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Date: 2023
Date: 2025
Abstract: Der Bundesverband der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus e. V. (Bundesverband RIAS) ist der Dachverband zivilgesellschaftlicher Meldestellen für antisemitische Vorfälle in Deutschland. Er verfolgt das Ziel, bundesweit eine einheitliche zivilgesellschaftliche Dokumentation antisemitischer Vorfälle ober- und unterhalb der Strafbarkeitsgrenze zu gewährleisten, die in jährlichen Berichten systematisch ausgewertet und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Neben den Meldungen von Betroffenen und Zeug*innen, dem Versammlungs- und Pressemonitoring sind auch polizeilich erfasste Straftaten Teil der Datengrundlagen, wenn diese zugänglich gemacht werden. In den vergangenen Jahren gab es allerdings keinen flächendeckenden systematischen Abgleich mit den polizeilichen Statistiken zu antisemitischen Straftaten. Der Kriminalpolizeiliche Meldedienst Politisch Motivierte Kriminalität (KPMD-PMK), in den neben den klassischen Staatsschutzdelikten auch Hasskriminalität beziehungsweise antisemitische Straftaten eingehen, ist seit Beginn Gegenstand der Arbeit des Bundesverbandes RIAS, etwa in den vom Bundesverband RIAS durchgeführten Problembeschreibungen zu Antisemitismus in mehreren Bundesländern (vgl. RIAS-BK 2018; Bundesverband RIAS, 2019, 2020, 2021a, 2021b, 2022; SABRA 2020). Das durch das BMI geförderte Projekt Austausch von Polizei und Zivilgesellschaft zu Antisemitismus (APZAS) wurde ins Leben gerufen, um einerseits den Austausch zwischen regionalen Antisemitismus-Meldestellen und den Polizeistellen zu initiieren und zu begleiten sowie andererseits die Erfassungspraxis in den föderal arbeitenden Landeskriminalämtern aus zivilgesellschaftlicher Perspektive zu untersuchen und dabei insbesondere den zugrunde liegenden antisemitismusbegriff nachzuvollziehen. Dafür wurden 2023 zwölf leitfadengestützte Interviews mit Expert*innen (vgl. Helfferich, 2019) aus den Bereichen Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Justiz, der polizeilichen Hochschullehre sowie Vertreter*innen unterschiedlicher Landeskriminalämter geführt. Die Interviews wurden im Anschluss inhaltsanalytisch ausgewertet (vgl. Kuckartz, 2012; Schreier, 2012). Ausgewählte Ergebnisse werden in diesem Beitrag diskutiert. Bevor wir uns der Kritik der Extremismus-Konzeption widmen, werden zunächst das Antisemitismusverständnis des KPMD-PMK sowie Perspektiven von Betroffenen untersucht.
Date: 2025
Abstract: Die deutsche Gesellschaft steht angesichts globaler und regionaler Entwicklungen der letzten Jahrzehnte vor vielfältigen gesellschaftspolitischen Herausforderungen. Verschärfte Konflikte, Rassismus, Diskriminierung sowie die Verbreitung von Falschinformationen und Verschwörungsmythen prägen das gesellschaftliche Klima. Rassistische,
antisemitische, rechtsextreme und autoritäre Einstellungen sind tief in Teilen der Gesellschaft verwurzelt und manifestieren sich zunehmend sichtbarer und gewaltbereiter (Decker et al., 2022; Zick et al., 2023; Institut
für angewandte Familien-, Kindheits- und Jugendforschung e. V., 2023a; 2023b). Die Erkenntnisse dieser Studien verdeutlichen die Dringlichkeit, die Verbreitung extremistischer Einstellungen, insbesondere unter jungen
Menschen, genauer zu erforschen. In diesem Beitrag werden die Ergebnisse einer bundesweiten OnlineBefragung zu antisemitischen Einstellungen junger Menschen in Deutschland zwischen 16 und 27 Jahren vorgestellt. Die Befragung wurde in drei Phasen durchgeführt: In der ersten Phase wurden antisemitische (n = 1 593, Erhebungszeitraum: November 2022), in der zweiten Phase antimuslimische (n = 1 625, Erhebungszeitraum: September 2023) und in der
dritten Phase rechtsextreme Einstellungen (n = 1 313, Erhebungszeitraum: Dezember 2023) junger Menschen erforscht. Bei der Ziehung der Stichprobe wurde auf das Online-Access-Panel GapFish zurückgegriffen. Die
ausgewählten Ergebnisse in diesem Beitrag beziehen sich auf die erste und dritte Phase (antisemitische und rechtsextreme Einstellungen junger Menschen in Deutschland)
Date: 2025
