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Date: 2026
Date: 2026
Abstract: Das vorliegende zivilgesellschaftliche Lagebild der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Berlin (RIAS Berlin) dokumentiert antisemitische Vorfälle im Jahr 2025 und analysiert deren Erscheinungsformen und Entwicklungen. Ziel des Berichts ist es, auf Grundlage systematisch erhobener und verifizierter Meldungen ein möglichst umfassendes Bild antisemitischer Dynamiken in Berlin zu zeichnen und ihre Auswirkungen auf Betroffene sichtbar zu machen.

2197 antisemitische Vorfälle hat RIAS Berlin 2025 in Berlin dokumentiert. Die von RIAS Berlin dokumentierten Daten zeigen, dass antisemitische Vorfälle in Berlin seit dem 7. Oktober 2023 stark angestiegen sind; das hohe Vorfallaufkommen hielt auch im Jahr 2025 an. Obwohl bei einzelnen Vofalltypen, etwa bei Angriffen und gezielten Sachbeschädigungen, gegenüber 2024 weniger Vorfälle bekannt geworden sind, liegen die Gesamtzahlen weiterhin deutlich über dem Niveau der Jahre vor 2023.

Die Erfahrungen der Betroffenen bilden die Grundlage für diesen Bericht. Sie verweisen nicht nur auf einzelne Vorfälle, sondern auf ein gesellschaftliches Klima, in dem antisemitische Äußerungen und Handlungen möglich sind – und zu oft unwidersprochen bleiben. Antisemitische Vorfälle sind keine isolierten Ereignisse. Die Auseinandersetzung mit antisemitischen Erfahrungen, (er-)fordert Ressourcen: zeitliche, soziale, politische, emotionale, psychische, wirtschaftliche.

Auch im Falle einer juristischen Auseinandersetzung sind nicht nur finanzielle Mittel erforderlich. Ein solcher Prozess bedeutet mitunter, sich immer wieder mit dem antisemitischen Erlebnis auseinanderzusetzen, die Erfahrung nicht abschließen zu können. Ähnliches gilt für die oft langwierigen und zehrenden Auseinandersetzungen an Hochschulen oder am Arbeitsplatz um sichere Räume für Jüdinnen_Juden oder auch darum, dass Antisemitismus überhaupt erkannt oder anerkannt wird.

Auffällig ist die feindliche Deutung des Begriffs „Zionismus“. Im antisemitischen Diskurs wird er zu einer politischen Markierung, die Zionismus u.a. mit Faschismus und Nationalsozialismus gleichsetzt und zur Feindzuschreibung macht. Seit 2023 weist RIAS Berlin auf Vorfälle hin, in denen diese Zuschreibung auf bekannte antisemitische Stereotype zurückgreift. Das Feindbild „Zionismus“ geht über die Delegitimierung Israels hinaus, es wird auch in Stellung gebracht, um Jüdinnen_Juden und nicht-jüdische Personen als politische Gegner_innen zu markieren und aus Räumen oder von Dienstleistungen auszuschließen.

Außerdem geraten zivilgesellschaftliche Initiativen zur Dokumentation antisemitischer Vorfälle zunehmend unter Druck und werden mit Vorwürfen konfrontiert, die ihre Arbeit delegitimieren sollen. In einer solchen Situation wird eine sachliche und differenzierte Auseinandersetzung erheblich erschwert – auch wenn sie gegenwärtig dringender denn je erforderlich ist.
Date: 2024
Abstract: Der 7. Oktober 2023, der brutale Terrorangriff der Hamas auf Israel mit rund 1200 Ermordeten und hunderten Verschleppten und der anschließende Krieg in Gaza markieren auch hierzulande eine Zäsur. Unmittelbar nach Bekanntwerden des Terrorangriffs der Hamas auf Israel am 7. Oktober und des kurz darauf beginnenden
und zum Veröffentlichungszeitpunkt dieser Publikation noch laufenden Krieges in Gaza, erreichte die Bildungsstätte Anne Frank eine Flut an Anfragen. Insbesondere Lehrkräfte und andere an Schule beschäftigte Fachkräfte meldeten sich mit der Bitte nach Beratung und Fortbildung zum Umgang mit Terror, Krieg und den sich daran entzündenden Folgen hierzulande.

