Abstract: Mit den kleinen Pflastersteinen zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus, den Stolpersteinen, die Gunter Demnig 1990 konzipierte und seitdem in Deutschland in Bürgersteige verlegt, traf der Künstler sofort einen Nerv von Anwohnern, Passanten sowie zivilgesellschaftlichen und politischen Akteuren. Auch nach 25 Jahren haben diese Kleinstdenkmäler nichts von ihrer Überzeugungskraft verloren und heute finden sich Stolpersteine ebenso in 19 anderen europäischen Ländern. Für 120 Euro können Privatpersonen, Verbände, Vereine, Parteien sowie Angehörige oder Freunde der in der NS-Zeit Deportierten und Ermordeten einen 10 x 10 cm großen Messingquader finanzieren, den der Künstler dann mit eingravierten Namen und Daten direkt vor der früheren Wohnstätte eines der Opfer in den Boden verlegt. Diese Stolpersteine setzen Standards in der Geschichte der Denkmalkunst. Sie erinnern an alltägliche Personen, die nicht durch heroische Taten, sondern durch das, was ihnen angetan wurde, bedeutsam sind. Sie lassen erahnen, wie Menschen aus unterschiedlichsten Stadtvierteln willkürlich aus ihrem Lebenszusammenhang gerissen wurden und wie unmittelbar Opfer, Täter und "Zuschauer" miteinander gelebt hatten. Passanten nehmen diese stolperkantenfrei verlegten Steine nur aus größter Nähe wahr und stolpern über sie doch in geistiger Weise, mit der überraschenden Wahrnehmung einer mit individuellen Schicksalen verknüpften geschichtlichen Dimension des Ortes. Durch die einheitliche Form dieser Kleinstdenkmäler werden die unterschiedlichen Opfer symbolisch zusammengeführt und sind auch nicht -was eher der Täterlogik folgen würde -in verschiedene Opfergruppen geteilt (z. B. Juden, Sinti und Roma, Kommunisten oder Homosexuelle). Passanten oder hier Wohnende werden in persönlicher Weise mit einst hier Lebenden und ihrem Leid konfrontiert und können Empathie für diese deportierten und ermordeten Mitmenschen entwickeln. Obwohl die leicht reproduzierbaren Messingobjekte nicht die Qualität eines künstlerischen Originals beanspruchen, sind sie als Merkzeichen geschichtlich authentischer Orte erfahrbar und fordern eine ethische Positionierung ein.
Abstract: Der Bundesverband der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus e. V. (Bundesverband RIAS) ist der Dachverband zivilgesellschaftlicher Meldestellen für antisemitische Vorfälle in Deutschland. Er verfolgt das Ziel, bundesweit eine einheitliche zivilgesellschaftliche Dokumentation antisemitischer Vorfälle ober- und unterhalb der Strafbarkeitsgrenze zu gewährleisten, die in jährlichen Berichten systematisch ausgewertet und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Neben den Meldungen von Betroffenen und Zeug*innen, dem Versammlungs- und Pressemonitoring sind auch polizeilich erfasste Straftaten Teil der Datengrundlagen, wenn diese zugänglich gemacht werden. In den vergangenen Jahren gab es allerdings keinen flächendeckenden systematischen Abgleich mit den polizeilichen Statistiken zu antisemitischen Straftaten. Der Kriminalpolizeiliche Meldedienst Politisch Motivierte Kriminalität (KPMD-PMK), in den neben den klassischen Staatsschutzdelikten auch Hasskriminalität beziehungsweise antisemitische Straftaten eingehen, ist seit Beginn Gegenstand der Arbeit des Bundesverbandes RIAS, etwa in den vom Bundesverband RIAS durchgeführten Problembeschreibungen zu Antisemitismus in mehreren Bundesländern (vgl. RIAS-BK 2018; Bundesverband RIAS, 2019, 2020, 2021a, 2021b, 2022; SABRA 2020). Das durch das BMI geförderte Projekt Austausch von Polizei und Zivilgesellschaft zu Antisemitismus (APZAS) wurde ins Leben gerufen, um einerseits den Austausch zwischen regionalen Antisemitismus-Meldestellen und den Polizeistellen zu initiieren und zu begleiten sowie andererseits die Erfassungspraxis in den föderal arbeitenden Landeskriminalämtern aus zivilgesellschaftlicher Perspektive zu untersuchen und dabei insbesondere den zugrunde liegenden antisemitismusbegriff nachzuvollziehen. Dafür wurden 2023 zwölf leitfadengestützte Interviews mit Expert*innen (vgl. Helfferich, 2019) aus den Bereichen Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Justiz, der polizeilichen Hochschullehre sowie Vertreter*innen unterschiedlicher Landeskriminalämter geführt. Die Interviews wurden im Anschluss inhaltsanalytisch ausgewertet (vgl. Kuckartz, 2012; Schreier, 2012). Ausgewählte Ergebnisse werden in diesem Beitrag diskutiert. Bevor wir uns der Kritik der Extremismus-Konzeption widmen, werden zunächst das Antisemitismusverständnis des KPMD-PMK sowie Perspektiven von Betroffenen untersucht.
