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Stumbling Stones (Stolpersteine). The Moral Authenticity of Micromonuments

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Stolpersteine – zur moralischen Authentizität von Kleinstdenkmälern

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Abstract

Mit den kleinen Pflastersteinen zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus, den Stolpersteinen, die Gunter Demnig 1990 konzipierte und seitdem in Deutschland in Bürgersteige verlegt, traf der Künstler sofort einen Nerv von Anwohnern, Passanten sowie zivilgesellschaftlichen und politischen Akteuren. Auch nach 25 Jahren haben diese Kleinstdenkmäler nichts von ihrer Überzeugungskraft verloren und heute finden sich Stolpersteine ebenso in 19 anderen europäischen Ländern. Für 120 Euro können Privatpersonen, Verbände, Vereine, Parteien sowie Angehörige oder Freunde der in der NS-Zeit Deportierten und Ermordeten einen 10 x 10 cm großen Messingquader finanzieren, den der Künstler dann mit eingravierten Namen und Daten direkt vor der früheren Wohnstätte eines der Opfer in den Boden verlegt. Diese Stolpersteine setzen Standards in der Geschichte der Denkmalkunst. Sie erinnern an alltägliche Personen, die nicht durch heroische Taten, sondern durch das, was ihnen angetan wurde, bedeutsam sind. Sie lassen erahnen, wie Menschen aus unterschiedlichsten Stadtvierteln willkürlich aus ihrem Lebenszusammenhang gerissen wurden und wie unmittelbar Opfer, Täter und "Zuschauer" miteinander gelebt hatten. Passanten nehmen diese stolperkantenfrei verlegten Steine nur aus größter Nähe wahr und stolpern über sie doch in geistiger Weise, mit der überraschenden Wahrnehmung einer mit individuellen Schicksalen verknüpften geschichtlichen Dimension des Ortes. Durch die einheitliche Form dieser Kleinstdenkmäler werden die unterschiedlichen Opfer symbolisch zusammengeführt und sind auch nicht -was eher der Täterlogik folgen würde -in verschiedene Opfergruppen geteilt (z. B. Juden, Sinti und Roma, Kommunisten oder Homosexuelle). Passanten oder hier Wohnende werden in persönlicher Weise mit einst hier Lebenden und ihrem Leid konfrontiert und können Empathie für diese deportierten und ermordeten Mitmenschen entwickeln. Obwohl die leicht reproduzierbaren Messingobjekte nicht die Qualität eines künstlerischen Originals beanspruchen, sind sie als Merkzeichen geschichtlich authentischer Orte erfahrbar und fordern eine ethische Positionierung ein.

Topics

Genre

Geographic Coverage

Volume/Issue

118-119

Page Number / Article Number

64-68

Bibliographic Information

Carrier, Peter Stumbling Stones (Stolpersteine). The Moral Authenticity of Micromonuments. Trialog. 2014: 64-68.  https://archive.jpr.org.uk/object-6025