Unser Team reagierte schnell mit einer Vielzahl ad hoc durchgeführter digitaler Gesprächsangebote, mit Fortbildungen vor Ort, mit Veranstaltungen, Publikationen und Materialien. Den ersten Jahrestag des
7. Oktobers 2023 nahmen wir zum Anlass, die aktuellen Bedarfe an Schulen systematisch zu erfassen – eine Lücke, die wir mit einer Online-Umfrage unter Lehrkräften schließen. Ziel war es zu erfassen, ob und in welcher Weise der 7. Oktober 2023 und der Gaza-Krieg ein Jahr später noch Thema in den Schulen sind, wie die Lehrkräfte damit umgehen und welche Unterstützung sie sich dabei wünschen.

Zwischen dem 09.09.24 und 23.09.24 haben sich 159 Lehrkräfte aller Schulformen, vor allem aus Gymnasien, Berufs- und Gesamtschulen und mit 98 Prozent überwiegend aus Hessen, an der Umfrage beteiligt. Ihnen und ihren aussagekräftigen Antworten, die wir auf den folgenden Seiten präsentieren, gilt unser ausdrücklicher
Dank. Ihre Antworten zeigen, dass dem Thema große Wichtigkeit beigemessen wird und einzelne Lehrkräfte im Rahmen ihrer Möglichkeiten versuchen, den sogenannten Nahostkonflikt zu thematisieren – dass strukturelle Zwänge, insbesondere mangelnde zeitliche Kapazitäten, einen angemessenen Umgang mit der Thematik
aber erschweren.

Die Umfrage bestätigt uns in unserer Forderung nach einer Bildungsoffensive, die Schulen in all ihrer Heterogenität dazu befähigt und sie mit den entsprechenden zeitlichen und materiellen Ressourcen ausstattet, den Nahostkonflikt und andere komplexe globale Konflikte unserer Zeit, deren Geschichte und gesellschaftspolitische Dimensionen besser verstehen und einordnen zu können.

Ziel muss es sein, dass Lehrkräfte sprechfähig sind zu den Themen, die ihre Schüler*innen und uns als Gesellschaft bewegen – und entsprechend der vielfältigen Identitäten und Positionen im Raum Schule sind Perspektivwechsel dafür unumgänglich. Insbesondere müssen dabei auch der digitale Raum und dessen besondere Dynamiken1
mit adressiert werden – die Umfrageergebnisse zeigen überdeutlich, dass es an Strategien des Umgangs mit den Sozialen Medien mangelt, hier bedarf es einer konsequenten Verzahnung medienpädagogischer Angebote mit Inhalten der politischen Bildung.
Date: 2022
Abstract: Eigentlich könnte doch alles ganz einfach sein, oder? Antisemitismus und Rassismus sind beides menschenfeindliche Einstellungen, die von allen bekämpft werden müssen; die Kritik dieser Ideologien müsste deshalb stets zusammen geleistet werden. In der Praxis kommt es jedoch immer wieder zu Unvereinbarkeiten, handfesten Auseinandersetzungen und Grabenkämpfen, mit wechselseitigen Ausschlüssen, Relativierungen, Beschuldigungen und einem Klima des Argwohns. Hinzu kommt, dass die historischen und theoretischen Bezugnahmen von Rassismus- und Antisemitismuskritik sehr verschieden sind.

„Frenemies“ umzirkelt das Problemfeld, fragt nach den Gründen der Auseinandersetzungen, sucht nach Gemeinsamkeiten, ohne dabei Unvereinbarkeiten und Selbstansprüche der beiden Kritikformen zu relativieren.

Das Buch versammelt kurze Texte von Forscher*innen, Bildungspraktiker*innen, Aktivist*innen, die jeweils als Antworten zu „naiven Fragen“ dargestellt werden – in Form eines „FAQ“. Was unterscheidet Antisemitismus und Rassismus? Gibt es Verbindungen zwischen Nationalsozialismus und Kolonialismus? Ist BDS antisemitisch? Sind Juden und Jüdinnen „weiß“? Wie werden diese Debatten in anderen Ländern geführt? Der Anspruch des Buches ist es, einen niedrigschwelligen Einstieg in ein komplexes, wenngleich sehr präsentes und konfliktreiches Themenfeld zu liefern. Die Schwerpunkte liegen auf Antisemitismus, antimuslimischem und anti-Schwarzem Rassismus.