Abstract: Die deutsche Gesellschaft steht angesichts globaler und regionaler Entwicklungen der letzten Jahrzehnte vor vielfältigen gesellschaftspolitischen Herausforderungen. Verschärfte Konflikte, Rassismus, Diskriminierung sowie die Verbreitung von Falschinformationen und Verschwörungsmythen prägen das gesellschaftliche Klima. Rassistische,
antisemitische, rechtsextreme und autoritäre Einstellungen sind tief in Teilen der Gesellschaft verwurzelt und manifestieren sich zunehmend sichtbarer und gewaltbereiter (Decker et al., 2022; Zick et al., 2023; Institut
für angewandte Familien-, Kindheits- und Jugendforschung e. V., 2023a; 2023b). Die Erkenntnisse dieser Studien verdeutlichen die Dringlichkeit, die Verbreitung extremistischer Einstellungen, insbesondere unter jungen
Menschen, genauer zu erforschen. In diesem Beitrag werden die Ergebnisse einer bundesweiten OnlineBefragung zu antisemitischen Einstellungen junger Menschen in Deutschland zwischen 16 und 27 Jahren vorgestellt. Die Befragung wurde in drei Phasen durchgeführt: In der ersten Phase wurden antisemitische (n = 1 593, Erhebungszeitraum: November 2022), in der zweiten Phase antimuslimische (n = 1 625, Erhebungszeitraum: September 2023) und in der
dritten Phase rechtsextreme Einstellungen (n = 1 313, Erhebungszeitraum: Dezember 2023) junger Menschen erforscht. Bei der Ziehung der Stichprobe wurde auf das Online-Access-Panel GapFish zurückgegriffen. Die
ausgewählten Ergebnisse in diesem Beitrag beziehen sich auf die erste und dritte Phase (antisemitische und rechtsextreme Einstellungen junger Menschen in Deutschland)
Abstract: In Deutschland werden die Debatten über Antisemitismus unter Muslim*innen zunehmend unter verzerrten Voraussetzungen geführt. So stellt z. B. die Alternative für Deutschland stellt Antisemitismus als ein „importiertes“ Feindbild aus dem Nahen Osten dar, das tief in der islamischen Religion verwurzelt sei. Diese Sichtweise suggeriert eine einfache Erklärung für die Quellen des Antisemitismus unter Muslim*innen, die jedoch in der wissenschaftlichen Forschung stark umstritten ist. So wird kontrovers diskutiert, ob die Sozialisation im Nahen Osten tatsächlich eine entscheidende Rolle bei der Entstehung antisemitischer Einstellungen spielt. Ebenso wird infrage gestellt, ob der Antisemitismus tatsächlich in der islamischen Tradition begründet ist. Viele Studien heben stattdessen hervor, dass nicht die islamische Religion an sich, sondern der islamische Fundamentalismus die entscheidende Triebkraft des Antisemitismus ist. Dieser Beitrag nähert sich der Thematik anhand mehrerer Bevölkerungsumfragen und vor allem einer Befragung unter deutschen Muslim*innen. Die Analysen zeigen, dass antisemitische Einstellungen unter Muslim*innen – besonders in ihrer tradierten gegen Israel gerichteten Artikulationsform– häufiger vertreten sind als im Durchschnitt der Gesamtbevölkerung. Dennoch können viele der gängigen Annahmen über die Ursachen des Antisemitismus die Unterschiede innerhalb der muslimischen Gemeinschaft nicht ausreichend erklären. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Neigung zu antisemitischen Einstellungen nicht signifikant zwischen Muslim*innen unterschiedlicher Herkunft variiert. Auch die individuelle Religiosität der Muslim*innen ist kein wesentlicher Prädiktor für antisemitische Haltungen. Vielmehr zeigt sich, dass eine fundamentalistische Interpretation der Religion ein zentraler Einflussfaktor ist. Eine Moderationsanalyse deutet darauf hin, dass Antisemitismus ein herkunftsübergreifendes Feindbild unter fundamentalistischen Muslim*innen darstellt. Dieser Einfluss des religiösen Fundamentalismus erweist sich dabei auch im Vergleich zu anderen Erklärungsansätzen als robust.
Author(s): Halioua, Bruno; Bantman, Patrick; Rimmer, Rachel; Ghozlan, Eric; Vaislic, Muriel; Halioua, Dan; Amson, Fabienne; Taieb, Charles; Prasquier, Richard; Gutthman, Jean-François; Ejnes, Robert; Dassa, Stéphanie; Astruc, Alexis; Cohen, Marc; Sarfati, Samuel; Fohlen-Weill, Marc; Namia-Cohen, Odile; Deutscher, Aline; Taieb, Jonathan
Abstract: Objective: The terrorist attacks of 7 October 2023 in southern Israel had a significant impact on the mental health of Holocaust Survivors (HS), who are considered to be particularly vulnerable to traumatic events. The aim of the study was to assess the severity of perceived stress and the psychological impact of the 7 October attacks on HS.
