Abstract: Der Bundesverband der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus e. V. (Bundesverband RIAS) ist der Dachverband zivilgesellschaftlicher Meldestellen für antisemitische Vorfälle in Deutschland. Er verfolgt das Ziel, bundesweit eine einheitliche zivilgesellschaftliche Dokumentation antisemitischer Vorfälle ober- und unterhalb der Strafbarkeitsgrenze zu gewährleisten, die in jährlichen Berichten systematisch ausgewertet und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Neben den Meldungen von Betroffenen und Zeug*innen, dem Versammlungs- und Pressemonitoring sind auch polizeilich erfasste Straftaten Teil der Datengrundlagen, wenn diese zugänglich gemacht werden. In den vergangenen Jahren gab es allerdings keinen flächendeckenden systematischen Abgleich mit den polizeilichen Statistiken zu antisemitischen Straftaten. Der Kriminalpolizeiliche Meldedienst Politisch Motivierte Kriminalität (KPMD-PMK), in den neben den klassischen Staatsschutzdelikten auch Hasskriminalität beziehungsweise antisemitische Straftaten eingehen, ist seit Beginn Gegenstand der Arbeit des Bundesverbandes RIAS, etwa in den vom Bundesverband RIAS durchgeführten Problembeschreibungen zu Antisemitismus in mehreren Bundesländern (vgl. RIAS-BK 2018; Bundesverband RIAS, 2019, 2020, 2021a, 2021b, 2022; SABRA 2020). Das durch das BMI geförderte Projekt Austausch von Polizei und Zivilgesellschaft zu Antisemitismus (APZAS) wurde ins Leben gerufen, um einerseits den Austausch zwischen regionalen Antisemitismus-Meldestellen und den Polizeistellen zu initiieren und zu begleiten sowie andererseits die Erfassungspraxis in den föderal arbeitenden Landeskriminalämtern aus zivilgesellschaftlicher Perspektive zu untersuchen und dabei insbesondere den zugrunde liegenden antisemitismusbegriff nachzuvollziehen. Dafür wurden 2023 zwölf leitfadengestützte Interviews mit Expert*innen (vgl. Helfferich, 2019) aus den Bereichen Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Justiz, der polizeilichen Hochschullehre sowie Vertreter*innen unterschiedlicher Landeskriminalämter geführt. Die Interviews wurden im Anschluss inhaltsanalytisch ausgewertet (vgl. Kuckartz, 2012; Schreier, 2012). Ausgewählte Ergebnisse werden in diesem Beitrag diskutiert. Bevor wir uns der Kritik der Extremismus-Konzeption widmen, werden zunächst das Antisemitismusverständnis des KPMD-PMK sowie Perspektiven von Betroffenen untersucht.
Abstract: Die deutsche Gesellschaft steht angesichts globaler und regionaler Entwicklungen der letzten Jahrzehnte vor vielfältigen gesellschaftspolitischen Herausforderungen. Verschärfte Konflikte, Rassismus, Diskriminierung sowie die Verbreitung von Falschinformationen und Verschwörungsmythen prägen das gesellschaftliche Klima. Rassistische,
antisemitische, rechtsextreme und autoritäre Einstellungen sind tief in Teilen der Gesellschaft verwurzelt und manifestieren sich zunehmend sichtbarer und gewaltbereiter (Decker et al., 2022; Zick et al., 2023; Institut
für angewandte Familien-, Kindheits- und Jugendforschung e. V., 2023a; 2023b). Die Erkenntnisse dieser Studien verdeutlichen die Dringlichkeit, die Verbreitung extremistischer Einstellungen, insbesondere unter jungen
Menschen, genauer zu erforschen. In diesem Beitrag werden die Ergebnisse einer bundesweiten OnlineBefragung zu antisemitischen Einstellungen junger Menschen in Deutschland zwischen 16 und 27 Jahren vorgestellt. Die Befragung wurde in drei Phasen durchgeführt: In der ersten Phase wurden antisemitische (n = 1 593, Erhebungszeitraum: November 2022), in der zweiten Phase antimuslimische (n = 1 625, Erhebungszeitraum: September 2023) und in der
dritten Phase rechtsextreme Einstellungen (n = 1 313, Erhebungszeitraum: Dezember 2023) junger Menschen erforscht. Bei der Ziehung der Stichprobe wurde auf das Online-Access-Panel GapFish zurückgegriffen. Die
ausgewählten Ergebnisse in diesem Beitrag beziehen sich auf die erste und dritte Phase (antisemitische und rechtsextreme Einstellungen junger Menschen in Deutschland)