Abstract: Dieses Teilmodul des MOTRA-Monitorings analysiert auf der Grundlage von polizeilichen Kriminalstatistiken aktuelle Entwicklungen des gesellschaftlichen Radikalisierungsgeschehens in Form von politisch motivierter Kriminalität (PMK). Im Zentrum der Analysen steht neben der Kriminalitätsentwicklung die räumliche Verteilung von PMK in Deutschland. Das Teilmodul verfolgt somit das Ziel, durch die Untersuchung von soziostrukturellen Prädiktoren für das regionale Aufkommen von PMK zu einem besseren Verständnis des strafrechtlich relevanten Radikalisierungsgeschehens beizutragen. Der diesjährige Beitrag fokussiert sich auf die Entwicklung und Verteilung von antisemitisch motivierter Kriminalität im Hellfeld. Hierzu präsentieren wir anhand offizieller Polizeistatistiken einen Einblick in die ansteigenden Fallzahlen in den vergangenen Jahren, die in einen sprunghaften Anstieg der antisemitisch motivierten Kriminalität im Jahr 2023 mündete. Im Zentrum der Analysen untersuchen wir regionale Prädiktoren für antisemitisch motivierte Kriminalitätsraten in den 400 deutschen Kreisen und kreisfreien Städte für die Zeit von 2020 bis 2023. Diese Raumanalysen zeigen, dass sich antisemitisch motivierte Straftaten nicht zufällig zwischen den Regionen in Deutschland verteilen, sondern insbesondere höhere Kriminalitätsraten für die in Ostdeutschland gelegenen Kreise zu erkennen sind. Zudem verdeutlicht die Untersuchung kriminalsoziologisch relevanter Raumeigenschaften einen positiven Zusammenhang zwischen den Raten der allgemeinen und der antisemitisch motivierten Kriminalität. Weniger eindeutig sind dagegen die prädiktiven Eigenschaften der Urbanität und Deprivation von Kreisen. Während bei der Deprivation insbesondere die Werte von benachbarten Kreisen in einem negativen Zusammenhang mit antisemitischen Straftaten in dem eigenen Kreis zu stehen scheinen, finden sich bezüglich der Urbanität Hinweise auf eine unterschiedliche Assoziation zwischen ost- und westdeutschen Kreisen. Demnach steigt die Belastung antisemitisch motivierter Kriminalität in westdeutschen Kreisen mit deren zunehmender Urbanität tendenziell an, während in ostdeutschen Kreisen höhere Kriminalitätsraten mit eher ländlichen Regionen einhergehen. Insgesamt demonstriert der diesjährige Monitor-Beitrag die zunehmende gesellschaftliche Relevanz der antisemitisch motivierten Kriminalität und präsentiert neue Erkenntnisse zu der
regionalen Verteilung des polizeilich registrierten Kriminalitätsaufkommens in Deutschland.
Date: 2025
Date: 2025
Abstract: In Deutschland werden die Debatten über Antisemitismus unter Muslim*innen zunehmend unter verzerrten Voraussetzungen geführt. So stellt z. B. die Alternative für Deutschland stellt Antisemitismus als ein „importiertes“ Feindbild aus dem Nahen Osten dar, das tief in der islamischen Religion verwurzelt sei. Diese Sichtweise suggeriert eine einfache Erklärung für die Quellen des Antisemitismus unter Muslim*innen, die jedoch in der wissenschaftlichen Forschung stark umstritten ist. So wird kontrovers diskutiert, ob die Sozialisation im Nahen Osten tatsächlich eine entscheidende Rolle bei der Entstehung antisemitischer Einstellungen spielt. Ebenso wird infrage gestellt, ob der Antisemitismus tatsächlich in der islamischen Tradition begründet ist. Viele Studien heben stattdessen hervor, dass nicht die islamische Religion an sich, sondern der islamische Fundamentalismus die entscheidende Triebkraft des Antisemitismus ist. Dieser Beitrag nähert sich der Thematik anhand mehrerer Bevölkerungsumfragen und vor allem einer Befragung unter deutschen Muslim*innen. Die Analysen zeigen, dass antisemitische Einstellungen unter Muslim*innen – besonders in ihrer tradierten gegen Israel gerichteten Artikulationsform– häufiger vertreten sind als im Durchschnitt der Gesamtbevölkerung. Dennoch können viele der gängigen Annahmen über die Ursachen des Antisemitismus die Unterschiede innerhalb der muslimischen Gemeinschaft nicht ausreichend erklären. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Neigung zu antisemitischen Einstellungen nicht signifikant zwischen Muslim*innen unterschiedlicher Herkunft variiert. Auch die individuelle Religiosität der Muslim*innen ist kein wesentlicher Prädiktor für antisemitische Haltungen. Vielmehr zeigt sich, dass eine fundamentalistische Interpretation der Religion ein zentraler Einflussfaktor ist. Eine Moderationsanalyse deutet darauf hin, dass Antisemitismus ein herkunftsübergreifendes Feindbild unter fundamentalistischen Muslim*innen darstellt. Dieser Einfluss des religiösen Fundamentalismus erweist sich dabei auch im Vergleich zu anderen Erklärungsansätzen als robust.
