Beispiele, die der Kerndefinition hinzugefügt sind, nur mithilfe weiterer Informationen über den Kontext als antisemitisch klassifiziert werden, da das Beschriebene mehrdeutig ist. Es tritt in komplexen, sich überlagernden Konfliktkonstellationen auf, bei denen eine Zuordnung zu einem spezifischen Problemkreis wie Antisemitismus oft nicht einfach möglich ist. Ein Beispiel sind die sogenannten doppelten Standards. Sie sind kein hinreichendes Kriterium, um eine antisemitische Fokussierung auf Israel von einer solchen zu unterscheiden, die mit den Spezifika israelischer Politik und ihrer weltpolitischen Bedeutung zusammenhängen.

In der Folge begünstigt die «Arbeitsdefinition» eine widersprüchliche und fehleranfällige Anwendungs praxis und führt zu Einschätzungen von Vorfällen oder Sachverhalten, die nicht auf klaren Kriterien basieren, sondern eher auf Vorverständnissen derer, die sie anwenden, oder auf unreflektiert übernommenen verbreiteten Deutungen. Die Anwendung der «Arbeitsdefinition» produziert die Fiktion eines kriteriengeleiteten, objektiven Beurteilens. Die Definition stellt prozedurale Legitimität für Entscheidungen zur Verfügung, die faktisch auf der Grundlage anderer, implizit bleibender Kriterien getroffen werden, welche weder in der Definition noch in den Beispielen festgelegt sind.

Die Schwächen der «Arbeitsdefinition» sind das Einfallstor für ihre politische Instrumentalisierung, etwa um gegnerische Positionen im Nahostkonflikt durch den Vorwurf des Antisemitismus moralisch zu diskreditieren. Dies hat relevante grundrechtliche Implikationen. Die zunehmende Implementierung der «Arbeitsdefinition» als quasi-rechtliche Grundlage von Verwaltungshandeln suggeriert Orientierung. Stattdessen ist sie faktisch ein zu Willkür geradezu einladendes Instrument. Dieses kann genutzt werden, um Grundrechte, insbesondere die Meinungsfreiheit, in Bezug auf missliebige israelbezogene Positionen zu beschneiden. Anders als die Bezeichnung «Arbeitsdefinition» suggeriert, findet auch keine Weiterentwicklung der Definition statt, um diese Schwächen zu beheben.

Fazit: Der Versuch, Probleme allgemeiner begrifflicher Klärung und universeller praktischer Einsetzbarkeit mithilfe der «Arbeitsdefinition Antisemitismus» zu lösen, muss insgesamt als gescheitert angesehen werden. Vor allem aufgrund ihrer handwerklichen Schwächen, ihrer defizitären Anwendungspraxis, ihres trotzdem teilweise verbindlichen rechtlichen Status und ihrer politischen Instrumentalisierbarkeit mit problematischen Implikationen für die Meinungsfreiheit kann die Verwendung der «Arbeitsdefinition Antisemitismus» nicht empfohlen werden. Eine mögliche Ausnahme könnten lediglich eng umgrenzte pädagogische Kontexte darstellen.

Wie die Entstehungsgeschichte der «Arbeitsdefinition Antisemitismus» und ihre weite Verbreitung deutlich machen, gibt es – auch angesichts einer weiter bestehenden Bedrohung durch gegenwärtigen Antisemitismus – einen großen Bedarf vonseiten verschiedener Institutionen nach in der Praxis anwendbaren Kriterien zur Identifikation antisemitischer Phänomene. Folglich ist die Entwicklung von klaren und kontextspezifischen Instrumenten für die Praxis dringend zu empfehlen.
Author(s): Wistrich, Robert
Date: 2004