Abstract: In Deutschland werden die Debatten über Antisemitismus unter Muslim*innen zunehmend unter verzerrten Voraussetzungen geführt. So stellt z. B. die Alternative für Deutschland stellt Antisemitismus als ein „importiertes“ Feindbild aus dem Nahen Osten dar, das tief in der islamischen Religion verwurzelt sei. Diese Sichtweise suggeriert eine einfache Erklärung für die Quellen des Antisemitismus unter Muslim*innen, die jedoch in der wissenschaftlichen Forschung stark umstritten ist. So wird kontrovers diskutiert, ob die Sozialisation im Nahen Osten tatsächlich eine entscheidende Rolle bei der Entstehung antisemitischer Einstellungen spielt. Ebenso wird infrage gestellt, ob der Antisemitismus tatsächlich in der islamischen Tradition begründet ist. Viele Studien heben stattdessen hervor, dass nicht die islamische Religion an sich, sondern der islamische Fundamentalismus die entscheidende Triebkraft des Antisemitismus ist. Dieser Beitrag nähert sich der Thematik anhand mehrerer Bevölkerungsumfragen und vor allem einer Befragung unter deutschen Muslim*innen. Die Analysen zeigen, dass antisemitische Einstellungen unter Muslim*innen – besonders in ihrer tradierten gegen Israel gerichteten Artikulationsform– häufiger vertreten sind als im Durchschnitt der Gesamtbevölkerung. Dennoch können viele der gängigen Annahmen über die Ursachen des Antisemitismus die Unterschiede innerhalb der muslimischen Gemeinschaft nicht ausreichend erklären. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Neigung zu antisemitischen Einstellungen nicht signifikant zwischen Muslim*innen unterschiedlicher Herkunft variiert. Auch die individuelle Religiosität der Muslim*innen ist kein wesentlicher Prädiktor für antisemitische Haltungen. Vielmehr zeigt sich, dass eine fundamentalistische Interpretation der Religion ein zentraler Einflussfaktor ist. Eine Moderationsanalyse deutet darauf hin, dass Antisemitismus ein herkunftsübergreifendes Feindbild unter fundamentalistischen Muslim*innen darstellt. Dieser Einfluss des religiösen Fundamentalismus erweist sich dabei auch im Vergleich zu anderen Erklärungsansätzen als robust.
Author(s): Halioua, Bruno; Bantman, Patrick; Rimmer, Rachel; Ghozlan, Eric; Vaislic, Muriel; Halioua, Dan; Amson, Fabienne; Taieb, Charles; Prasquier, Richard; Gutthman, Jean-François; Ejnes, Robert; Dassa, Stéphanie; Astruc, Alexis; Cohen, Marc; Sarfati, Samuel; Fohlen-Weill, Marc; Namia-Cohen, Odile; Deutscher, Aline; Taieb, Jonathan
Abstract: Objective: The terrorist attacks of 7 October 2023 in southern Israel had a significant impact on the mental health of Holocaust Survivors (HS), who are considered to be particularly vulnerable to traumatic events. The aim of the study was to assess the severity of perceived stress and the psychological impact of the 7 October attacks on HS.
Methods: The study was conducted from 30 October to 15 December 2023 among HS who were contacted through HS support organisations (OSE, Aloumim). They completed a questionnaire consisting of four sections: socio-demographic data and experiences during the Holocaust, assessment of psychological stress using the Perceived Stress Scale (PSS-10), feelings of isolation, health consequences, and reactions to the 7 October attacks.
Results: 171 HS completed the questionnaire with 61 males (35.7%) with a mean age of 86.6+/−4.4 years (min 79–max 97). 59.6%, lived outside Israel, mainly in France. The mean score on the PSS-10 was 17.7 +/−6.0 on a scale of 5 to 40. The average PSS 10 score is not significantly higher in cases of age ≤90 years (18.0 ± 6.0 vs 15.7 ± 6.4, NS), or for those living in Israel (17.2 ± 5.3 vs 18.1 ± 6.6, NS). About a quarter reported feelings of isolation or loneliness following the attacks. The impact of the 7 October attacks was particularly significant among those living outside Israel. Approximately two-thirds felt that the events had rekindled memories of their Holocaust experiences, and nearly one-third observed a decline in their health since the attacks. Among survivors living outside Israel, 86.6% expressed concern about the future safety and identity of their children and grandchildren as Jews.