Date: 2024
Abstract: In dem vorliegenden Forschungsbericht werden Ergebnisse einer im Frühsommer 2022 durch­geführten Onlinebefragung einer für die Bevölkerung in Deutschland insgesamt repräsen­tativen Einwohnermeldeamtsstichprobe von n=3 270 Jugendlichen und Heranwachsenden vorgestellt. Im Mittelpunkt der Analysen stehen die Verbreitung antisemitischer Vorurteile bei jungen Menschen, deren soziale Verteilung sowie dafür relevante Einflussfaktoren. Die Ergebnisse zeigen, dass insgesamt 2.1% der Jugendlichen und Heran­wachsenden offen für antisemitische Ressentiments sind. Weitere 2.0% lassen eindeutige, hoch ausgeprägte antisemitische Ein­stellungen erkennen. Damit sind die Prävalenzraten antisemitischer Einstellungen bei jungen Menschen etwa halb so hoch wie die mit gleichartigen Messinstrumenten im gleichen Jahr in einer repräsentativen Befragung von Erwachsenen festgestellten Raten. Es sind aber erhebliche Differenzen der Präva­lenzraten antisemitischer Einstellungen zwischen Teilgruppen der jungen Menschen zu erkennen. Jugendliche und Heranwachsende mit einem Migrations­hintergrund weisen signifikant erhöhte Raten antisemitischer Einstellungen auf. Besonders hoch sind diese Raten antisemitischer Vorurteile bei jungen Muslim:innen. Aber auch dort stellen antisemitische eingestellte Jugendliche und Heranwachsende nicht die Mehrheit.

Multivariate Analysen zeigen weiter, dass die hohe Verbreitung antisemitischer Ressentiments bei jungen Muslim:innen nicht durch deren vermehrte individuellen Diskriminierungserlebnisse oder die bei ihnen weit verbreitete Wahrnehmung einer kollektiven Marginalisierung ihrer Eigengruppe erklärt werden kann. Wichtige Einflussfaktoren sind hingegen, neben einer geringen Bildung, die Neigung zum Verschwörungsglauben sowie eine rigide, fundamentalistische Religionsauffassung. Besonders auffallend und für die Praxis relevant ist die erkennbare starke Überrepräsentation von Muslim:innen der ersten Migrantengeneration unter den jungen Menschen mit antisemitischen Einstellungen. Insoweit ist für die Antisemitismusprävention festzustellen, dass ein großer Anteil ihrer Zielgruppe aus jungen Migrant:innen der ersten Migrant:innengeneration besteht, darunter in hohem Maße vor allem junge Muslim:innen, für die geeignete Angebote geschaffen werden sollten.
Date: 2023
Abstract: Der aktuelle Krieg im Nahen Osten infolge des Terrors der Hamas gegen Israel am 7. Oktober wirkt sich auch in Deutschland aus – und offenbart Risse in der Gesellschaft. Besorgniserregend ist ein immer offener zutage tretender Antisemitismus, der sich nicht allein auf deutschen Straßen äußert, wenn dort die Taten der Hamas gefeiert werden. Er zeigt sich auch in einem dramatischen Anstieg antisemitischer Übergriffe. Vor allem Antisemitismus in der muslimischen Bevölkerung ist erneut in den Fokus der öffentlichen Debatten gerückt. Gleichzeitig erfahren auch
Muslim:innen derzeit in hohem Maße Anfeindungen. Wir erleben insgesamt ein Klima der Verrohung, in dem sich immer mehr Leute trauen, diskriminierende und hasserfüllte Positionen zu äußern, ob im Internet oder auf der Straße.

