Abstract: The chapter uses an autoethnographic method to analyse the displacement experiences of its authors, who come from different ethnic backgrounds, mother tongues, geographies and histories in Turkey. The fact that the paths of the authors, as living representations of Turkey’s ethnic, linguistic and cultural diversity, crossed in exile in Germany is also the history of the silencing of ethnic, religious and political minorities. The authors uncover the interconnectedness of those individual stories that are inherent in the larger historical narrative of the country. Thus, they offer us an analysis of the experiences of exile in Germany, through three intertwined autoethnographies of Jewish, Kurdish and anarchist academic exiles.
Abstract: Представленное в статье исследование посвящено репрезентации памяти о Холокосте в медиа Центрально-Восточной и Северной Европы во втором десятилетии XXI века (на примере Германии, Австрии, Польши, Литвы, Латвии, Эстонии, Швеции, Дании, Норвегии). В соответствии с гипотезой авторов, в каждом из этих государств существует особая память о Второй мировой войне, которая встраивается в национальные нарративы, но сочетается с глобальной памятью о Холокосте (механизм, ранее описанный Д. Леви и Н. Шнайдером). Сравнение образа Холокоста в различных публикациях СМИ позволило выяснить общие интерпретации и национальную специфику нарратива о трагедии, уточнить его значение для разных социальных групп. Целью исследования стало выявление особенностей сочетания глобальной и локальной памяти о Холокосте в Центрально-Восточной и Северной Европе в 2010-е гг. Источниками исследования являются отобранные по ключевым словам материалы СМИ 2011, 2018 и 2020 гг. Методологическую основу работы составляет концепция «мест памяти» П. Нора и развивающая ее концепция «общих мест памяти» в интерпретации Р. Трабы, через призму которой можно рассматривать память о Холокосте в различных национальных контекстах, а также дискурс-анализ (в соответствии с подходом Э. Лаклау и Ш. Муфф). В результате исследования было определено, что память о Холокосте играет большую роль для национальных нарративов. Она встраивается в цепочки эквивалентности с другими событиями локальной и всемирной истории, сопоставляется с геноцидами других народов. Через дискурс о Холокосте происходит формирование представлений о Второй мировой войне и праворадикальных движениях. При этом в публикациях проявляется и глобальная память о Холокосте, противодействие его релятивизации. Эта последняя тенденция связана прежде всего с деятельностью переживших Холокост граждан самих рассматриваемых в работе стран.
Abstract: Judenfeindschaft wird in der deutschen Gesellschaft offiziell geächtet. Jugendliche lassen sich ebenso ungern wie Erwachsene sagen, sie hätten Vorurteile, wären sich ihrer nur nicht bewusst. Deswegen kann es Gruppen wie ein unterschwelliger Vorwurf erscheinen, wenn TeamerInnen von außerhalb zu ihnen kommen, um mit ihnen einen Workshop gegen Antisemitismus durchzuführen. Es ist mitunter hilfreich, bei der Ankündigung des Workshops nicht von Antisemitismus zu sprechen, sondern ihn als Fortbildung zu den Ursachen des Rechtsextremismus anzukündigen. Der Schulunterricht über den Nationalsozialismus und die Lehren aus der Geschichte haben, wie die öffentlichen Debatten der vergangenen 15 Jahre, nicht nur dazu geführt, dass Menschen ihre Einstellungen selbstkritisch reflektierten, sondern auch dazu, dass sie lernen, was offiziell gewünscht ist. Das führt die pädagogische Arbeit gegen Antisemitismus in eine gefährliche Zwickmühle: einerseits judenfeindliche Vorstellungen zu überwinden, andererseits die latent vorhandenen Bilder und Denkweisen erst einmal hervorzulocken und erkennbar werden zu lassen.