Conclusion: Identifying Holocaust survivors (HS) who are experiencing psychological distress is crucial to providing them with appropriate therapy.
HIGHLIGHTS
75.3% of Holocaust Suvivors experienced moderate to severe distress in the two months following the 7 October terrorist attacks, as measured by the PSS-10 questionnaire
Non-Israeli HS tend to think more frequently about the Holocaust period (87% vs 62.7%, p ≤ .05) and more often make a spontaneous link between the images broadcasted of the October 7 massacre and what happened during the Holocaust (83.7% vs 66.7%, p ≤ .05).
Compared to non-Israeli HS, those living in France and Canada are more anxious about the future of their children and grandchildren as Jews (86.6% vs 58.8%, p ≤ .05).
Abstract: October 7, 2023 is regarded as the deadliest massacre of Jews since the Shoah and marks a historical turning point. Since then, the repercussions of this terrorist attack and the subsequent Hamas-Israel war have been intensely debated. Antisemitic and violence-glorifying incidents in certain Muslim-migrant milieus have triggered emotionally charged debates on so-called “Muslim antisemitism.” However, little is known so far about the broader impact of October 7 and the war on the Muslim population in Germany. This study is based on a secondary analysis of the dataset Muslim Faith in Germany, collected between July 2023 and April 2024, and allows for a quasi-experimental before-and-after comparison in line with the Unexpected Event During Survey Design (N = 712 before, N = 1119 after October 7). The findings indicate that antisemitism among Muslims in Germany has changed significantly but only marginally since October 7, 2023, with consistently high approval rates between 30% and 35% for pronounced traditional antisemitism and between 23% and 19% for pronounced Israel-related antisemitism. Striking is the notable increase in radicalization potential: antisemitism—particularly in its Israel-related form—is significantly more strongly associated after October 7 with willingness to participate in unauthorized demonstrations, readiness for self-sacrifice, sympathies for Islamist actors, and acceptance of violence and terrorism as a means to enforce Muslim interests. Regression analyses show that especially lacking political integration, high fundamentalism, and threat perception are significantly associated with antisemitism after October 7. Implications for research and practice are discussed, regarding the strengthening of political trust, the dismantling of fundamentalism, and the reduction of collective threat perceptions.
Abstract: Das Internet, als zentraler Ort für gesellschaftliche Diskussionen, zählt heute zu den Haupttradierungsorten von Antisemitismus und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. In Foren, Blogs oder Chat-Gruppen können Inhalte leicht geteilt und weitgehend ungehindert in Sekundenschnelle verbreitet werden. Dies macht gerade soziale Netzwerke wie Instagram, X, Facebook oder Telegram besonders attraktiv, um einfach und schnell Inhalte zu teilen, denen antisemitische Narrative und Stereotype zugrunde liegen. Durch das Internet gelangen Desinformationen, Hass und Hetze tief ins kollektive Bewusstsein. Die Folge ist, dass vor allem auch der Hass auf Jüdinnen und Juden rasant ansteigt. Der vorliegende „Jahresreport zum OnlineMonitoring 2025“ ist Teil des Projekts „Aktuelle Dynamiken des Antisemitismus im Internet: Formen, Ursachen und Gegenstrategien“ des Jüdischen Forums für Demokratie und gegen Antisemitismus e.V. (JFDA). Gerade in Zeiten von Krisen, gesellschaftlicher Transformation und Weiterentwicklung bietet das Internet einen idealen Nährboden für die Verbreitung demokratiefeindlicher Inhalte. Um
diese zu beleuchten und besser zu verstehen, wie Antisemitismus im digitalen Raum funktioniert, hat das JFDA ein systematisches Online-Monitoring aufgebaut. Dieses erkennt und analysiert antisemitische Inhalte und gibt fundierte Einblicke in deren Entwicklung. Das Internet, als zentraler Ort für gesellschaftliche Diskussionen, zählt heute zu
den Haupttradierungsorten von Antisemitismus und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. In Foren, Blogs oder
Chat-Gruppen können Inhalte leicht geteilt und weitgehend ungehindert in Sekundenschnelle verbreitet werden. Dies macht gerade soziale Netzwerke wie Instagram, X, Facebook oder Telegram besonders attraktiv, um einfach und schnell Inhalte zu teilen, denen antisemitische Narrative und Stereotype zugrunde liegen. Durch das Internet gelangen Desinformationen, Hass und Hetze tief ins kollektive Bewusstsein. Die Folge ist, dass vor allem auch der Hass auf Jüdinnen und Juden rasant ansteigt. Der vorliegende „Jahresreport zum OnlineMonitoring 2025“ ist Teil des Projekts „Aktuelle Dynamiken des Antisemitismus im Internet: Formen, Ursachen und Gegenstrategien“ des Jüdischen Forums für Demokratie und gegen Antisemitismus e.V. (JFDA). Gerade in Zeiten von Krisen, gesellschaftlicher Transformation und Weiterentwicklung bietet das Internet einen idealen Nährboden für die Verbreitung demokratiefeindlicher Inhalte. Um diese zu beleuchten und besser zu verstehen, wie Antisemitismus im digitalen Raum funktioniert, hat das JFDA ein systematisches Online-Monitoring aufgebaut. Dieses erkennt und analysiert antisemitische Inhalte und gibt fundierte Einblicke in deren Entwicklung.