Methods: The study was conducted from 30 October to 15 December 2023 among HS who were contacted through HS support organisations (OSE, Aloumim). They completed a questionnaire consisting of four sections: socio-demographic data and experiences during the Holocaust, assessment of psychological stress using the Perceived Stress Scale (PSS-10), feelings of isolation, health consequences, and reactions to the 7 October attacks.
Results: 171 HS completed the questionnaire with 61 males (35.7%) with a mean age of 86.6+/−4.4 years (min 79–max 97). 59.6%, lived outside Israel, mainly in France. The mean score on the PSS-10 was 17.7 +/−6.0 on a scale of 5 to 40. The average PSS 10 score is not significantly higher in cases of age ≤90 years (18.0 ± 6.0 vs 15.7 ± 6.4, NS), or for those living in Israel (17.2 ± 5.3 vs 18.1 ± 6.6, NS). About a quarter reported feelings of isolation or loneliness following the attacks. The impact of the 7 October attacks was particularly significant among those living outside Israel. Approximately two-thirds felt that the events had rekindled memories of their Holocaust experiences, and nearly one-third observed a decline in their health since the attacks. Among survivors living outside Israel, 86.6% expressed concern about the future safety and identity of their children and grandchildren as Jews.
Conclusion: Identifying Holocaust survivors (HS) who are experiencing psychological distress is crucial to providing them with appropriate therapy.
HIGHLIGHTS
75.3% of Holocaust Suvivors experienced moderate to severe distress in the two months following the 7 October terrorist attacks, as measured by the PSS-10 questionnaire
Non-Israeli HS tend to think more frequently about the Holocaust period (87% vs 62.7%, p ≤ .05) and more often make a spontaneous link between the images broadcasted of the October 7 massacre and what happened during the Holocaust (83.7% vs 66.7%, p ≤ .05).
Compared to non-Israeli HS, those living in France and Canada are more anxious about the future of their children and grandchildren as Jews (86.6% vs 58.8%, p ≤ .05).
Abstract: In dem vorliegenden Forschungsbericht werden Ergebnisse einer im Frühsommer 2022 durchgeführten Onlinebefragung einer für die Bevölkerung in Deutschland insgesamt repräsentativen Einwohnermeldeamtsstichprobe von n=3 270 Jugendlichen und Heranwachsenden vorgestellt. Im Mittelpunkt der Analysen stehen die Verbreitung antisemitischer Vorurteile bei jungen Menschen, deren soziale Verteilung sowie dafür relevante Einflussfaktoren. Die Ergebnisse zeigen, dass insgesamt 2.1% der Jugendlichen und Heranwachsenden offen für antisemitische Ressentiments sind. Weitere 2.0% lassen eindeutige, hoch ausgeprägte antisemitische Einstellungen erkennen. Damit sind die Prävalenzraten antisemitischer Einstellungen bei jungen Menschen etwa halb so hoch wie die mit gleichartigen Messinstrumenten im gleichen Jahr in einer repräsentativen Befragung von Erwachsenen festgestellten Raten. Es sind aber erhebliche Differenzen der Prävalenzraten antisemitischer Einstellungen zwischen Teilgruppen der jungen Menschen zu erkennen. Jugendliche und Heranwachsende mit einem Migrationshintergrund weisen signifikant erhöhte Raten antisemitischer Einstellungen auf. Besonders hoch sind diese Raten antisemitischer Vorurteile bei jungen Muslim:innen. Aber auch dort stellen antisemitische eingestellte Jugendliche und Heranwachsende nicht die Mehrheit.
Multivariate Analysen zeigen weiter, dass die hohe Verbreitung antisemitischer Ressentiments bei jungen Muslim:innen nicht durch deren vermehrte individuellen Diskriminierungserlebnisse oder die bei ihnen weit verbreitete Wahrnehmung einer kollektiven Marginalisierung ihrer Eigengruppe erklärt werden kann. Wichtige Einflussfaktoren sind hingegen, neben einer geringen Bildung, die Neigung zum Verschwörungsglauben sowie eine rigide, fundamentalistische Religionsauffassung. Besonders auffallend und für die Praxis relevant ist die erkennbare starke Überrepräsentation von Muslim:innen der ersten Migrantengeneration unter den jungen Menschen mit antisemitischen Einstellungen. Insoweit ist für die Antisemitismusprävention festzustellen, dass ein großer Anteil ihrer Zielgruppe aus jungen Migrant:innen der ersten Migrant:innengeneration besteht, darunter in hohem Maße vor allem junge Muslim:innen, für die geeignete Angebote geschaffen werden sollten.