Abstract: Im Oktober 2019 übte ein bekennender Rechtsextremist am höchsten jüdischen Feiertag – Jom Kippur – in Halle ein Attentat aus, bei dem er explizit betende Jüdinnen und Juden in der Synagoge ermorden wollte. Seit dem Terrorakt der Hamas am 7. Oktober 2023 im Süden Israels und dem darauffolgenden Krieg erleben wir weltweit eine neue und andere Welle des Antisemitismus. Während einige Menschen aus dem linken und dem muslimischen Spektrum Israel das Existenzrecht absprechen, stehen nun rechte und rechtsextreme Politiker:innen vermeintlich an der Seite Israels. Diese Gemengelage kanalisiert sich in antisemitischem Hass und Hetze, sowohl online als auch auf den Straßen. Sie richten sich zwar zunächst augenscheinlich gegen „die Juden“, sind aber vielmehr eine Bedrohung unserer gesamten Demokratie, die die Rechte von Minderheiten schützen und stärken und die das friedliche Zusammenleben aller gewährleisten soll. Die genannten Beispiele des Hasses, die in ihrer Brutalität aus dem in Deutschland nachweislich verbreiteten „Alltagsantisemitismus“ herausstechen, zeugen von der Transformations- und Anschlussfähigkeit des Phänomens Antisemitismus. Nach dem Attentat in Halle schrieb das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Jahr 2020 die Förderlinie „Aktuelle Dynamiken und Herausforderungen des Antisemitismus“ aus. In zehn bundesweit aufgestellten Forschungsverbünden wurden in den vergangenen vier Jahren sowohl grundlegende als auch praxisorientierte Untersuchungen zu unterschiedlichen Dimensionen, Akteur:innen und Adressat:innen bearbeitet. Mit dieser Ausgabe von Politikum werden Ergebnisse aus diesen, aber auch weiteren Forschungen vorgestellt. Dabei wird u. a. den Fragen nachgegangen, welche Vor- und Nachteile die derzeit heftig debattierten Antisemitismusdefinitionen bieten, wie israelbezogener Antisemitismus von legitimer Kritik an der Regierung Israels unterschieden werden kann, wie Deepfakes antisemitische Narrative bedienen und wie man sie dekonstruiert oder auch, ob Graphic Novels als Unterrichtsmaterial in der Antisemitismusprävention geeignet sind. Mit den Einordnungen, Bestandsaufnahmen und Empfehlungen laden wir ein, sich mit unterschiedlichen Aspekten des Phänomens zu befassen, und bieten Einblicke in aktuelle Forschungen und neueste Materialien.
Stefanie Schüler-Springorum
„Der ewige Antisemitismus“
Armin Pfahl-Traughber
Israelbezogener Antisemitismus oder legitime Kritik?
Kursierende Definitionen zur Differenzierung kritisch geprüft
Thomas Haury
Schwierige Gemengelagen
Zur Unterscheidung von israelbezogenem Antisemitismus und nicht-antisemitischen Antizionismen in Geschichte und Gegenwart
Sara Han
Die Verbindung zwischen christlichem Antisemitismus und der Neuen Rechten in Deutschland
Sina Arnold
„Importierter“ Antisemitismus?
Zur Funktionalität eines zweifelhaften Konzepts
Sarah Jadwiga Jahn
„From the river to the sea, Palastine will be free“
Herausforderungen und Perspektiven für den Rechtsstaat
Marcus Scheiber
Antisemitische Deepfakes
Dekonstruktion über Bildwissen
Ursula Hennigfeld
Antisemitismusprävention im Schulunterricht
Kriterien zum Einsatz von Graphic Novels
Projekt RESPOND!
Antisemitismus in den sozialen Medien junger Menschen
Ein Training zur Stärkung der Medien- und Handlungskompetenz
Matthias Springborn
Geldverleiher im Mittelalter?
Herausforderungen bei der Darstellung von Jüdinnen und Juden, vom Judentum und von Israel in Schulbüchern
Philipp Graf und Alexander Weidle
Das Objekt zum Subjekt machen
Jüdische Alltagskultur in Deutschland vermitteln
Abstract: Marking the 75th anniversary of The Authoritarian Personalityin 2025, this article revisits its insights into the persistence of authoritarianism in contemporary society, drawing centrally on the work of Theodor Adorno and Else Frenkel-Brunswik. Based on the results of their studies, it can be demonstrated how antisemitism, sexism, anti-feminism, and queerphobia are interconnected rather than separate phenomena—a concept expanded here as the "intersectionality of ideologies." Examining rigid gender norms in authoritarian systems, the article explores their role in reinforcing antisemitic narratives, with examples from Hamas and the Islamic Republic of Iran. Additionally, it analyzes the culture industry as a site of ideological entanglement, using the 2022 documenta 15 exhibition as a case study. By reassessing authoritarianism's links to antisemitism and gender oppression, the article highlights its enduring relevance.