Abstract: Jüdische Identität im Spannungsverhältnis zwischen Eigendefinitionen, Antisemitismus und Rassismus.
Welche Hautfarben haben Jüdinnen und Juden - und welche werden ihnen zugeschrieben? Wie verorten sie sich selbst?
Seit Jahrhunderten werden Menschen durch rassistische Weltanschauungen vor allem nach ihrer Hautfarbige bewertet. »Rassentheorien«, Kolonialismus, Antisemitismus und andere Überlegenheitsfantasien schufen eine fundamentale Hierarchie: eine Ordnung der Welt, die auf der Ordnung nach Hautfarben beruht. Die Publikation beleuchtet diese Stereotypisierungen und Ausgrenzungen, die Jews of Color welt-weit - insbesondere in Europa, den USA und Israel - erfahren.
Heutige Diskurse verstehen Hautfarbige als historische und soziale Konstruktion und weniger als biologische Kategorie. Gerade die jüngste Eskalation des Nahost-Konflikts führte zur Verfestigung des Stereotyps von Juden als Weiße Kolonialherren, die eine »nicht-Weiße«, indigene Bevölkerung unterdrücken. Dafür wird ausgeblendet, dass Jüdinnen und Juden - nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass ihre Geschichte von Migration, Vertreibung, und allen voran von der Schoa geprägt ist - auf allen Kontinenten präsent waren und sind.
Sind Jüdinnen und Juden nun aber Weiß, »nicht-Weiß« oder Schwarz? Die verschiedenen Antworten und ihre weitreichenden Folgen bekräftigen die Aktualität und Dringlichkeit dieser Publikation.
Abstract: À partir des années 1990 s’impose la conviction que le recul du racisme et de l’antisémitisme résultera de la connaissance des tragédies du passé auxquelles ces idéologies ont conduit. Trente ans plus tard, le constat est sans appel : le racisme peine à reculer, l’antisémitisme connaît une nouvelle vigueur et l’extrême droite xénophobe accumule les succès électoraux. Il devient donc impérieux d’interroger une pédagogie par la mémoire des événements tragiques (Shoah, esclavage « négrier », colonisation) qui n’est plus au diapason d’une société et d’une jeunesse en profonde mutation.
Alors que les mémoires sont devenues des vecteurs de confrontations identitaires, que l’antisémitisme contemporain puise à des matrices ignorées des programmes scolaires (islam et antisionisme) et que la recherche historique récente a enrichi et renouvelé les savoirs, le récit historique doit être profondément repensé.
Cet essai suggère de transmettre l’histoire des racismes et des antisémitismes, non plus en partant de leurs conséquences les plus tragiques, mais par l’analyse de leur fabrique, de leurs mythes constitutifs et des stratégies de leur permanence, en privilégiant le temps long et la démarche comparative, sans éluder ni le rôle des religions, ni les sources extra-européennes du racisme et de l’antisémitisme.