Abstract: October 7, 2023 is regarded as the deadliest massacre of Jews since the Shoah and marks a historical turning point. Since then, the repercussions of this terrorist attack and the subsequent Hamas-Israel war have been intensely debated. Antisemitic and violence-glorifying incidents in certain Muslim-migrant milieus have triggered emotionally charged debates on so-called “Muslim antisemitism.” However, little is known so far about the broader impact of October 7 and the war on the Muslim population in Germany. This study is based on a secondary analysis of the dataset Muslim Faith in Germany, collected between July 2023 and April 2024, and allows for a quasi-experimental before-and-after comparison in line with the Unexpected Event During Survey Design (N = 712 before, N = 1119 after October 7). The findings indicate that antisemitism among Muslims in Germany has changed significantly but only marginally since October 7, 2023, with consistently high approval rates between 30% and 35% for pronounced traditional antisemitism and between 23% and 19% for pronounced Israel-related antisemitism. Striking is the notable increase in radicalization potential: antisemitism—particularly in its Israel-related form—is significantly more strongly associated after October 7 with willingness to participate in unauthorized demonstrations, readiness for self-sacrifice, sympathies for Islamist actors, and acceptance of violence and terrorism as a means to enforce Muslim interests. Regression analyses show that especially lacking political integration, high fundamentalism, and threat perception are significantly associated with antisemitism after October 7. Implications for research and practice are discussed, regarding the strengthening of political trust, the dismantling of fundamentalism, and the reduction of collective threat perceptions.
Abstract: Keine sechs Jahre nach dem Ende des Holocaust schrieb Theodor W. Adorno, einer der bekanntesten Vertreter der Kritischen Theorie, in seiner Schrift Minima Moralia: „Der Antisemitismus ist das Gerücht über die Juden.“ Der Philosoph und Soziologe wollte mit dieser schlichten Definition das formulieren, was kennzeichnend für den
Antisemitismus ist und sich häufig hinter der Verbreitung von Verschwörungsideologien verbirgt: Das Konstruieren einer homogenen Gruppe, der pauschal negative Eigenschaften zugeschrieben werden. Das Wort „Gerücht“ drückt zugleich etwas „Heimliches“ aus, etwas, das im Verborgenen passiert. Ein Geheimnis also, von dem nicht alle
Menschen wissen sollen oder dürfen. Sogenannte Verschwörungsmythen kommen selten ohne Antisemitismus aus – und umgekehrt. Das zeigen nicht zuletzt aktuelle verschwörungs- ideologische Diskurse um SARS-CoV-2. Wie das
Virus, so breiten sich weltweit in ebenso rasanter Geschwindigkeit Geschichten um dessen Herkunft und Ursprung aus. Das „Gerücht“, nach dem die Krankheit von einer geheimen Macht erfunden worden oder harmlos sei, glauben in den USA viele Menschen bis hin zum amtierenden Präsidenten Donald Trump, und sie haben inzwischen auch in Deutschland Hochkonjunktur. Insbesondere die extreme Rechte versucht, sich diesen Verschwörungsmythos zunutze zu machen. So entwickelte sich von den Vereinigten Staaten ausgehend ein neues Phänomen, das zum Synonym für viele Verschwörungsideologien wurde. Das Schlagwort hinter diesem Phänomen lautet:
QAnon.
Abstract: Das Internet, als zentraler Ort für gesellschaftliche Diskussionen, zählt heute zu den Haupttradierungsorten von Antisemitismus und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. In Foren, Blogs oder Chat-Gruppen können Inhalte leicht geteilt und weitgehend ungehindert in Sekundenschnelle verbreitet werden. Dies macht gerade soziale Netzwerke wie Instagram, X, Facebook oder Telegram besonders attraktiv, um einfach und schnell Inhalte zu teilen, denen antisemitische Narrative und Stereotype zugrunde liegen. Durch das Internet gelangen Desinformationen, Hass und Hetze tief ins kollektive Bewusstsein. Die Folge ist, dass vor allem auch der Hass auf Jüdinnen und Juden rasant ansteigt. Der vorliegende „Jahresreport zum OnlineMonitoring 2025“ ist Teil des Projekts „Aktuelle Dynamiken des Antisemitismus im Internet: Formen, Ursachen und Gegenstrategien“ des Jüdischen Forums für Demokratie und gegen Antisemitismus e.V. (JFDA). Gerade in Zeiten von Krisen, gesellschaftlicher Transformation und Weiterentwicklung bietet das Internet einen idealen Nährboden für die Verbreitung demokratiefeindlicher Inhalte. Um