Wie verhindern wir, dass sich Vorurteile und Hatespeech gegenüber bestimmten Bevölkerungsgruppen in der derzeitigen politischen Krise weiter verstärken? Wie können wir den gesellschaftlichen Zusammenhalt
angesichts der aktuellen Lage sichern? Und wie können wir allen Formen menschenverachtender Haltungen –
ob antisemitische oder antimuslimische – erfolgreich entgegentreten?

Vor dem Hintergrund dieser drängenden Fragen gibt der vorliegende Beitrag einen ersten Einblick in eine laufende Studie der Bertelsmann Stiftung zu antisemitischen und antimuslimischen Einstellungen in Deutschland. Die Grundlage bildet der Religionsmonitor 2023, der auch international vergleichende Daten liefert. Die Zahlen für den Religionsmonitor wurden vor der aktuellen Verschärfung des Nahostkonflikts erhoben, werfen aber ein Licht auf wichtige zugrunde liegende Faktoren. Der vollständige Bericht zu diesem Themenfeld wird zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlicht.
Date: 2025
Abstract: October 7, 2023 is regarded as the deadliest massacre of Jews since the Shoah and marks a historical turning point. Since then, the repercussions of this terrorist attack and the subsequent Hamas-Israel war have been intensely debated. Antisemitic and violence-glorifying incidents in certain Muslim-migrant milieus have triggered emotionally charged debates on so-called “Muslim antisemitism.” However, little is known so far about the broader impact of October 7 and the war on the Muslim population in Germany. This study is based on a secondary analysis of the dataset Muslim Faith in Germany, collected between July 2023 and April 2024, and allows for a quasi-experimental before-and-after comparison in line with the Unexpected Event During Survey Design (N = 712 before, N = 1119 after October 7). The findings indicate that antisemitism among Muslims in Germany has changed significantly but only marginally since October 7, 2023, with consistently high approval rates between 30% and 35% for pronounced traditional antisemitism and between 23% and 19% for pronounced Israel-related antisemitism. Striking is the notable increase in radicalization potential: antisemitism—particularly in its Israel-related form—is significantly more strongly associated after October 7 with willingness to participate in unauthorized demonstrations, readiness for self-sacrifice, sympathies for Islamist actors, and acceptance of violence and terrorism as a means to enforce Muslim interests. Regression analyses show that especially lacking political integration, high fundamentalism, and threat perception are significantly associated with antisemitism after October 7. Implications for research and practice are discussed, regarding the strengthening of political trust, the dismantling of fundamentalism, and the reduction of collective threat perceptions.
Date: 2000
Abstract: Keine sechs Jahre nach dem Ende des Holocaust schrieb Theodor W. Adorno, einer der bekanntesten Vertreter der Kritischen Theorie, in seiner Schrift Minima Moralia: „Der Antisemitismus ist das Gerücht über die Juden.“ Der Philosoph und Soziologe wollte mit dieser schlichten Definition das formulieren, was kennzeichnend für den
Antisemitismus ist und sich häufig hinter der Verbreitung von Verschwörungsideologien verbirgt: Das Konstruieren einer homogenen Gruppe, der pauschal negative Eigenschaften zugeschrieben werden. Das Wort „Gerücht“ drückt zugleich etwas „Heimliches“ aus, etwas, das im Verborgenen passiert. Ein Geheimnis also, von dem nicht alle
Menschen wissen sollen oder dürfen. Sogenannte Verschwörungsmythen kommen selten ohne Antisemitismus aus – und umgekehrt. Das zeigen nicht zuletzt aktuelle verschwörungs- ideologische Diskurse um SARS-CoV-2. Wie das
Virus, so breiten sich weltweit in ebenso rasanter Geschwindigkeit Geschichten um dessen Herkunft und Ursprung aus. Das „Gerücht“, nach dem die Krankheit von einer geheimen Macht erfunden worden oder harmlos sei, glauben in den USA viele Menschen bis hin zum amtierenden Präsidenten Donald Trump, und sie haben inzwischen auch in Deutschland Hochkonjunktur. Insbesondere die extreme Rechte versucht, sich diesen Verschwörungsmythos zunutze zu machen. So entwickelte sich von den Vereinigten Staaten ausgehend ein neues Phänomen, das zum Synonym für viele Verschwörungsideologien wurde. Das Schlagwort hinter diesem Phänomen lautet:
QAnon.
