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Lagebild der Jüdischen Gemeinden in Deutschland: Der dritter bundesweite Erhebung zur Sicherheitslage, zum Sicherheitsempfinden und zu aktuellen Herausforderungen Jüdischer Gemeinden

Translated Title

Situation Report of Jewish Communities in Germany 2026: The third nationwide survey on the security situation, the perception of security, and current challenges facing Jewish communities

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Nach 2023 und 2024 hat der Zentralrat der Juden in Deutschland am 1. Mai 2026 zum dritten Mal ein Lagebild der Jüdischen Gemeinden in Deutschland herausgegeben. Das Lagebild basiert auf der Befragung der Führungspersönlichkeiten von 102 Jüdischen Gemeinden und Landesverbänden und hat damit einen repräsentativen Charakter.

Gut zweieinhalb Jahre nach dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober in Israel ist der Ausnahmezustand für Jüdinnen und Juden in Deutschland zu einem bedrückenden Dauer-Krisenzustand geworden. „Nach dem explosionsartigen Anstieg des Antisemitismus in Folge des 7. Oktober hat sich eine ‚neue Normalität‘ herausgebildet”, konstatiert Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. „Eine Lage, in der Jüdische Gemeinden permanent geschützt werden müssen und der Antisemitismus als Teil des öffentlichen Raums eine Normalisierung erfahren hat. Diese Zustände sind unhaltbar.“

Zwei Entwicklungen stechen im Lagebild besonders alarmierend hervor: der drastische Rückgang der gesellschaftlichen Solidarität und die Verdrängung jüdischen Lebens aus der Öffentlichkeit.

Nahmen im Jahr 2023 noch 62 Prozent der Gemeinden eine Solidarität aus der Zivilgesellschaft wahr, ist dieser Wert auf erschütternde 35 Prozent abgefallen. Fühlten sich die Gemeinden anfangs noch von der Mitte der Gesellschaft getragen, sehen sie sich nun zunehmend im Stich gelassen, während Judenhass, oft getarnt als vermeintlich legitime „Israelkritik“, tief in der bürgerlichen Mitte Anschluss findet. Gerade dort, wo jetzt Zivilcourage nötig wäre, verzeichnet das Lagebild der Jüdischen Gemeinden in Deutschland einen massiven Rückgang der gesellschaftlichen Unterstützung.

Die alltägliche Bedrohung führt dazu, dass 68 Prozent der jüdischen Gemeinschaft das Leben in Deutschland verglichen mit der Zeit vor dem 7. Oktober 2023 als unsicherer wahrnehmen. Um sich zu schützen, ziehen sich Jüdinnen und Juden zunehmend aus dem öffentlichen Raum zurück, verheimlichen ihre Identität und verzichten auf das offene Tragen von Symbolen wie dem Davidstern oder der Kippa. Dies betrifft insbesondere Kinder und Jugendliche. In den vergangenen zwölf Monaten mussten zudem 21 Prozent der Gemeinden Veranstaltungen aus Sicherheitsgründen absagen.

Der Waffenstillstand in Gaza brachte für zwei Drittel der Befragten (66 Prozent) keine spürbare Erleichterung der Sicherheitslage. Währenddessen nutzen Extremisten neue Eskalationen wie den Krieg gegen das iranische Mullah-Regime sofort als Vorwand für ausufernden Hass. Dr. Josef Schuster macht deutlich: „Der Krieg im Nahen Osten war immer nur ein Vorwand, niemals ein Grund für antisemitische Übergriffe und Hetze in Deutschland.“

Die andauernde Belastung führt zu einer tiefen Resignation: Nur noch 13 Prozent der Gemeinden schätzen die Zukunft für jüdisches Leben in Deutschland positiv ein. „Die Ergebnisse dieser repräsentativen Erhebung unter den Jüdischen Gemeinden in Deutschland müssen für Entscheidungsträger und die Gesellschaft gleichermaßen Alarmsignal und Ansporn sein. Der Judenhass hat sich in Deutschland normalisiert und nur enorme Kraftanstrengungen können diesen Trend umkehren. In der jüdischen Gemeinschaft schwindet das Vertrauen in diese Trendumkehr zusehends“, stellt Dr. Josef Schuster abschließend fest.

Translated Abstract

After 2023 and 2024, the Central Council of Jews in Germany published a situation report of the Jewish communities in Germany for the third time on May 1, 2026. The Situation picture is based on the survey of the leaders of 102 Jewish communities and regional associations and thus has a representative character.

A good two and a half years after the Hamas massacre in Israel on October 7, the state of emergency for Jews in Germany has become an oppressive, permanent state of crisis. „After the explosive rise in anti-Semitism following October 7, a ‚new normal‘ has emerged”, states Dr. Josef Schuster, President of the Central Council of Jews in Germany. „A situation in which Jewish communities must be permanently protected and anti-Semitism has become normalized as part of public space. These conditions are untenable.“

Two developments are striking in the Situation picture particularly alarming: the drastic decline in social solidarity and the displacement of Jewish life from public view.

While 62 percent of municipalities perceived solidarity from civil society in 2023, this figure has fallen to a shocking 35 percent. While the communities initially felt supported by the middle of society, they now see themselves increasingly abandoned, while hatred of Jews, often disguised as supposedly legitimate „criticism of Israel“, finds its way deep into the middle class. Especially where civil courage would be necessary now, the Situation picture of the Jewish communities in Germany a massive decline in social support.

The everyday threat means that 68 percent of the Jewish community perceives life in Germany as less safe than before October 7, 2023. To protect themselves, Jews are increasingly withdrawing from public spaces, concealing their identity and refraining from openly wearing symbols such as the Star of David or the kippah. This particularly affects children and young people. In the past twelve months, 21 percent of municipalities have also had to cancel events for safety reasons.

The ceasefire in Gaza did not bring any tangible relief to the security situation for two thirds of the respondents (66 per cent). Meanwhile, extremists immediately use new escalations such as the war against Iran's mullah regime as a pretext for rampant hatred. Dr. Josef Schuster makes it clear: „The war in the Middle East has always been only a pretext, never a reason for anti-Semitic attacks and incitement in Germany.“

The ongoing strain leads to a deep resignation: only 13 percent of communities now view the future for Jewish life in Germany positively. „The results of this representative survey among Jewish communities in Germany must be an alarm signal and an incentive for decision-makers and society alike. Hatred of Jews has normalized in Germany and only enormous efforts can reverse this trend. In the Jewish community, trust in this reversal of the trend is visibly dwindling“, Dr. Josef Schuster concludes.

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Lagebild der Jüdischen Gemeinden in Deutschland: Der dritter bundesweite Erhebung zur Sicherheitslage, zum Sicherheitsempfinden und zu aktuellen Herausforderungen Jüdischer Gemeinden. Zentralrat der Juden in Deutschland. 2026:  https://archive.jpr.org.uk/object-5795