Mit Beiträgen von: Rebecca Ajnwojner, Julia Yael Alfandari, Sina Arnold, Felix Axster, Manuela Bauche, Joseph Benamram, Karima Benbrahim, Jonas Berhe, Floris Biskamp, Micha Brumlik, Saba-Nur Cheema, Harpreet Cholia, Johanna Christner, Frank Engster, Leo Fischer, Adi Hagin, Albert Herszkowicz, Robert Hirsch, Malte Holler, Günther Jikeli, Ozan Zakariya Keskinkılıç, Ayesha Khan, Michael Kiefer, Jana König, Gert Krell, Memphis Krickeberg , Deborah Krieg, Mahret Ifeoma Kupka, Doris Liebscher, Urs Lindner, Aram Lintzel, Hanno Loewy, Meron Mendel, Astrid Messerschmidt, Gunnar Meyer, Ronya Othmann, Jonas Pardo, Hannah Peaceman, Massimo Perinelli, Hanno Plass, Bruno Quélennec, Gilda Sahebi, Michal Schwartze, Claudius Seidl, Gil Shohat, Yasemin Shooman, Frank-Oliver Sobich, Riem Spielhaus, Tom Uhlig, Peter Ullrich, Stefan Vogt, Burak Yılmaz, Milena Younes-Linhardt, Jürgen Zimmerer und Zacharias Zoubir.
Author(s): Kandola, Binna
Date: 2024
Abstract: Pearn Kandola’s Antisemitism and Islamophobia at Work report (2024) is a comprehensive study in which over 1000 Muslim and Jewish employees participated, either through in-depth focus groups or our survey, to shine a light on their experiences of antisemitism and Islamophobia in the workplace since October 7th 2023.

Late last year, we published our groundbreaking Religion At Work (2023) report, the largest of its kind. It explored the experiences of people of faith in the workplace, highlighting the difficulty for employees of any religion to express their faith at work.

Released in November 2023, a question we were increasingly faced with as time went on was the impact on Muslim and Jewish employees, in particular, since October 7th. However, the data for this momentous report was gathered and analysed before the current Israel-Gaza conflict, which could tell us little to answer this question.

As a result, we carried out a new piece of research, designed to look at the:

Extent to which Jewish employees experience antisemitism in the workplace;
Extent to which Muslim employees experience Islamophobia in the workplace;
Impact of the Israel-Gaza conflict on them
Actions that organisations can take to ensure people feel safe and included in workplaces
The research was in two parts:

Firstly, a survey was carried out in June 2024 in which 500 Jewish and 500 Muslim employees participated, followed by in-depth interviews with 20 people, 10 of each faith.

The report closes with key recommendations for employers to better support Muslim and Jewish employees by research author Professor Binna Kandola OBE.
Author(s): Orgad, Shani
Date: 2026
Abstract: Following last week’s horrific antisemitic attack in Golders Green in north London, UK Prime Minister Keir Starmer called on the public to “open their eyes to Jewish pain”. Yet our research suggests that the PM and his government might do better to open their own eyes to what underpins the pain many British Jews experience today: the state’s failure to honour its social contract with this minority.

Since the 7 October 2023 attacks on Israel and the subsequent Israel-Gaza war, Jews in Britain have experienced a growing tide of antisemitism. Over the course of 2025, 3,700 instances of antisemitic hate were reported, up 4 per cent from the previous year and 14 per cent lower than the highest ever annual total of 4,298 antisemitic incidents reported in 2023. Incidents include last week’s Golders Green attack, in which two men were stabbed; an arson attack at former synagogue in east London; an attack on the Jewish ambulance service Hatzola; an attempted firebombing at a synagogue in Kenton, London; and a terrorist attack on Manchester’s Heaton Park synagogue in October 2025, which killed two Jewish people and seriously injured three others.

In the wake of this alarming rise in antisemitism, focus groups we conducted between December 2025 and March 2026 with 43 British Jews across the UK revealed severely declining trust in Britain’s major institutions. The oldest non-Christian minority in the country, the Jewish community is less than 0.5 per cent of the UK population and includes both practising and non-practising members from a range of denominational affiliations and political views.

But despite their differences, people repeatedly expressed a similar stark sense of betrayal. Focus group participants stressed that while they were fulfilling their side of the bargain—complying with the law, paying taxes, contributing to civic life—the state increasingly was failing to provide them with protection and treat them fairly. “The pillars in the society we live in”, bemoaned a man in his 70s from Birmingham, “are letting us down”.
Date: 2026
Abstract: This research investigates how recommender algorithms on TikTok and Rumble expose UK minors to antisemitic content.

