Home  / 540

Jüdischsein, Deutschsein, Verliebtsein. Eine Untersuchung von Liebesbeziehungen junger jüdischer Erwachsener in Deutschland

Translated Title

Being Jewish (and) in Love. Dating Narratives of Young Jewish Adults

Author(s)

Publication Date

Publication Place

Publisher

Abstract

Im Zentrum des Dissertationsprojektes steht die empirisch verankerte Erarbeitung einer intersektionellen, feministischen Theorie von Liebe und Liebesbeziehungen als Orte des Doing Gender in Verschränkung mit Doing Being Jewish (Jüdischsein) bzw. mit Doing Being German (Deutschsein). Was Jüdischsein und Deutschsein bedeutet und wie es konzeptualisiert werden kann, soll durch die Erhebung narrativer Interview empirisch rekonstruiert werden.

Die Dissertation hat zwei Ausgangspunkte. Der erste ist, sich Liebe als eigenständigem Forschungsgegenstand feministischer Analyse zuzuwenden. In Liebesbeziehungen – als verkörperlichte Erfahrungen von Liebe und Begehren, Macht und Dominanz – werden Geschlechterverhältnisse und andere Ungleichverhältnisse und damit zusammenhängend vergeschlechtlichte Arbeitsteilungen von care work und emotional work (re)produziert, verändert, aufgehoben oder legitimiert. Der zweite Ausgangspunkt ist die Feststellung von Kurt Grünberg in seiner Studie „Liebe nach Auschwitz“ (2000), dass Liebesbeziehungen den wohl intimsten Kontakt zwischen Nachkommen von Überlebenden der Shoah und Nachkommen von Täter*innen, Mitläufer*innen und Nazi-Sympathisant*innen im Land der Täter*innen und Opfer bilden. Vor dem Hintergrund der Shoah und der Nürnberger Gesetze von 1935, welche das sogenannte „Blutschutzgesetz“ und das Verbot von Eheschließungen und Geschlechtsverkehr zwischen Juden/Jüdinnen* und Nicht-Juden/Jüdinnen* umfassten, ist zu fragen, welche Gefühlserbschaften und Erinnerungen (active memory) an die Folgegenerationen weitergegeben werden und wie intime Beziehungen und Liebesbeziehungen davon (nicht) beeinflusst werden. Die beiden Ausgangspunkte sollen miteinander verknüpft werden, um eine kritische, intersektionelle feministische Analyseperspektive in Bezug auf Liebesbeziehungen als auch auf die komplexen Differenz- und Identitätskonstruktionen von Jüdischsein und Deutschsein einzunehmen.

Außerdem sollen forschungsethische Überlegungen in Hinblick auf Theoriebildungsprozesse, Methodenentwicklung und Ergebnisdarstellung im Kontext der „negativen deutsch-jüdischen Symbiose“ (Diner 1986) einerseits und einer feministischen Epistemologie des „situierten Wissens“ (Haraway 1988) andererseits entwickelt werden, da die individuelle, familiäre und soziale Verstrickung mit dem Nationalsozialismus keine Position der Unbeteiligtheit zulässt und eine reflektierte und selbstkritische Positionierung von mir als Forscherin verlangt.

Translated Abstract

At the heart of this dissertation project is the empirically grounded development of an intersectional, feminist theory of love and romantic relationships as sites where "doing gender" intersects with "doing being Jewish" and "doing being German." The study aims to empirically reconstruct the meanings and conceptualizations of Jewishness and German identity through the collection of narrative interviews. The dissertation proceeds from two starting points. The first is to approach love as a distinct subject of feminist analysis. Romantic relationships—as embodied experiences of love and desire, power and dominance—are sites where gender relations and other forms of inequality (along with the associated gendered divisions of care work and emotional work) are (re)produced, transformed, dismantled, or legitimized. The second starting point is an observation made by Kurt Grünberg in his study *Liebe nach Auschwitz* (2000): that romantic relationships constitute perhaps the most intimate form of contact between the descendants of Shoah survivors and the descendants of perpetrators, bystanders, and Nazi sympathizers within the very land where both perpetrators and victims lived. Against the backdrop of the Shoah and the Nuremberg Laws of 1935—which included the so-called "Blood Protection Act" and the ban on marriage and sexual relations between Jews...

Topics

Genre

Geographic Coverage

Original Language

Related

Bibliographic Information

Schaum, Ina Jüdischsein, Deutschsein, Verliebtsein. Eine Untersuchung von Liebesbeziehungen junger jüdischer Erwachsener in Deutschland. Goethe-Universität Frankfurt am Main. 2018:  https://archive.jpr.org.uk/object-540