Date: 2025
Abstract: Das Internet, als zentraler Ort für gesellschaftliche Diskussionen, zählt heute zu den Haupttradierungsorten von Antisemitismus und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. In Foren, Blogs oder Chat-Gruppen können Inhalte leicht geteilt und weitgehend ungehindert in Sekundenschnelle verbreitet werden. Dies macht gerade soziale Netzwerke wie Instagram, X, Facebook oder Telegram besonders attraktiv, um einfach und schnell Inhalte zu teilen, denen antisemitische Narrative und Stereotype zugrunde liegen. Durch das Internet gelangen Desinformationen, Hass und Hetze tief ins kollektive Bewusstsein. Die Folge ist, dass vor allem auch der Hass auf Jüdinnen und Juden rasant ansteigt. Der vorliegende „Jahresreport zum OnlineMonitoring 2025“ ist Teil des Projekts „Aktuelle Dynamiken des Antisemitismus im Internet: Formen, Ursachen und Gegenstrategien“ des Jüdischen Forums für Demokratie und gegen Antisemitismus e.V. (JFDA). Gerade in Zeiten von Krisen, gesellschaftlicher Transformation und Weiterentwicklung bietet das Internet einen idealen Nährboden für die Verbreitung demokratiefeindlicher Inhalte. Um
diese zu beleuchten und besser zu verstehen, wie Antisemitismus im digitalen Raum funktioniert, hat das JFDA ein systematisches Online-Monitoring aufgebaut. Dieses erkennt und analysiert antisemitische Inhalte und gibt fundierte Einblicke in deren Entwicklung. Das Internet, als zentraler Ort für gesellschaftliche Diskussionen, zählt heute zu
den Haupttradierungsorten von Antisemitismus und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. In Foren, Blogs oder
Chat-Gruppen können Inhalte leicht geteilt und weitgehend ungehindert in Sekundenschnelle verbreitet werden. Dies macht gerade soziale Netzwerke wie Instagram, X, Facebook oder Telegram besonders attraktiv, um einfach und schnell Inhalte zu teilen, denen antisemitische Narrative und Stereotype zugrunde liegen. Durch das Internet gelangen Desinformationen, Hass und Hetze tief ins kollektive Bewusstsein. Die Folge ist, dass vor allem auch der Hass auf Jüdinnen und Juden rasant ansteigt. Der vorliegende „Jahresreport zum OnlineMonitoring 2025“ ist Teil des Projekts „Aktuelle Dynamiken des Antisemitismus im Internet: Formen, Ursachen und Gegenstrategien“ des Jüdischen Forums für Demokratie und gegen Antisemitismus e.V. (JFDA). Gerade in Zeiten von Krisen, gesellschaftlicher Transformation und Weiterentwicklung bietet das Internet einen idealen Nährboden für die Verbreitung demokratiefeindlicher Inhalte. Um diese zu beleuchten und besser zu verstehen, wie Antisemitismus im digitalen Raum funktioniert, hat das JFDA ein systematisches Online-Monitoring aufgebaut. Dieses erkennt und analysiert antisemitische Inhalte und gibt fundierte Einblicke in deren Entwicklung.
Date: 2026
Abstract: Wie zeigt sich Antisemitismus auf Versammlungen im öffentlichen Raum? Welche Parolen, Symbole und Narrative treten wiederholt auf? Und was bedeutet es für Jüdinnen und Juden, wenn gewaltverherrlichende und delegitimierende Sprache auf Demonstrationen normalisiert wird? Diesen Fragen geht die neue Veröffentlichung „Lagebild Antisemitismus. Feldbeobachtung im öffentlichen Raum“ nach. Sie bündelt eigene Beobachtungen von 76 Versammlungen aus dem ersten Halbjahr 2026, in dem das JFDA insgesamt 329 antisemitische Vorfälle dokumentiert hat. Im Mittelpunkt steht dabei nicht der isolierte Vorfall, sondern die Frage, welche Muster sich über verschiedene Versammlungen hinweg zeigen und fachlich einordnen lassen.

Das Lagebild macht sichtbar, dass die Bewertung einer Versammlung nicht bei der Frage endet, ob sie polizeilich als friedlich gilt. Entscheidend ist vielmehr, welche Inhalte im öffentlichen Raum wiederholt artikuliert werden, welche Feindbilder sie transportieren und welche Wirkung sie auf jüdische Sichtbarkeit, demokratische Öffentlichkeit und zivilgesellschaftliche Beobachtung entfalten. Bei den Feldbeobachtungen zeigten sich dabei vor allem die Dämonisierung und Delegitimierung Israels, entmenschlichende Zuschreibungen, Gewalt- und Vernichtungssemantik, NS-Vergleiche und Umkehrungen der Schoa-Erinnerung sowie verschwörungsideologische Erzählungen. Die Veröffentlichung richtet sich an Öffentlichkeit, Zivilgesellschaft, politische Bildung, Medien und zuständige Stellen. Sie bietet eine Grundlage, um antisemitische Dynamiken auf Versammlungen nicht nur punktuell wahrzunehmen, sondern in ihren wiederkehrenden Formen, Anschlussfähigkeiten und Wirkungen einzuordnen. Zugleich verdeutlicht sie, dass eine kontinuierliche, quellengebundene Feldbeobachtung notwendig bleibt, um solche Entwicklungen nachvollziehbar zu dokumentieren und über einzelne Ereignisse hinaus vergleichbar zu machen.