Abstract: Статья исследует основные направления эмиграции горских евреев во второй половине XX – начале XXI века. Горские евреи, кавказские евреи или джууры, а если быть точнее, то их предки появились на Кавказе, предположительно в VI в. н.э. Местами их компактного расселения в данном регионе стали территории современной Азербайджанской Республики и юг Республики Дагестан. Горские евреи всегда в гармонии и мире проживали с другими народами на Кавказе. Ситуация поменялась в 1970-х. гг. когда они начали репатриироваться в Израиль. Однако, более массовый характер переселенческое движение приобрело в 1990-х гг. в период дезинтеграции СССР. Автор анализирует причины массового исхода представителей этой общины, включая политические, экономические и социальные факторы. Особое внимание уделяется миграционным маршрутам, таким как переезд в Израиль, США и Европу, а также особенностям адаптации горских евреев в новых условиях. В работе рассматриваются изменения в культурной идентичности и сохранении традиций в условиях диаспоры. Среди использованных в данном исследовании методов можно назвать исторический метод (историко-генетический), историко-сравнительный метод, историко-типологический метод, историко-структурный метод, документальный анализ. Исследование сочетает исторические и социологические аспекты эмиграции горских евреев, что позволяет более полно понять причинно-следственные связи. В статье представлены статистические данные, которые ранее не были учтены в исследованиях по данной тематике. Анализируются новые миграционные маршруты и связи с диаспорами, что актуализирует проблему идентичности и культурной адаптации. Исследуется влияние политических и экономических изменений в странах исхода и приема на динамику эмиграции. В ыводы: 1. Эмиграция горских евреев во второй половине XX века была преимущественно вызвана политическими и экономическими трудностями, а в начале XXI века – поиском лучших условий жизни и интеграции в новые общества. 2. Основные направления эмиграции: Израиль, США, Канада, Германия и Австрия, где горские евреи нашли возможность поддерживать свою культуру и идентичность. 3. Процесс эмиграции оказал значительное влияние на демографическую структуру, что привело, фактически, к исчезновению общин горских евреев в традиционных местах проживания.
Abstract: En France, depuis le début des années 2000, au sein du judaïsme orthodoxe et moderne orthodoxe, de plus en plus de femmes mettent en place différentes stratégies d’« empouvoirement » pour accéder aux textes religieux, les étudier, les interpréter, les enseigner et exercer des fonctions religieuses. Tout en interrogeant leurs différentes mobilisations, l’autrice montre que ces femmes participent à la recomposition du religieux, et ce, en renégociant les frontières entre le public et le privé, et en contribuant à la production de discours religieux et féministes.
Abstract: Le rapport 2024 sur l’antisémitisme en Suisse romande dresse un constat alarmant : une augmentation de 89,52 % des actes antisémites a été enregistrée, totalisant 1 789 incidents. Ces chiffres révèlent une réalité glaçante : l’antisémitisme n’est plus un phénomène marginal, il gangrène aujourd’hui nos écoles, nos rues et nos plateformes en ligne.
Des actes d’une très grande violence
Parmi les incidents recensés, 42 actes ciblés ont été signalés. Parmi les plus graves :
À Genève, une élève juive de 10 ans a été frappée au visage, tirée par les cheveux et rouée de coups de pieds aux jambes par trois camarades lui criant : “Il n’y a pas de place pour les Juifs dans le monde !” tout en filmant la scène.
À Lausanne, un homme portant une kippa a été agressé dans un supermarché. Poussé et frappé, l’agresseur lui a crié « Les terroristes, c’est vous !
Des menaces verbales ou écrites se sont multipliées :
Une famille juive de Lausanne a trouvé un message menaçant dans leur boîte aux lettres : « Nous ne voulons pas de vous ici, partez avant qu’il ne soit trop tard ».
Le bureau d’un avocat juif, a été forcé. Les cambrioleurs ont laissé des documents éparpillés et ont tagué le mur avec la phrase : « Le monde sera purifié des sionistes ».
Les écoles, nouveaux foyers de haine
Le système éducatif n’est pas épargné. Des saluts nazis se multiplient dans les cours de récréation, des élèves juifs sont victimes d’insultes et de violences, et des enseignants comparent les Juifs aux nazis en classe.
Lors de manifestations et d’occupations universitaires, des slogans appelant à l’éradication du seul Etat juif ont été scandés.
Cette banalisation de la haine met en péril les valeurs fondamentales de respect qui devraient prévaloir au sein des établissements scolaires.
Les réseaux sociaux, catalyseurs de la haine
72,1 % des incidents recensés se sont déroulés en ligne. Des plateformes telles qu’Instagram, X (anciennement Twitter) et Telegram servent de caisse de résonance pour des théories complotistes et des appels à la violence. L’anonymat et la viralité de ces médias sociaux permettent une diffusion massive de contenus antisémites, rendant la lutte contre cette haine plus urgente que jamais.