Analysts created 10 TikTok profiles representing 15-year-old users with varied political and cultural interests, including neutral interest in the Israel-Palestine conflict, left and right-wing political interest, male lifestyle influencer content, far-right content and two neutral accounts. The profiles were prompted towards relevant topics for each interest through an hour and a half of manual content viewing, followed by content engagement via bespoke bot over 14 days, resulting in over 5,500 recommended videos. Thematic analysis clustered content into 10 core themes, revealing pathways from neutral lifestyle content to highly politicised and conspiratorial clusters. Relevant themes were manually reviewed, revealing that harmful content persisted through videos, comments, and TikTok’s sticker and sound features, illustrating systemic gaps in safeguarding minors.

On Rumble, analysts collected 4,412 videos from the platform’s “Editor’s Picks” over six months. Analysts filtered for antisemitism-related keywords and reviewed 259 videos potentially relevant to antisemitism. Findings show Rumble hosts more overt antisemitic content than TikTok, including slurs, Holocaust distortion and conspiracies about Jewish control. These findings underscore urgent gaps in platform accountability and the need for robust enforcement of the Online Safety Act to protect children from the normalisation and mainstreaming of antisemitic content.
Date: 2023
Abstract: Как, в какой обстановке человек начинает испытывать ксенофобские чувства, в том числе антисемитизм? Следует ли искать корни этого в семейных традициях, в детской дворовой или школьной среде, в чтении соответствующей литературы, во влиянии взрослых наставников, встреченных на жизненном пути, в идейных поисках и стремлении осмыслить окружающую действительность, в определенных контекстах социального общения или пережитых травматических обстоятельствах?

Объектами моего анализа являются люди, зарекомендовавшие себя своими многолетними пространными антисемитскими публикациями. Все они – интеллектуалы, в свое время получившие полное или незаконченное вузовское образование. По этим данным вырисовываются два типажа и две линии, ведущие к антисемитизму. Очевидно, следует различать идеологических антисемитов, перешедших на эту позицию в результате своего жизненного опыта и интеллектуальных размышлений, и почвеннических антисемитов, получивших индоктринацию в своей семье. Первые шли от разума, вторые начали свой путь, опираясь на эмоции. Биографии первых показывают, что в молодости они не раз меняли свою позицию, свое отношение к религии и внешнему миру и свои политические взгляды. Вторые впитывали антисемитские чувства от старших родственников – родителей или дедушек и бабушек. В детские годы они слышали соответствующие разговоры, наблюдали за реакцией или за поступками старших в соответствующих ситуациях. Позднее на это наслаивалась новая информация, которую они тщательно отбирали, стремясь, чтобы она соответствовала их уже сложившимся убеждениям.
Author(s): Stögner, Karin
Date: 2025
Author(s): Dziri, Amir
Date: 2024
Abstract: Seit einigen Jahren dokumentiert die Antisemitismusforschung eine starke Zunahme von antisemitisch motivierten Äusserungen und Angriffen in diversen europäischen Ländern, sowie jüngst auch in der Schweiz. Dieser Umstand schlägt sich nieder in einer intensiven Diskussion über die Hintergründe und Ursachen dieser Zunahme, die unter dem Stichwort «Neuer Antisemitismus» zusammengefasst ist. Neben der Frage, inwiefern diese Zunahme auf Kontinuitäten judenfeindlicher Ressentiments christlich-religiöser, rassistisch-nationalistischer oder links-ideologischer Hintergrundfolien zurückzuführen ist, rückt auch die Frage nach judenfeindlichen Einstellungen in muslimisch sozialisierten Kontexten in den Vordergrund. Vor diesem Hintergrund verbindet das vorliegende Heft Expertisen aus der Antisemitismus-Forschung, der Geschichtsdidaktik, der interreligiösen Bildungsarbeit, der Islamwissenschaft wie auch der Islamisch-theologischen Studien, um der Herausforderung einer sachgerechten Darstellung in den je als notwendig erachteten Bezügen und Faktoren gerecht zu werden. Damit soll ein Beitrag geleistet werden für eine interkulturelle Antisemitismus-Aufklärung, die sich vor dem Hintergrund einer aktuellen gesellschaftlichen Aufgabe versteht und Verwertungsmöglichkeiten für die gesellschaftliche Bildungsarbeit aufzeigt. Akteur:innen aus der öffentlichen und religiösen Bildungsarbeit bietet das Heft eine interdisziplinäre Expertise, auf deren inhaltlichen Grundlagen eigene Formate und Angebote aufbauen können. Die interdisziplinäre Verzahnung bietet Fachwissenschafter:innen einen Einstieg in einen sich neu zusammensetzenden thematischen Blickwinkel in der Antisemitismusforschung. Die interessierte Öffentlichkeit gewinnt aus dem Heft eine kenntnisreiche Darstellung, die der Begleitung gesellschaftlicher Diskussionen dienlich sein kann.
Translated Title: Antisemitism
Editor(s): Achour, Sabine
Date: 2024
Abstract: Im Oktober 2019 übte ein bekennender Rechtsextremist am höchsten jüdischen Feiertag – Jom Kippur – in Halle ein Attentat aus, bei dem er explizit betende Jüdinnen und Juden in der Synagoge ermorden wollte. Seit dem Terrorakt der Hamas am 7. Oktober 2023 im Süden Israels und dem darauffolgenden Krieg erleben wir weltweit eine neue und andere Welle des Antisemitismus. Während einige Menschen aus dem linken und dem muslimischen Spektrum Israel das Existenzrecht absprechen, stehen nun rechte und rechtsextreme Politiker:innen vermeintlich an der Seite Israels. Diese Gemengelage kanalisiert sich in antisemitischem Hass und Hetze, sowohl online als auch auf den Straßen. Sie richten sich zwar zunächst augenscheinlich gegen „die Juden“, sind aber vielmehr eine Bedrohung unserer gesamten Demokratie, die die Rechte von Minderheiten schützen und stärken und die das friedliche Zusammenleben aller gewährleisten soll. Die genannten Beispiele des Hasses, die in ihrer Brutalität aus dem in Deutschland nachweislich verbreiteten „Alltagsantisemitismus“ herausstechen, zeugen von der Transformations- und Anschlussfähigkeit des Phänomens Antisemitismus. Nach dem Attentat in Halle schrieb das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Jahr 2020 die Förderlinie „Aktuelle Dynamiken und Herausforderungen des Antisemitismus“ aus. In zehn bundesweit aufgestellten Forschungsverbünden wurden in den vergangenen vier Jahren sowohl grundlegende als auch praxisorientierte Untersuchungen zu unterschiedlichen Dimensionen, Akteur:innen und Adressat:innen bearbeitet. Mit dieser Ausgabe von Politikum werden Ergebnisse aus diesen, aber auch weiteren Forschungen vorgestellt. Dabei wird u. a. den Fragen nachgegangen, welche Vor- und Nachteile die derzeit heftig debattierten Antisemitismusdefinitionen bieten, wie israelbezogener Antisemitismus von legitimer Kritik an der Regierung Israels unterschieden werden kann, wie Deepfakes antisemitische Narrative bedienen und wie man sie dekonstruiert oder auch, ob Graphic Novels als Unterrichtsmaterial in der Antisemitismusprävention geeignet sind. Mit den Einordnungen, Bestandsaufnahmen und Empfehlungen laden wir ein, sich mit unterschiedlichen Aspekten des Phänomens zu befassen, und bieten Einblicke in aktuelle Forschungen und neueste Materialien.