Date: 2026
Date: 2023
Abstract: In diesem Sommer zeigte sich besonders deutlich, dass die Angriffe auf die Erinnerung die Arbeit der Gedenkstätten massiv behindern. Wöchentlich wurden zuletzt Hakenkreuz-Schmierereien in Buchenwald entdeckt. Das Thema verschwand dennoch für den Moment aus dem medialen Fokus. Der Grund: Am 7. Oktober überfiel die Terrororganisation Hamas die israelische Zivilbevölkerung. Der 7. Oktober bedeutet eine tiefgreifende Zäsur in der Geschichte Israels – mit drastischen Auswirkungen auch für Jüdinnen*Juden in Deutschland.

Das hat auch viel mit dem Thema dieses Lagebilds zu tun, wie aktuelle Vorfälle zeigen. Sie machen deutlich, wie das Gedenken an den Nationalsozialismus angegriffen wird, um gegen den Staat Israel zu agitieren. Israelbezogener Antisemitismus und Post-Shoah-Antisemitismus gehen oft Hand in Hand.Wegen Angriffen auf die Erinnerung von allen Seiten bekommt die Gedenkkultur Risse.

Die extreme Rechte will diese Risse im Gedenken. Risse werden mit der Zeit größer und tiefer. Spätestens 2017, mit der Dresdener Rede Höckes, wurde deutlich: Die extreme Rechte will noch mehr. Sie will die Gedenkkultur einreißen und dagegen eine Erinnerung setzen, die die Verbrechen der Nationalsozialisten relativiert. Das hat den Effekt, dass Gedenkstätten immer öfter zum Ziel von Angriffen und Vandalismus werden.

Momentan wird die Rolle der extremen Rechten kaum diskutiert, weil der Blick – aus gutem Grund – auf die islamistischen und linken Gruppierungen gerichtet ist, die den Hamas-Terror verherrlichen und eine Grundlage für weitere antisemitische Vorfälle in Deutschland schaffen. Im Windschatten der Terror-Verherrlichung setzt die extreme Rechte ihre Angriffe auf die Erinnerung fort. In der Gedenkstätte Ahlem in Hannover (Niedersachsen) wurden Ende Oktober mehrere Gedenktafeln mit Aufklebern überklebt. Neben „Befreie dich vom Schuldkult“ war ein Aufkleber mit einer Palästina-Fahne und den Worten „Free Palestine End Israeli Occupation“ zu lesen. Ein Aufkleber der Neonazi-Gruppierung Junge Nationalisten zeigte eine blutige Israel-Fahne mit der Parole „Israel mordet und die Welt schaut zu“.

Immer wieder wird der Krieg gegen Israel mit Angriffen auf die Erinnerung verknüpft. Das Zivilgesellschaftliche Lagebild Antisemitismus #12 nimmt die Risse in der Erinnerung an den Nationalsozialismus in den Blick und ergänzt die aktuell geführte Antisemitismuskritik um eine spezifisch deutsche Facette: Jede Art von Antisemitismus in diesem Land bringt auch einen Ruf nach einem Schlussstrich mit sich.