diese zu beleuchten und besser zu verstehen, wie Antisemitismus im digitalen Raum funktioniert, hat das JFDA ein systematisches Online-Monitoring aufgebaut. Dieses erkennt und analysiert antisemitische Inhalte und gibt fundierte Einblicke in deren Entwicklung. Das Internet, als zentraler Ort für gesellschaftliche Diskussionen, zählt heute zu
den Haupttradierungsorten von Antisemitismus und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. In Foren, Blogs oder
Chat-Gruppen können Inhalte leicht geteilt und weitgehend ungehindert in Sekundenschnelle verbreitet werden. Dies macht gerade soziale Netzwerke wie Instagram, X, Facebook oder Telegram besonders attraktiv, um einfach und schnell Inhalte zu teilen, denen antisemitische Narrative und Stereotype zugrunde liegen. Durch das Internet gelangen Desinformationen, Hass und Hetze tief ins kollektive Bewusstsein. Die Folge ist, dass vor allem auch der Hass auf Jüdinnen und Juden rasant ansteigt. Der vorliegende „Jahresreport zum OnlineMonitoring 2025“ ist Teil des Projekts „Aktuelle Dynamiken des Antisemitismus im Internet: Formen, Ursachen und Gegenstrategien“ des Jüdischen Forums für Demokratie und gegen Antisemitismus e.V. (JFDA). Gerade in Zeiten von Krisen, gesellschaftlicher Transformation und Weiterentwicklung bietet das Internet einen idealen Nährboden für die Verbreitung demokratiefeindlicher Inhalte. Um diese zu beleuchten und besser zu verstehen, wie Antisemitismus im digitalen Raum funktioniert, hat das JFDA ein systematisches Online-Monitoring aufgebaut. Dieses erkennt und analysiert antisemitische Inhalte und gibt fundierte Einblicke in deren Entwicklung.
Abstract: Wie zeigt sich Antisemitismus auf Versammlungen im öffentlichen Raum? Welche Parolen, Symbole und Narrative treten wiederholt auf? Und was bedeutet es für Jüdinnen und Juden, wenn gewaltverherrlichende und delegitimierende Sprache auf Demonstrationen normalisiert wird? Diesen Fragen geht die neue Veröffentlichung „Lagebild Antisemitismus. Feldbeobachtung im öffentlichen Raum“ nach. Sie bündelt eigene Beobachtungen von 76 Versammlungen aus dem ersten Halbjahr 2026, in dem das JFDA insgesamt 329 antisemitische Vorfälle dokumentiert hat. Im Mittelpunkt steht dabei nicht der isolierte Vorfall, sondern die Frage, welche Muster sich über verschiedene Versammlungen hinweg zeigen und fachlich einordnen lassen.
Das Lagebild macht sichtbar, dass die Bewertung einer Versammlung nicht bei der Frage endet, ob sie polizeilich als friedlich gilt. Entscheidend ist vielmehr, welche Inhalte im öffentlichen Raum wiederholt artikuliert werden, welche Feindbilder sie transportieren und welche Wirkung sie auf jüdische Sichtbarkeit, demokratische Öffentlichkeit und zivilgesellschaftliche Beobachtung entfalten. Bei den Feldbeobachtungen zeigten sich dabei vor allem die Dämonisierung und Delegitimierung Israels, entmenschlichende Zuschreibungen, Gewalt- und Vernichtungssemantik, NS-Vergleiche und Umkehrungen der Schoa-Erinnerung sowie verschwörungsideologische Erzählungen. Die Veröffentlichung richtet sich an Öffentlichkeit, Zivilgesellschaft, politische Bildung, Medien und zuständige Stellen. Sie bietet eine Grundlage, um antisemitische Dynamiken auf Versammlungen nicht nur punktuell wahrzunehmen, sondern in ihren wiederkehrenden Formen, Anschlussfähigkeiten und Wirkungen einzuordnen. Zugleich verdeutlicht sie, dass eine kontinuierliche, quellengebundene Feldbeobachtung notwendig bleibt, um solche Entwicklungen nachvollziehbar zu dokumentieren und über einzelne Ereignisse hinaus vergleichbar zu machen.
Abstract: Jüdische Identität im Spannungsverhältnis zwischen Eigendefinitionen, Antisemitismus und Rassismus.
Welche Hautfarben haben Jüdinnen und Juden - und welche werden ihnen zugeschrieben? Wie verorten sie sich selbst?
Seit Jahrhunderten werden Menschen durch rassistische Weltanschauungen vor allem nach ihrer Hautfarbige bewertet. »Rassentheorien«, Kolonialismus, Antisemitismus und andere Überlegenheitsfantasien schufen eine fundamentale Hierarchie: eine Ordnung der Welt, die auf der Ordnung nach Hautfarben beruht. Die Publikation beleuchtet diese Stereotypisierungen und Ausgrenzungen, die Jews of Color welt-weit - insbesondere in Europa, den USA und Israel - erfahren.
Heutige Diskurse verstehen Hautfarbige als historische und soziale Konstruktion und weniger als biologische Kategorie. Gerade die jüngste Eskalation des Nahost-Konflikts führte zur Verfestigung des Stereotyps von Juden als Weiße Kolonialherren, die eine »nicht-Weiße«, indigene Bevölkerung unterdrücken. Dafür wird ausgeblendet, dass Jüdinnen und Juden - nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass ihre Geschichte von Migration, Vertreibung, und allen voran von der Schoa geprägt ist - auf allen Kontinenten präsent waren und sind.