Abstract: State-approved and -funded Jewish cultural heritage has largely focused on concrete tangible spaces or structures, such as synagogues and mikvaot (ritual baths), and material objects. They often represent and evoke an idealised, unchanging Jewishness of the past that is presumed to be acceptable to non-Jewish audiences, yet one that bears little resemblance to lived Judaism, whether past or present. Using hip-hop by Jewish subjects in Germany as a case study, with a special focus on rapper Dimitri Chpakov, this article investigates the mobilisation of popular culture in the twenty-first century by diverse Jewish subjects under the radar of state-sanctioned conceptualisations and representations. Past studies have examined Jewish hip-hop in Germany within the authorised heritage discourse around Holocaust commemoration and anti-Semitism. This article argues that Jewish hip-hop initiatives need to be explored as alternative statements of Jewish heritage, Jewish communal identity, and Jewish diversity, geared towards young living Jewish community members. Such functions tend to be ignored or misunderstood in top-down discourses perpetuated in the public sphere. This article examines the extent to which present-day German Jewish hip-hop prompts a counter-heritagisation process: by creating compelling, deeply personal, and imitable musical forms, it reimagines and reforms conventional definitions of heritage in the service of young Jews living in Germany.
Abstract: Expressions of antisemitic hate abound on social media today, reinvigorating ancient stereotypes around Jewish people and their history. The current user-centered study examined the shapes and the extent of antisemitic stereotypes from the point of view of emerging adults and their daily social media consumption. Emerging adults (N = 47) between 18 and 30 years of age were asked to keep guided media diaries of their social media activity over a period of 21 days (February to May 2022), zooming in on Jewish people, Jewish life, the Middle East conflict, and other topics associated with Jewry. A sample of N = 1,024 threads from a variety of social media channels was collected, encompassing textual and visual material. Qualitative content analysis was used to determine the presence of antisemitism, how explicit/implicit it was, and the types of argumentation used to support antisemitic claims. Frequency analysis and Chi-Square tests yielded beyond-chance patterns in the data. Findings reveal a high prevalence of explicit Israel-related antisemitic discourse encountered by emerging adults on social media, as well as highly ambiguous and implicit content that eludes easy detection by emerging adult users. Findings also point to the highly interactive nature in which antisemitism is co-constructed online.
Abstract: Der Anschlag von Hanau, die Mbembe-Debatte wie auch die immer wiederkehrenden, meist hitzigen Diskussionen um den Nahost-Konflikt machen eines klar: Wir brauchen dringend eine fundierte Auseinandersetzung mit den Zusammenhängen zwischen Antisemitismus und (anti-muslimischem) Rassismus. In der Öffentlichkeit ist die Frage, ob und wie diese beiden Phänomene miteinander verglichen werden dürfen, enorm umstritten, was eine sachliche und wissenschaftliche Beschäftigung lange erschwert hat.
Sabine Schiffer und Constantin Wagner schaffen durch ihre Forschungsergebnisse eine Grundlage für eine neue, aufgeschlossene Diskussion und zeigen an aktuellen wie auch historischen Beispielen, dass Antisemitismus und Islamophobie über entscheidende Gemeinsamkeiten verfügen, die zu erkennen die Voraussetzung für ihre Bekämpfung ist. Ein wichtiges Debattenbuch, das offen und mutig eine der drängendsten Fragen unserer Zeit in den Blick nimmt und aufzeigt, wie wir mit diesen Erkenntnissen den gesellschaftlichen Konflikten vor allem im Sinne der unmittelbar Betroffenen besser begegnen können.