Author(s): Müller, Lasse
Date: 2021
Abstract: Zweck der Untersuchung ist eine umfassende Abbildung der Betroffenenperspektive: Wie bewerten jüdische und nichtjüdische MAKKABI-Mitglieder die Bedrohung durch Antisemitismus im Sport? Mit welchen Erscheinungsformen sehen sie sich in welchen Situationen konfrontiert? Welche Melde- und Bewältigungspraxen sind nach einem erlebten antisemitischen Vorfall typisch? In diesem Sinne bildet die vorliegende Studie den Auftakt eines langfristigen Forschungsvorhabens, um gemeinsam mit einer breiten Allianz aus Netzwerkpartner:innen das dynamische Phänomen "Antisemitismus im Sport" analytisch greifbar zu machen. Auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse können künftig passgenaue Interventions- und pädagogische Präventionskonzepte entwickelt werden. Als erster Schritt wurde dazu vom 03.11.2020 bis 24.01.2021 im Rahmen des vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) geförderten Modellprojekts "Zusammen1" eine Online-Erhebung durchgeführt. Darin wurden MAKKABI-Mitglieder ab 16 Jahren hinsichtlich der von ihnen erlebten Vorfälle und ihrer grundsätzlichen Wahrnehmung des Problems Antisemitismus im Sport befragt. Insgesamt beteiligten sich N = 309 Personen aus 20 verschiedenen Ortsvereinen an der Befragung. Zum besseren Verständnis wird Antisemitismus im Folgenden zunächst theoretisch präzisiert und gegenüber anderen Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit abgegrenzt (Kapitel 2). Im Anschluss findet eine Rekapitulation des Forschungsstands zum gesamtgesellschaftlichen und sportspezifischen (Kapitel 3) Auftreten von Antisemitismus statt. Ein Schwerpunkt liegt dabei in der Darlegung struktureller Defizite im Meldesystem des deutschen (Wettkampf-)Sports, die die Erfassung und Aufarbeitung von explizitem Antisemitismus hemmen. Ergänzend werden Spezifika von MAKKABI als einzigem jüdischen Sportverband in Deutschland aufgezeigt und sich daraus ergebende Sonderformen der antisemitischen Stigmatisierung diskutiert. Kernelement des Berichts bildet nach einer Dokumentation des methodischen Vorgehens (Kapitel 4) die Präsentation der Befunde aus der Mitgliedererhebung (Kapitel 5). Im Fazit (Kapitel 6) werden schließlich die vorgestellten Befunde nochmals zusammengefasst, interpretiert und sich ergebende Handlungsfelder aufgezeigt. (Einleitung).
Author(s): Lauer, Stefan
Date: 2026
Abstract: Der Kampf gegen Antisemitismus in Berlin hat einen blinden Fleck: Er denkt international geprägte Szenen, die sich zum Teil als queer definieren oder mit queeren Szenen überlappen, nicht mit. Das ist nicht neu, aber es wird seit dem 7. Oktober 2023 immer deutlicher sichtbar. Queers mobilisieren zu israelfeindlichen Demos, es kommt zu Übergriffen auf Jüdinnen*Juden. Wer Teil der Szene sein will, muss sich antizionistisch positionieren.

Dieses Dossier soll einen Eindruck des Ist-Zustands in Hinblick auf Antisemitismus in Teilen der queeren Community Berlins vermitteln. Dabei handelt es sich um ein Schlaglicht, ohne Anspruch auf Vollständigkeit: Längst nicht alle Auseinandersetzungen, die in den vielen unterschiedlichen queeren Szenen und Orten geführt werden, können hier abgebildet werden. Das Dossier wird Grundlagen der kritischen Auseinandersetzung mit Antisemitismus und israelbezogenem Antisemitismus erläutern. Homonationalismus und Pinkwashing sind zwei miteinander verbundene Begriffe der Queer-Theorie, die kritisch eingeordnet werden, weil sie zentral für den Blick unterschiedlicher queerer Szenen auf den Israel-Palästina-Konflikt, den sogenannten Nahostkonflikt, sind. Es zeichnet nach, wie sich antisemitismus in den letzten Jahren in queeren Szenen gezeigt und was sich seit dem 7. Oktober 2023 verändert hat.

Welche Verbindungen dabei bestehen und wie die Szenen und Akteure aufgestellt sind, zeigen zwei Exkurse: einer zur BDS-Kampagne und ihrer Rolle als aktuell dominierende Form des Antisemitismus — und einer zur Clubkultur, als bedeutender Ort der Austragung. Wie Antisemitismus in queeren Szenen aussehen kann, belegen Zitate aus Interviews, die für diesen Text geführt wurden: mit Queers, Bündnissen und Verbänden.
