Antisemitismus und Strafverfolgung: Eine qualitative und quantitative Analyse von Justizerfahrungen und Anzeigeverhalten
Translated Title
Antisemitism and Law Enforcement: A Qualitative and Quantitative Analysis of Experiences with the Justice System and Reporting Behavior
Author(s)
Publication Date
Publication Place
Abstract
Im Rahmen des Forschungsverbundprojektes Struggling for Justice – Antisemitismus als justizielle Herausforderung (ASJust) analysiert der Bundesverband RIAS, wie Betroffene von Antisemitismus das Handeln der Justiz in Deutschland erfahren und wahrnehmen. Zusätzlich wird untersucht, welche Faktoren inwiefern das Anzeigeverhalten bei antisemitischen Vorfällen bestimmen. Die Analyse basiert auf qualitativen Interviews mit Jüdinnen_Juden und auf
der statistischen Dokumentation antisemitischer Vorfälle zwischen 2019 und 2022. Zur Sprache kommen Erfahrungen mit der Justiz, die Frustration oder Resignation bedingen und sich negativ auf die Bereitschaft auswirken, antisemitische Vorfälle anzuzeigen. Auch Erfahrungen Dritter oder öffentlich bekannte Fälle spielen eine große Rolle. Erkennbar werden Vertrauensverluste in die Justizbehörden, etwa wenn Betroffene eine Gerichtsentscheidung
als unbefriedigend oder mangelndes Wissen zu israelbezogenem Antisemitismus wahrnehmen. Die Untersuchung verdeutlicht zudem, dass klassische kriminologische Einflussfaktoren wie Tatort, Schwere des Vorfalls und die
Häufigkeit der Viktimisierung das Anzeigeverhalten auch im Falle antisemitischer Vorfälle mitbestimmen. Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung individueller und kollektiver Erfahrungen sowie struktureller Bedingungen
für die Anzeigebereitschaft und liefern Anhaltspunkte, wie der Umgang mit antisemitischen Vorfällen in Deutschland nachhaltig verbessert werden kann.
der statistischen Dokumentation antisemitischer Vorfälle zwischen 2019 und 2022. Zur Sprache kommen Erfahrungen mit der Justiz, die Frustration oder Resignation bedingen und sich negativ auf die Bereitschaft auswirken, antisemitische Vorfälle anzuzeigen. Auch Erfahrungen Dritter oder öffentlich bekannte Fälle spielen eine große Rolle. Erkennbar werden Vertrauensverluste in die Justizbehörden, etwa wenn Betroffene eine Gerichtsentscheidung
als unbefriedigend oder mangelndes Wissen zu israelbezogenem Antisemitismus wahrnehmen. Die Untersuchung verdeutlicht zudem, dass klassische kriminologische Einflussfaktoren wie Tatort, Schwere des Vorfalls und die
Häufigkeit der Viktimisierung das Anzeigeverhalten auch im Falle antisemitischer Vorfälle mitbestimmen. Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung individueller und kollektiver Erfahrungen sowie struktureller Bedingungen
für die Anzeigebereitschaft und liefern Anhaltspunkte, wie der Umgang mit antisemitischen Vorfällen in Deutschland nachhaltig verbessert werden kann.
Translated Abstract
As part of the collaborative research project "Struggling for Justice – Antisemitism as a Judicial Challenge" (ASJust), the Federal Association RIAS analyzes how victims of antisemitism experience and perceive the actions of the justice system in Germany. The project also examines which factors influence reporting behavior in antisemitic incidents. The analysis is based on qualitative interviews with Jewish people and on the statistical documentation of antisemitic incidents between 2019 and 2022. Experiences with the justice system that lead to frustration or resignation and negatively impact the willingness to report antisemitic incidents are addressed. Experiences of third parties and publicly known cases also play a significant role. A loss of trust in the judicial authorities becomes apparent, for example, when victims perceive a court decision as unsatisfactory or a lack of knowledge about Israel-related antisemitism. The study also clarifies that classic criminological factors such as the location of the crime, the severity of the incident, and the frequency of victimization also influence reporting behavior in the case of antisemitic incidents. The results underscore the importance of individual and collective experiences as well as structural conditions for the willingness to report and provide indications of how the handling of antisemitic incidents in Germany can be sustainably improved.
Topics
Antisemitism: Incident Monitoring Jewish Populations and Ethnicities: Ashkenazi Interviews Main Topic: Antisemitism Law and Justice
Genre
Geographic Coverage
Original Language
Series Title
Bibliographic Information
Antisemitismus und Strafverfolgung: Eine qualitative und quantitative Analyse von Justizerfahrungen und Anzeigeverhalten. 2025: https://archive.jpr.org.uk/object-5597