Sind Jüdinnen und Juden nun aber Weiß, »nicht-Weiß« oder Schwarz? Die verschiedenen Antworten und ihre weitreichenden Folgen bekräftigen die Aktualität und Dringlichkeit dieser Publikation.
Abstract: Since the Hamas massacre on October 7, 2023, German-speaking universities are no longer a safe haven for Jewish life. Those affected describe how the normality of yesteryear has been destroyed.
On October 7, 2023, a new era began for Jewish people. Even beyond the media-visible cases and hateful demonstrations on the streets, high-profile occupations and calls for boycotts at universities, the atmosphere at many universities changed permanently.
What did this development do to Jewish people working at these universities? To what extent were their professional self-image, their position in the academic space and their reality of life influenced? What strategies did they develop in dealing with hostility and institutional uncertainty?
In over sixty personal testimonies from members of the network of Jewish university lecturers in Germany, Austria and Switzerland, as well as their support group, those affected paint a striking picture of rejection, exclusion and loneliness in the world they once considered their spiritual home. At the same time, the band documents the ability of those involved to act under difficult conditions. The book thus offers a disturbing and insightful look at the precarious situation of Jewish university members behind the charged discourses of our time.
Abstract: In diesem Sommer zeigte sich besonders deutlich, dass die Angriffe auf die Erinnerung die Arbeit der Gedenkstätten massiv behindern. Wöchentlich wurden zuletzt Hakenkreuz-Schmierereien in Buchenwald entdeckt. Das Thema verschwand dennoch für den Moment aus dem medialen Fokus. Der Grund: Am 7. Oktober überfiel die Terrororganisation Hamas die israelische Zivilbevölkerung. Der 7. Oktober bedeutet eine tiefgreifende Zäsur in der Geschichte Israels – mit drastischen Auswirkungen auch für Jüdinnen*Juden in Deutschland.
Das hat auch viel mit dem Thema dieses Lagebilds zu tun, wie aktuelle Vorfälle zeigen. Sie machen deutlich, wie das Gedenken an den Nationalsozialismus angegriffen wird, um gegen den Staat Israel zu agitieren. Israelbezogener Antisemitismus und Post-Shoah-Antisemitismus gehen oft Hand in Hand.Wegen Angriffen auf die Erinnerung von allen Seiten bekommt die Gedenkkultur Risse.
Die extreme Rechte will diese Risse im Gedenken. Risse werden mit der Zeit größer und tiefer. Spätestens 2017, mit der Dresdener Rede Höckes, wurde deutlich: Die extreme Rechte will noch mehr. Sie will die Gedenkkultur einreißen und dagegen eine Erinnerung setzen, die die Verbrechen der Nationalsozialisten relativiert. Das hat den Effekt, dass Gedenkstätten immer öfter zum Ziel von Angriffen und Vandalismus werden.
Momentan wird die Rolle der extremen Rechten kaum diskutiert, weil der Blick – aus gutem Grund – auf die islamistischen und linken Gruppierungen gerichtet ist, die den Hamas-Terror verherrlichen und eine Grundlage für weitere antisemitische Vorfälle in Deutschland schaffen. Im Windschatten der Terror-Verherrlichung setzt die extreme Rechte ihre Angriffe auf die Erinnerung fort. In der Gedenkstätte Ahlem in Hannover (Niedersachsen) wurden Ende Oktober mehrere Gedenktafeln mit Aufklebern überklebt. Neben „Befreie dich vom Schuldkult“ war ein Aufkleber mit einer Palästina-Fahne und den Worten „Free Palestine End Israeli Occupation“ zu lesen. Ein Aufkleber der Neonazi-Gruppierung Junge Nationalisten zeigte eine blutige Israel-Fahne mit der Parole „Israel mordet und die Welt schaut zu“.
Immer wieder wird der Krieg gegen Israel mit Angriffen auf die Erinnerung verknüpft. Das Zivilgesellschaftliche Lagebild Antisemitismus #12 nimmt die Risse in der Erinnerung an den Nationalsozialismus in den Blick und ergänzt die aktuell geführte Antisemitismuskritik um eine spezifisch deutsche Facette: Jede Art von Antisemitismus in diesem Land bringt auch einen Ruf nach einem Schlussstrich mit sich.
Abstract: Transnistria, meaning “beyond the Dniester”, was an artificial geographic term created during the Second World War, referring to a region in the Ukraine that was situated between the Dniester River on the west and the Bug River on the east, also extending southward to the Black Sea. During October and November 1941, thousands of terrorized Jews, mostly without food and water, were deported on foot or by wagon to Transnistria. Depending on whose numbers one uses, between 120,000 and 180,000 Jews were deported to Transnistria from Bessarabia and Northern Bukovina. Of this group, only 50,000 would survive the war.