Date: 2022
Author(s): Stern, Susan
Date: 2002
Abstract: n 2000, I was commissioned by Inter Nationes to update my 1997 brochure on Jews in Contemporary Germany. I submitted the following article in early 2001. Unfortunately, Inter Nationes felt that my new version was too long and too inflammatory; they felt that it might end up annoying too many people. So the Inter Nationes version which has since appeared in several languages is greatly abridged. This ‘original’ version reflects my own opinions, and has not been ‘politically corrected’. I believe, however, that it presents a more comprehensive, better balanced and ultimately more positive picture of Jews in Germany today. THE QUESTION COMPLEXES There are so many aspects to the ‘Jews in contemporary Germany’ theme that I find it practical to group them into three complexes. The first complex concerns Jews among themselves, and I call it ‘Germany’s Jews’. Who are the Jews living in Germany now, the remaining ‘establishment’ (the postwar, pre-unification community) and the newcomers? How and how well do they coexist? What are the major internal issues confronting the Jewish community today, and what is likely to be the future of Jewry in Germany? It is the second question complex which tends to attract the most attention, both within Germany and outside the country: ‘Jews and non-Jews in Germany’. How come there are still any Jews at all living in Germany after the Holocaust? How do these Jews get along with the Germans (a loaded question if ever there was once, since it assumes that Jews are not Germans, and Germans are not Jews) and vice versa? What role does anti- Semitism play in Germany, assuming that it does play one? What do the Jews living in Germany perceive as the major issues confronting their relationship with the ‘outside world’ – that is, with anybody and everybody who is not a Jew living in Germany, and in particular, with Jews living in the United States? And this last question brings us to the third complex, since we are back to considering Jews among themselves, this time not just within Germany but across the Atlantic. I call this complex ‘the American factor’ and extend it to include the current state of the so-called German-Jewish dialogue. This too is a loaded concept, complicated by the fact that the ‘Germans’ in this case are automatically non-Jews, and the ‘Jews’ are usually American Jews. In the pages to follow, I shall try to give a brief overview of all three complexes. The first is probably the most interesting, if only because only the people concerned, the Jews living in Germany, know anything much about it. Certainly, the internal Jewish complex is generally little known to, and even less understood by, the rest of the German population. For the most part, the rest of the world, including other Jewish populations, either have no interest in the topic, or have erroneous ideas based on myth and prejudice. I shall therefore start with the Jews among themselves.
Date: 2024
Abstract: Der 7. Oktober 2023 ist insbesondere für Israel, aber auch für Jüdinnen und Juden in aller Welt eine Zäsur. Nichts ist mehr so, wie es davor war. Das Hamas-Massaker richtete sich nicht nur gegen Israel, nicht nur gegen Jüdinnen und Juden, sondern gegen die gesamte westliche Welt und ihre Idee von Freiheit – es ist Israels 9/11. Antisemitische Straftaten sind seit dem 7. Oktober 2023 weltweit explodiert, vor allem in Europa, in den USA. Und auch in Deutschland befinden sich die jüdischen Gemeinden in einem Ausnahmezustand – seit einem Jahr.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat zum Jahrestag des Hamas-Massakers nach der ersten Analyse vom Dezember 2023 erneut ein Lagebild über die Auswirkungen des Terrors und des Krieges in Israel auf die jüdischen Gemeinden in Deutschland erstellt. Die Grundlage für die Ergebnisse des Lagebilds lieferte eine Umfrage unter den Führungspersönlichkeiten der jüdischen Gemeinden in Deutschland, an der sich über 90 Prozent beteiligt haben. Die Gemeinden bieten in dieser psychischen Extremsituation für Jüdinnen und Juden einen Halt. Zwei Drittel der Führungspersönlichkeiten sprechen jedoch von negativen Auswirkungen des Krieges in Gaza auf ihre Gemeinden – ein konstant hoher Wert. Personell, emotional und organisatorisch sind die Gemeinden am Limit. Das Leben für Jüdinnen und Juden hat sich laut den Angaben stark verändert, jüdisches Leben ist weniger sichtbar und fast die Hälfte der Gemeinden waren im Jahr 2024 von antisemitischen Vorfällen betroffen.

Zentralratspräsident Dr. Josef Schuster sagt zu den Ergebnissen des Lagebilds: „Die Lage der jüdischen Gemeinden ein Jahr nach dem 7. Oktober treibt mich um, sie sollte uns alle aufrütteln. Ja, die Gemeinden sind für die Mitglieder da, das Gemeinschaftsgefühl steigt, es finden wieder mehr Veranstaltungen statt, man passt sich an. Doch auf dieser Gewöhnung an einen Ausnahmezustand liegt ein Schatten. Niemals darf ein solcher Zustand Normalität werden. Für die Gemeinden kann dies nicht Normalität werden. Unsere Gesellschaft darf nicht zulassen, dass jüdisches Leben weniger sichtbar wird; Jüdinnen und Juden weniger sichtbar werden. Sicherheitszäune bieten Schutz, sind aber keine dauerhafte Lösung. Wir sollten uns daran erinnern, wo die Verteidigung unserer offenen Gesellschaft anfängt.“