Stefanie Schüler-Springorum
„Der ewige Antisemitismus“

Armin Pfahl-Traughber
Israelbezogener Antisemitismus oder legitime Kritik?
Kursierende Definitionen zur Differenzierung kritisch geprüft

Thomas Haury
Schwierige Gemengelagen
Zur Unterscheidung von israelbezogenem Antisemitismus und nicht-antisemitischen Antizionismen in Geschichte und Gegenwart

Sara Han
Die Verbindung zwischen christlichem Antisemitismus und der Neuen Rechten in Deutschland

Sina Arnold
„Importierter“ Antisemitismus?
Zur Funktionalität eines zweifelhaften Konzepts

Sarah Jadwiga Jahn
„From the river to the sea, Palastine will be free“
Herausforderungen und Perspektiven für den Rechtsstaat

Marcus Scheiber
Antisemitische Deepfakes
Dekonstruktion über Bildwissen

Ursula Hennigfeld
Antisemitismusprävention im Schulunterricht
Kriterien zum Einsatz von Graphic Novels

Projekt RESPOND!
Antisemitismus in den sozialen Medien junger Menschen
Ein Training zur Stärkung der Medien- und Handlungskompetenz

Matthias Springborn
Geldverleiher im Mittelalter?
Herausforderungen bei der Darstellung von Jüdinnen und Juden, vom Judentum und von Israel in Schulbüchern

Philipp Graf und Alexander Weidle
Das Objekt zum Subjekt machen
Jüdische Alltagskultur in Deutschland vermitteln
Date: 2025