For years, the fate of the Jews in Transnistria was not emphasized in Holocaust remembrance, education, or commemoration. The reasons for this were manifold. They included problems of documentation; attitudes of Eastern European governments until the transition of the 1990s; priorities of major Holocaust memorial organizations until that transition; activities, primarily internally focused, of the survivor organizations from Bukovina, Bessarabia, and Transnistria; and, finally, the dynamics among Jewish survivors from Romania as they reassembled their lives in the first postwar decades. All this contributed to Transnistria becoming “the forgotten Holocaust”.
As the last Jewish survivors of the Transnistrian ghettos and camps reached their eighth and ninth decades at the beginning of the 21st century, various political, social, educational, and demographic factors coalesced, changing pre-existing dynamics regarding the memory of Transnistria. In this chapter, I focus on these factors, showing how and why this “forgotten Holocaust” is slowly being remembered again.
Abstract: Public engagement with the Holocaust in Romania has developed slowly and unevenly, shaped by decades of political constraint and institutional silence. Until 1989, restricted archival access and an antifascist ideological framework marginalized the specificity of Jewish persecution, subsuming it under a generalized narrative of “victims of fascism”. A substantive public acknowledgment of Romania’s responsibility emerged only in 2004, with the adoption of the Final Report of the International Commission on the Holocaust in Romania. This belated recognition profoundly influenced the spatial articulation of memory in Bucharest.
The chapter examines the fragmented mnemonic landscape of the city through a theoretical distinction between imprints and places. Imprints are material interventions – monuments, plaques, museums – that inscribe historical facts into public space. While essential for visibility and moral acknowledgment, they operate largely as static markers. Places, by contrast, are urban sites whose latent memory is reactivated through collective engagement. Rather than merely preserving the past, they generate memory through interaction, interpretation, and embodied experience.
Through case studies – including Giurgiului Cemetery, the Bucharest Holocaust Memorial (2009), and the Memorial to the Martyrs of the Bucharest Pogrom (2016) – the chapter traces the transition from enclosed, community-bound remembrance to civic visibility. It then analyzes the pedagogical project PLACES (2021), developed with architecture students, which reconstructed the prewar addresses of the 125 pogrom victims and reinscribed them into the contemporary city through mapping, archival research, and digital interfaces.
By shifting attention from sites of death to spaces of everyday life, PLACES exemplifies a performative model of remembrance grounded in secondary witnessing. The study argues that, in the absence of living testimony, urban space itself becomes a medium of memory – capable not only of conserving history but of ethically reactivating it within the present.
Abstract: Der Kampf gegen Antisemitismus in Berlin hat einen blinden Fleck: Er denkt international geprägte Szenen, die sich zum Teil als queer definieren oder mit queeren Szenen überlappen, nicht mit. Das ist nicht neu, aber es wird seit dem 7. Oktober 2023 immer deutlicher sichtbar. Queers mobilisieren zu israelfeindlichen Demos, es kommt zu Übergriffen auf Jüdinnen*Juden. Wer Teil der Szene sein will, muss sich antizionistisch positionieren.
Dieses Dossier soll einen Eindruck des Ist-Zustands in Hinblick auf Antisemitismus in Teilen der queeren Community Berlins vermitteln. Dabei handelt es sich um ein Schlaglicht, ohne Anspruch auf Vollständigkeit: Längst nicht alle Auseinandersetzungen, die in den vielen unterschiedlichen queeren Szenen und Orten geführt werden, können hier abgebildet werden. Das Dossier wird Grundlagen der kritischen Auseinandersetzung mit Antisemitismus und israelbezogenem Antisemitismus erläutern. Homonationalismus und Pinkwashing sind zwei miteinander verbundene Begriffe der Queer-Theorie, die kritisch eingeordnet werden, weil sie zentral für den Blick unterschiedlicher queerer Szenen auf den Israel-Palästina-Konflikt, den sogenannten Nahostkonflikt, sind. Es zeichnet nach, wie sich antisemitismus in den letzten Jahren in queeren Szenen gezeigt und was sich seit dem 7. Oktober 2023 verändert hat.
Welche Verbindungen dabei bestehen und wie die Szenen und Akteure aufgestellt sind, zeigen zwei Exkurse: einer zur BDS-Kampagne und ihrer Rolle als aktuell dominierende Form des Antisemitismus — und einer zur Clubkultur, als bedeutender Ort der Austragung. Wie Antisemitismus in queeren Szenen aussehen kann, belegen Zitate aus Interviews, die für diesen Text geführt wurden: mit Queers, Bündnissen und Verbänden.
