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Author(s): Ullrich, Peter
Date: 2019
Abstract: Mit der im Jahr 2016 von der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) anerkannten «Arbeitsdefinition Antisemitismus» liegt ein Instrument für die notwendige Erfassung und Bekämpfung von Antisemitismus vor, das weite Verbreitung gefunden hat. In einem Handlungsfeld, das durch hochgradige begriffliche Verunsicherung gekennzeichnet ist, verspricht die Definition als praktische Arbeitsgrundlage begriffliche Orientierung. Tatsächlich stellt die «Arbeitsdefinition» mit ihrer konkreten, ohne Fachterminologie auskommenden Sprache sowie mit anschaulichen Beispielen, die den Begriff Antisemitismus anhand typischer, immer wieder auftretender Phänomene verdeutlichen, inzwischen eine Grundlage für die Arbeit verschiedener Nutzer*innengruppen dar. Zudem erfolgte mit der Aufnahme bis dato nur wenig beleuchteter (israelbezogener) Aspekte von Antisemitismus eine zum Zeitpunkt der Formulierung der Definition (Anfang der 2000er Jahre) notwendige Aktualisierung der Diskussion.

Bei einer näheren Untersuchung offenbaren sich jedoch auch gravierende Mängel. Insbesondere ist die «Arbeitsdefinition» inkonsistent, widersprüchlich und ausgesprochen vage formuliert; mithin erfüllt sie nicht die Anforderungen guten Definierens. Die Kerndefinition des Antisemitismus ist zudem reduktionistisch. Sie hebt einige antisemitische Phänomene und Analyseebenen hervor, spart aber andere, wesentliche, sehr weitgehend aus. Dies gilt insbesondere für ideologische und diskursive Aspekte, beispielsweise den Antisemitismus als verschwörungstheoretisches Weltbild. Ebenso fehlt eine Erwähnung organisationssoziologischer Aspekte der Mobilisierung in Bewegungen und Parteien sowie deren Niederschlag in diskriminierenden institutionellen Regelungen und Praxen. Zudem können manche israelbezogenen Beispiele, die der Kerndefinition hinzugefügt sind, nur mithilfe weiterer Informationen über den Kontext als antisemitisch klassifiziert werden, da das Beschriebene mehrdeutig ist. Es tritt in komplexen, sich überlagernden Konfliktkonstellationen auf, bei denen eine Zuordnung zu einem spezifischen Problemkreis wie Antisemitismus oft nicht einfach möglich ist. Ein Beispiel sind die sogenannten doppelten Standards. Sie sind kein hinreichendes Kriterium, um eine antisemitische Fokussierung auf Israel von einer solchen zu unterscheiden, die mit den Spezifika israelischer Politik und ihrer weltpolitischen Bedeutung zusammenhängen.

In der Folge begünstigt die «Arbeitsdefinition» eine widersprüchliche und fehleranfällige Anwendungs praxis und führt zu Einschätzungen von Vorfällen oder Sachverhalten, die nicht auf klaren Kriterien basieren, sondern eher auf Vorverständnissen derer, die sie anwenden, oder auf unreflektiert übernommenen verbreiteten Deutungen. Die Anwendung der «Arbeitsdefinition» produziert die Fiktion eines kriteriengeleiteten, objektiven Beurteilens. Die Definition stellt prozedurale Legitimität für Entscheidungen zur Verfügung, die faktisch auf der Grundlage anderer, implizit bleibender Kriterien getroffen werden, welche weder in der Definition noch in den Beispielen festgelegt sind.

Die Schwächen der «Arbeitsdefinition» sind das Einfallstor für ihre politische Instrumentalisierung, etwa um gegnerische Positionen im Nahostkonflikt durch den Vorwurf des Antisemitismus moralisch zu diskreditieren. Dies hat relevante grundrechtliche Implikationen. Die zunehmende Implementierung der «Arbeitsdefinition» als quasi-rechtliche Grundlage von Verwaltungshandeln suggeriert Orientierung. Stattdessen ist sie faktisch ein zu Willkür geradezu einladendes Instrument. Dieses kann genutzt werden, um Grundrechte, insbesondere die Meinungsfreiheit, in Bezug auf missliebige israelbezogene Positionen zu beschneiden. Anders als die Bezeichnung «Arbeitsdefinition» suggeriert, findet auch keine Weiterentwicklung der Definition statt, um diese Schwächen zu beheben.

