Räumliche Prädiktoren von antisemitisch motivierter Kriminalität in Deutschland
Translated Title
Spatial predictors of antisemitic motivated crime in Germany
Author(s)
Publication Name
Publication Date
Publication Place
Publisher
Abstract
Dieses Teilmodul des MOTRA-Monitorings analysiert auf der Grundlage von polizeilichen Kriminalstatistiken aktuelle Entwicklungen des gesellschaftlichen Radikalisierungsgeschehens in Form von politisch motivierter Kriminalität (PMK). Im Zentrum der Analysen steht neben der Kriminalitätsentwicklung die räumliche Verteilung von PMK in Deutschland. Das Teilmodul verfolgt somit das Ziel, durch die Untersuchung von soziostrukturellen Prädiktoren für das regionale Aufkommen von PMK zu einem besseren Verständnis des strafrechtlich relevanten Radikalisierungsgeschehens beizutragen. Der diesjährige Beitrag fokussiert sich auf die Entwicklung und Verteilung von antisemitisch motivierter Kriminalität im Hellfeld. Hierzu präsentieren wir anhand offizieller Polizeistatistiken einen Einblick in die ansteigenden Fallzahlen in den vergangenen Jahren, die in einen sprunghaften Anstieg der antisemitisch motivierten Kriminalität im Jahr 2023 mündete. Im Zentrum der Analysen untersuchen wir regionale Prädiktoren für antisemitisch motivierte Kriminalitätsraten in den 400 deutschen Kreisen und kreisfreien Städte für die Zeit von 2020 bis 2023. Diese Raumanalysen zeigen, dass sich antisemitisch motivierte Straftaten nicht zufällig zwischen den Regionen in Deutschland verteilen, sondern insbesondere höhere Kriminalitätsraten für die in Ostdeutschland gelegenen Kreise zu erkennen sind. Zudem verdeutlicht die Untersuchung kriminalsoziologisch relevanter Raumeigenschaften einen positiven Zusammenhang zwischen den Raten der allgemeinen und der antisemitisch motivierten Kriminalität. Weniger eindeutig sind dagegen die prädiktiven Eigenschaften der Urbanität und Deprivation von Kreisen. Während bei der Deprivation insbesondere die Werte von benachbarten Kreisen in einem negativen Zusammenhang mit antisemitischen Straftaten in dem eigenen Kreis zu stehen scheinen, finden sich bezüglich der Urbanität Hinweise auf eine unterschiedliche Assoziation zwischen ost- und westdeutschen Kreisen. Demnach steigt die Belastung antisemitisch motivierter Kriminalität in westdeutschen Kreisen mit deren zunehmender Urbanität tendenziell an, während in ostdeutschen Kreisen höhere Kriminalitätsraten mit eher ländlichen Regionen einhergehen. Insgesamt demonstriert der diesjährige Monitor-Beitrag die zunehmende gesellschaftliche Relevanz der antisemitisch motivierten Kriminalität und präsentiert neue Erkenntnisse zu der
regionalen Verteilung des polizeilich registrierten Kriminalitätsaufkommens in Deutschland.
regionalen Verteilung des polizeilich registrierten Kriminalitätsaufkommens in Deutschland.
Translated Abstract
This sub-module of the MOTRA monitoring project analyzes current trends in societal radicalization—manifesting as politically motivated crime (PMK)—based on police crime statistics. In addition to crime trends, the analysis focuses on the spatial distribution of PMK across Germany. The sub-module aims to foster a better understanding of radicalization processes relevant to criminal law by examining socio-structural predictors of regional PMK incidence. This year’s report focuses on trends and distribution patterns regarding recorded (known) antisemitic crime. Drawing on official police statistics, we present an overview of rising case numbers in recent years, culminating in a sharp surge in antisemitic crime in 2023. Our analysis centers on regional predictors of antisemitic crime rates across Germany’s 400 administrative districts and independent cities between 2020 and 2023. These spatial analyses reveal that the distribution of antisemitic offenses across German regions is not random; notably, higher crime rates are evident in districts located in East Germany. Furthermore, an examination of spatially relevant sociological factors highlights a positive correlation between general crime rates and rates of antisemitic crime. In contrast, the predictive value of district-level urbanity and deprivation is less clear-cut. Regarding deprivation, values in neighboring districts appear to be negatively correlated with antisemitic offenses in a given district, whereas the role of urbanity suggests differing associations between East and West German districts. Accordingly, the incidence of antisemitically motivated crime in West German districts tends to rise with increasing urbanity, whereas in East German districts, higher crime rates are associated with predominantly rural regions. Overall, this year’s monitor report highlights the growing societal significance of antisemitically motivated crime and presents new findings regarding the regional distribution of police-recorded crime in Germany.
Topics
Editor
Kemmesies, Uwe
Wetzels, Peter
Austin, Beatrix
Büscher, Christian
Dessecker, Axel
Hutter, Swen
Rieger, Dian
Wetzels, Peter
Austin, Beatrix
Büscher, Christian
Dessecker, Axel
Hutter, Swen
Rieger, Dian
Genre
Geographic Coverage
Original Language
Page Number / Article Number
187-211
ISBN/ISSN
978-3-911329-02-6
Link
Link to pdf of entire book, Räumliche Prädiktoren von antisemitisch motivierter Kriminalität in Deutschland
Bibliographic Information
Räumliche Prädiktoren von antisemitisch motivierter Kriminalität in Deutschland. . 2025: 187-211. https://archive.jpr.org.uk/object-5929