Abstract: This open access book explores the resilience of Jewish civil society organizing in Ukraine during the tumultuous early months of the 2022 Russian full-scale invasion. Developed in collaboration with Paideia - the European Institute for Jewish Studies in Sweden, the research chronicles a project that involved Ukrainian Jewish communities during wartime through Paideia’s alumni network. Drawing on rich empirical data, the authors examine the multifaceted work of Jewish organizations and organizing efforts, from sustaining rituals to engaging in humanitarian work. The book examines single case studies and broader cross-organizational analyses, shedding light on the capacity of Jewish groups to repurpose activities, pivot from serving specific communities to addressing broader societal needs, and mobilize resources under extreme conditions. This resilience, the authors argue, is shaped by a complex interplay of factors: pre-existing organizational structures, transnational networks, and the fusion of symbolic and material institutional elements rooted in the Ukrainian-Jewish experience. By situating these efforts within a wider context, the book uses different streams of organization studies to provide an in-depth analysis of resilient civil society organizing during wartime. Aimed at organization scholars, civil society researchers, activists, and those interested in Jewish culture and Ukrainian history, this book offers critical insights into the possibility of civil society resilience in the face of war.
Abstract: Government and political parties must adopt an amended definition of antisemitism, aimed at promoting a zero-tolerance approach while allowing free speech on Israel and Palestine to continue. The persistent use of 'Zionist' as a term of abuse is a particular concern: use of the word in an accusatory context should be considered inflammatory and potentially antisemitic by law enforcement and political party officials.
While the UK remains one of the least antisemitic countries in Europe, it is alarming that recent surveys show that as many as one in 20 adults in the UK could be characterised as "clearly antisemitic".
There is a worrying disparity in police-recorded antisemitic crime across the country, with virtually no cases recorded in some police force areas where thousands of Jewish people live. It calls on the National Police Chiefs' Council to investigate this apparent under reporting, and to provide support to police forces with less experience of investigating potentially antisemitic incidents.
Shami (now Baroness) Chakrabarti's report into antisemitism in the Labour Party is ultimately compromised by its failure to deliver a comprehensive set of recommendations, to provide a definition of antisemitism, or to suggest effective ways of dealing with antisemitic incidents. In addition, her decision to join the Labour Party in April and accept a peerage as a nominee of the Labour Leader, along with her recent appointment to Jeremy Corbyn's Shadow Cabinet, has thrown into question the independence of the Labour Party's inquiry.
Despite his proud record on fighting racism, the Committee is not persuaded that Mr Corbyn fully appreciates the distinct nature of contemporary antisemitism, and the fact that it is perfectly possible for an 'anti-racist campaigner' to express antisemitic views. His lack of consistent leadership on this issue has created what some have referred to as a 'safe space' for those with vile attitudes towards Jewish people, exacerbated by the Party's demonstrable incompetence at dealing with members accused of antisemitism.
Abstract: This paper deepens our understanding of the construction of ethno-racial diversity and difference in organizations, and the consequences of those discursive struggles on the lives of workers. Categories of difference are usually seen as building blocks of diversity management, however critical and postcolonial researchers have long pointed out the need to develop more flexible and context-sensitive epistemologies in studying racial inequality, beyond binary conceptions of blackness and whiteness. The Jewish context offers a unique opportunity to explore those discursive dynamics, due to the elusive nature of “Jewish difference”, taboos over the use of racial classifications, and possible conflicts between an anti-racist stance and a Zionist affiliation. Exploring the diversity discourse within UK Jewish nonprofit organizations reveals three main diversity frames: in the first, “Jews are white”, the construction the Jewish organization as a white space is explored, as well as DEI efforts to bridge the Jewish-black gap; the second, “Jews are non-white”, explores this re-emerging discourse in the context of DEI, and investigates its acceptance as an act of reclaiming a historically marginalized identity, and as an appropriation of racial difference; the third, “Jews are ethnically diverse” explores the manifestations of Ashkenazi-Sephardi relations in diaspora organizations, and the sidelining of race. Throughout those diversity discourses, the repercussions on the lives of workplace are critically examined.
Abstract: Diaspora organizations can be seen as spaces where national identities are negotiated, expanded, and contested, and as transnational sites where organizational members hold overlapping and multiple frames of belonging and loyalty. This framing suggests the potential to extend diversity debates beyond the us/them binary logic of the nation-state. This qualitative study explores representations of Israel-Palestine in Jewish organizations in the UK, that broadly identify with a liberal Zionist orientation. It examines how nationhood and attachment to “homeland” are constructed, negotiated, and managed in everyday organizational life, with particular attention to moments of ambiguity and dissent. It shows how, as employees navigate diasporic ambivalence, diversity and inclusion discourses work to shape and often limit political-ideological differences. It contributes to diversity and organization studies by conceptualizing nationhood and homeland attachment as DEI questions and by advancing a diaspora organizational lens on how nationalism and belonging are negotiated in workplaces. It also highlights the ambivalent role of communities in DEI work, showing how community engagement can operate both as a source of ethical grounding and as a gatekeeping mechanism that constrains organizational capacity to accommodate difference.