Fazit: Der Versuch, Probleme allgemeiner begrifflicher Klärung und universeller praktischer Einsetzbarkeit mithilfe der «Arbeitsdefinition Antisemitismus» zu lösen, muss insgesamt als gescheitert angesehen werden. Vor allem aufgrund ihrer handwerklichen Schwächen, ihrer defizitären Anwendungspraxis, ihres trotzdem teilweise verbindlichen rechtlichen Status und ihrer politischen Instrumentalisierbarkeit mit problematischen Implikationen für die Meinungsfreiheit kann die Verwendung der «Arbeitsdefinition Antisemitismus» nicht empfohlen werden. Eine mögliche Ausnahme könnten lediglich eng umgrenzte pädagogische Kontexte darstellen.

Wie die Entstehungsgeschichte der «Arbeitsdefinition Antisemitismus» und ihre weite Verbreitung deutlich machen, gibt es – auch angesichts einer weiter bestehenden Bedrohung durch gegenwärtigen Antisemitismus – einen großen Bedarf vonseiten verschiedener Institutionen nach in der Praxis anwendbaren Kriterien zur Identifikation antisemitischer Phänomene. Folglich ist die Entwicklung von klaren und kontextspezifischen Instrumenten für die Praxis dringend zu empfehlen.
Author(s): Roda, Jessica
Date: 2016
Date: 2018
Abstract: In welchen Manifestationen tritt Antisemitismus im digitalen Zeitalter in Erscheinung? Wie, wo und von wem werden judenfeindliche Inhalte artikuliert und verbreitet?Welche Stereotype werden kodiert, welche Argumente benutzt? Welche Rolle spielen Emotionen und irrationale Affektlogik beim aktuellen Einstellungs- und Verbalantisemitismus? Inwiefern hat das Internet die Verbreitung und Intensivierung von Antisemitismen akzeleriert und forciert? Wie lassen sich die modernen Ausprägungen
des Judenhasses wissenschaftlich beschreiben, einordnen und erklären?

Die von der DFG vier Jahre lang geförderte Langzeitstudie zur Artikulation, Tradierung, Verbreitung und Manifestation von Judenhass im World Wide Web1 hat diese Fragen im Rahmen der empirischen Antisemitismusforschung systematisch und datenreich
untersucht.

Weltweit, so scheint es seit Jahren, nimmt die Artikulation und Verbreitung von Antisemitismen, insbesondere über das Web 2.0, stark zu. Diese Entwicklung in der virtuellen Welt korreliert in der realen Welt mit judenfeindlichen Übergriffen und Attacken, Drohungen und Beleidigungen sowie dem „neuen Unbehagen d.h. Furcht und Sorge in den jüdischen Gemeinden Deutschlands und Europas.

Dieser Eindruck, der sich bislang nur durch Einzelfälle dokumentiert sah (und deshalb zum Teil bezweifelt oder als subjektives „Gefühl“ in Frage gestellt wurde), wird nun durch die empirischen Daten der vorliegenden Langzeitstudie wissenschaftlich bestätigt.

Durch die Spezifika der Internetkommunikation (Reziprozität, aktive Netzpartizipation, Schnelligkeit, freie Zugänglichkeit, Multimodalität, Anonymität, globale Verknüpfung) und die steigende Relevanz der Sozialen Medien als meinungsbildende Informationsquelle in der Gesamtgesellschaft hat die schnelle, ungefilterte und nahezu grenzenlose Verbreitung judenfeindlichen Gedankengutes allein rein quantitativ ein Ausmaß erreicht, das es nie zuvor in der Geschichte gab. Die Digitalisierung der Informations-und Kommunikationstechnologie hat „Antisemitismus 2.0“ online schnell, multipel, textsortenspezifisch diffus und multimodal multiplizierbar gemacht. Jeden Tag werden Tausende neue Antisemitismen gepostet und ergänzen die seit Jahren im
Netz gespeicherten und einsehbaren judenfeindlichen Texte, Bilder und Videos. Im 10-Jahres-Vergleich hat sich die Anzahl der antisemitischen Online-Kommentare zwischen 2007 und 2018 z.T. verdreifacht. Es gibt zudem kaum noch einen Diskursbereich
im Netz 2.0, in dem Nutzer_innen nicht Gefahr laufen, auf antisemitische Texte zu stoßen, auch wenn sie nicht aktiv danach suchen.
Author(s): Tye, Larry
Date: 2001
Abstract: From Publishers Weekly review:

The new Jewish diaspora of a "heterogeneous people who thrive in secular societies" is here to stay, asserts Boston Globe journalist Tye (The Father of Spin). As these diverse Jewish communities have become not merely way stations but enduring homes, they have begun to remake Judaism itself. Tye tells this intriguing story through sketches of people and of life in seven cities. In Dsseldorf, he finds an Orthodox rabbi invoking a more pluralistic Judaism to educate Russian refugees. In Dnepropetrovsk, Ukraine, a fervent Lubavitcher Hasidic rabbi has energized a dormant community. In Buenos Aires, a Jewish polity fragmented by economic setbacks and anti-Semitic attacks has begun to revive with new models of worship and organization. In Paris, Ashkenazi and Sephardic Jews have forged ties that could serve as a model for their fractious brethren in Israel. Tye's chapter on Dublin, where the Jewish community is dying, may at first seem anomalous, but, he argues, their determination to reestablish their "Gaelic brand of Judaism" elsewhere is a testament to the ability of Jews to survive wherever they may be. His two American chapters focus on Boston, where the Jewish community has fused learning, spirituality and social justice, and Atlanta, where rival denominations work with considerable amity. Yet Tye's optimism might have been better contextualized by a broader survey. Though the author understandably had to winnow his examples from many compelling possibilities, readers may wonder about Jewish communities in such places as Melbourne, Montreal and Johannesburg. While not a breakout book, Tye's presentation of a new diaspora may intrigue a broad Jewish audience.
Date: 2011
Author(s): Gold, Steven J.
Date: 2002
Author(s): Judaken, Jonathan
Date: 2008
Editor(s): Boyd, Jonathan
Date: 2003
Abstract: Papers based on a conference convened by the United Jewish Israel Appeal in London in spring 2002. Contents include: Introduction: The sovereign and the situated self: Jewish identity and community in the 21st century – Jonathan Boyd; D’var Torah – Shalom Orzach; Exploring the challenges confronting the contemporary Jewish world – Irwin Cotler, Steven M. Cohen; A case of new identity: detecting the forces facing Jewish identity and community – Steven M. Cohen, Kate Loewenthal; A case of new identity: what should all Jews know? – Hanah Alexander, Aviezer Ravitsky; Looking in, looking out: the role of the Jew in the contemporary world – David Cesarani, Alan Hoffman; Looking in, looking out: on what should our educational efforts be focused? – Michael Rosenak, Irwin Cotler; Educating our children: exploring the role of the Jewish day school- Hanah Alexander, Barry Kosmin; Educating our children: imagining the Jewish day school of the future – Barry Chazan, Beverly Gribetz; Creating community: is the synagogue doing what is needed? – Margaret Harris, Michael Rosenak; Creating community: envisaging the synagogue of the 21st century – Charles Liebman, Robert Rabinowitz; Judaism and the contemporary world: foundation principles of Jewish identity and community for the 21st century - Aviezer Ravitsky, Jonathan Sacks; D’var Torah – Angela Gluck Wood; Exploring our general context: the impact of national and global trends on identity, community and education – Barry Kosmin, Steven M. Cohen; Exploring our Jewish context: trends in the Jewish world, and how to utilise them for our benefit – Jonathan Ariel, Tony Bayfield; Struggling for Israel: what happens when the classroom becomes dangerous? – Barry Chazan; Reaching out to others: the role of a social action agenda in Jewish education – Edie Friedman, Reuven Gal; Spiritual exploration: following my head or my heart? – Zvi Beckerman, Michael Shire; Civics: should British Jews swear allegiance to Britain? – Clive Lawton, Robert Rabinowitz; D’var Torah – Raphael Zarum; The role of vision in 21st century education – Jonathan Arield, Michael Rosenak; Case study 1: Texts and Values Project of the UJIA Makor Centre for Informal Jewish Education – Raphael Zarum; Case study 2: Limmud – Jacqueline Nicholls; Case study 3: Synagogue transformation – Julian Resnick; Case study 4: King Solomon High School – Alastair Falk; Case study 5: The Saatchi Synagogue – Pini Dunner