Appel à l’action : le silence n’est plus une option
Face à cette situation intolérable, la CICAD appelle à une mobilisation immédiate :
Application stricte de la loi : Les auteurs d’actes antisémites doivent être poursuivis et sanctionnés avec la plus grande fermeté.
Renforcement de l’éducation : L’intégration de programmes pédagogiques de – sensibilisation est indispensable pour prévenir la haine dès le plus jeune âge.
Lutte contre la haine en ligne : Une collaboration étroite avec les plateformes numériques est nécessaire pour endiguer la propagation des discours antisémites.
Condamnation unanime : Chaque acte antisémite doit être publiquement et systématiquement dénoncé.
La Suisse ne peut plus fermer les yeux. L’antisémitisme ne doit jamais devenir une norme tolérée. Il en va de la défense de nos valeurs et de notre humanité commune.
Abstract: Burchett's article sheds light on the community of Facebook users who interact with posts by the populist far-right Alternative für Deutschland (AfD), and how they respond to the AfD’s contradictory narratives regarding Jews and antisemitism. The AfD uses its online space to construct an everyday reality of victimhood for its political community, which conditionally includes Jews. Jewish victimhood and inclusion are emphasized by the AfD when they fit its political aims, such as focusing on ‘Muslim-Arab’ antisemitism to underline an anti-immigration stance, but are minimized when Jewish victimhood is perceived to threaten non-Jewish German victimhood, as it is seen to do in the context of Holocaust remembrance. Burchett compares comment threads from these two thematic streams and finds that, regardless of the difference in victimhood framing by the AfD, users in both streams react with similar narratives of defensive, competitive and rejective victimhood, as well as a reluctance to include Jews in their in-group of victims, even when the AfD explicitly includes them. Her paper argues that so-called ‘secondary’ antisemitism, Jewish exclusion as a result of resistance to Holocaust guilt, also has an effect on contemporary Jewish victimhood.
Abstract: This article explores how Holocaust education can be reimagined through the lens of Critical Theory—particularly the work of Theodor W. Adorno—in order to more effectively confront contemporary antisemitism. While Holocaust education is often invoked as a response to rising antisemitism, its actual impact in this regard remains contested. Drawing on Adorno’s reflections on antisemitism and education after Auschwitz, the article highlights both the emancipatory potential and the limitations of education. Central themes include the importance of early childhood education, the critique of ideology, and the tension between pedagogical aims and societal structures. The article proposes eleven impulses for rethinking Holocaust education, emphasizing, among other points, the need to turn toward the subject, the dangers of half-education ( Halbbildung ), and the importance of linking historical specificity with sociological insight. Rather than offering a prescriptive model, it outlines a conceptual framework that situates Holocaust education within a broader project of social critique and enlightenment. Ultimately, it argues that Holocaust education alone cannot prevent antisemitism, but can meaningfully contribute to resisting it.
Abstract: Comment les minorités peuvent-elles s’intégrer aux nations européennes ? Comment renouer avec le projet émancipateur de l’Europe moderne, qui apparaît plus que jamais en crise ? Pour répondre à ces interrogations, Bruno Karsenti adopte le prisme de la question juive : question qui se pose à propos de cette minorité que sont les juifs, question qu’ils se posent à eux-mêmes au fil de leur intégration. Il retrace l’essor et le déclin des centres que les juifs ont constitués tout au long de leur histoire moderne, entre assimilation et émancipation, discrimination et persécution. Cette trajectoire heurtée part de l’expulsion des juifs d’Espagne en 1492, s’instaure comme question juive dans l’Allemagne du xixe siècle, manque de disparaître avec l’anéantissement du monde juif à l’Est et se transforme avec la persistance d’un centre juif en France.
Nourri par des travaux d’histoire et de sociologie, ce livre de philosophie politique éclaire le rapport complexe des juifs de la diaspora à leur identité, aux nations dont ils sont devenus les citoyens et, depuis 1948, à l’État d’Israël. En restituant ce cadre, Bruno Karsenti met au jour les paradoxes qui traversent tous les processus d’intégration, depuis la Shoah, les décolonisations et le 7-Octobre. Ce diagnostic s’accompagne d’un engagement : comprendre l’antisémitisme et le racisme, interroger le sionisme et le modèle républicain, c’est rouvrir le champ d’une critique politique fidèle à l’idéal d’émancipation – et donc à la promesse européenne.