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Antisemitismus 2.0 und die Netzkultur des Hasses: Judenfeindschaft als kulturelle Konstante und kollektiver Gefühlswert im digitalen Zeitalter

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Anti-Semitism 2.0 and the net culture of hate: Jewishness as a cultural constant and collective emotional value in the digital age

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In welchen Manifestationen tritt Antisemitismus im digitalen Zeitalter in Erscheinung? Wie, wo und von wem werden judenfeindliche Inhalte artikuliert und verbreitet?Welche Stereotype werden kodiert, welche Argumente benutzt? Welche Rolle spielen Emotionen und irrationale Affektlogik beim aktuellen Einstellungs- und Verbalantisemitismus? Inwiefern hat das Internet die Verbreitung und Intensivierung von Antisemitismen akzeleriert und forciert? Wie lassen sich die modernen Ausprägungen
des Judenhasses wissenschaftlich beschreiben, einordnen und erklären?

Die von der DFG vier Jahre lang geförderte Langzeitstudie zur Artikulation, Tradierung, Verbreitung und Manifestation von Judenhass im World Wide Web1 hat diese Fragen im Rahmen der empirischen Antisemitismusforschung systematisch und datenreich
untersucht.

Weltweit, so scheint es seit Jahren, nimmt die Artikulation und Verbreitung von Antisemitismen, insbesondere über das Web 2.0, stark zu. Diese Entwicklung in der virtuellen Welt korreliert in der realen Welt mit judenfeindlichen Übergriffen und Attacken, Drohungen und Beleidigungen sowie dem „neuen Unbehagen d.h. Furcht und Sorge in den jüdischen Gemeinden Deutschlands und Europas.

Dieser Eindruck, der sich bislang nur durch Einzelfälle dokumentiert sah (und deshalb zum Teil bezweifelt oder als subjektives „Gefühl“ in Frage gestellt wurde), wird nun durch die empirischen Daten der vorliegenden Langzeitstudie wissenschaftlich bestätigt.

Durch die Spezifika der Internetkommunikation (Reziprozität, aktive Netzpartizipation, Schnelligkeit, freie Zugänglichkeit, Multimodalität, Anonymität, globale Verknüpfung) und die steigende Relevanz der Sozialen Medien als meinungsbildende Informationsquelle in der Gesamtgesellschaft hat die schnelle, ungefilterte und nahezu grenzenlose Verbreitung judenfeindlichen Gedankengutes allein rein quantitativ ein Ausmaß erreicht, das es nie zuvor in der Geschichte gab. Die Digitalisierung der Informations-und Kommunikationstechnologie hat „Antisemitismus 2.0“ online schnell, multipel, textsortenspezifisch diffus und multimodal multiplizierbar gemacht. Jeden Tag werden Tausende neue Antisemitismen gepostet und ergänzen die seit Jahren im
Netz gespeicherten und einsehbaren judenfeindlichen Texte, Bilder und Videos. Im 10-Jahres-Vergleich hat sich die Anzahl der antisemitischen Online-Kommentare zwischen 2007 und 2018 z.T. verdreifacht. Es gibt zudem kaum noch einen Diskursbereich
im Netz 2.0, in dem Nutzer_innen nicht Gefahr laufen, auf antisemitische Texte zu stoßen, auch wenn sie nicht aktiv danach suchen.

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Schwarz-Friesel, Monika Antisemitismus 2.0 und die Netzkultur des Hasses: Judenfeindschaft als kulturelle Konstante und kollektiver Gefühlswert im digitalen Zeitalter. 2018:  https://archive.jpr.org.uk/object-ger264