Abstract: Israel-related forms of antisemitism belong to the most widely distributed patterns of this hatred. Despite the broad covering of the Middle East conflict in the German public discourse, this subject is not prominently represented in the education system (teacher training, school books, etc.). To address teachers’ insecurities and make specific didactical offers, a range of pedagogical handouts has been published since the 2000s. However, the didactical characteristics and appropriateness of these materials have not been analyzed on a broader scale. This paper offers a rare documental focus, as it presents the results of work with a research corpus that includes 195 scenarios of civic education on the topics of the Middle East conflict and Israel-related antisemitism, for which the approach of Qualitative Content Analysis has been used. Based on this research, a typology of didactical approaches has been developed, taking into account didactical and content-related dimensions. This typology can be used to precisely identify and address currently existing lacunae in antisemitism-related education. In addition, this paper discusses the specific contributions of educational materials of each type to antisemitism prevention as well as their non-intended effects.
Abstract: Dem Staat Israel kommt in Deutschland regelmäßig eine im internationalen Vergleich große Aufmerksamkeit zu. Fast immer geht es hierbei um dessen Rolle im Nahostkonflikt, also in den jahrzehntelang bestehenden politischen Auseinandersetzungen mit den palästinensischen Akteur*innen, arabischen sowie weiteren Staaten der Region (wie etwa dem Iran). Diese Aufmerksamkeit verläuft konjunkturell und folgt dem Verlauf von Eskalationsphasen des Nahostkonflikts. In den letzten Jahre wurde der (mögliche) antisemitische Gehalt "israelkritischer" Positionen zunehmend diskutiert: "Debatten um Fragen des aktuellen Antisemitismus sind immer öfter zugleich Debatten um Wahrnehmungen Israels und des Nahostkonflikts" (Niehoff 2021, 73). Beide Themen werden häufig und zunehmend miteinander assoziiert. Gleichzeitig sind Unklarheiten und Unsicherheiten weit verbreitet, welche Positionierungen gegenüber dem Staat Israel, der sich als Nationalstaat des jüdischen Volkes versteht, als antisemitisch zu bewerten sind (und, so die Konsequenz, moralisch geächtet werden sollten) und welche Haltungen demgegenüber als "kritische" 1 einzustufen sind (und als solche legitimer Teil der kontroversen politischen Auseinandersetzung seien). Zu einer entsprechenden Sensibilisierung haben insbesondere Studien und Berichte mit dem Fokus auf Perspektiven von Betroffenen von Antisemitismus (Zick u.a. 2017a; Bernstein 2020; Chernivsky u.a. 2020) sowie die professionelle zivilgesellschaftliche Arbeit etwa von Monitoringstellen antisemitischer Vorfälle (Bundesverband RIAS/Internationales Institut für Bildung, Sozial-und Antisemitismusforschung 2021) beigetragen. Auch wissenschaftliche Forschung widmet sich verstärkt der Problematik. Deutlich sichtbar wurde diese insbesondere im Mai 2021, als anlässlich von militärischen Auseinandersetzung zwischen der palästinensischen Hamas und der israelischen Armee antiisraelische Demonstrationen in Deutschland stattfanden, in deren Kontext (vermeintliche) jüdische Personen, Synagogen sowie der Staat Israel bedroht und attackiert wurden (vgl. ebd., 14, 51-65). 1 Irritationen entstehen regelmäßig u.a. deswegen, da völlig unterschiedliche Nutzungen von "kritisch" in diesem Zusammenhang existieren (vgl. z.B. Schwarz-Friesel/Reinharz 2013, 194-209). Die Bandbreite reicht von Begriffsverständnissen, die alle nicht-antisemitischen negativen Positionierungen unter "kritisch" subsummieren, andere Verständnisse grenzen den "kritischen" Bereich eng(er) ein.
Abstract: Äußerungen gegen den Staat Israel bieten als Umwegkommunikation in Europa zunehmend die Mög-lichkeit, das Tabu des offenen Antisemitismus zu umgehen. Konkrete Kriterien zur Abgrenzung von Kritik wurden daher entwickelt, vor allem in Deutschland und Großbritannien allerdings auch starkdebattiert. Der Beitrag stellt Ergebnisse einer Diskursanalyse vor, die wissenschaftliche Debattenüber Definitionen des israelbezogenen Antisemitismus in den beiden Ländern fokussiert. Untersuchtwurden dabei wissenschaftliche Bewertungen der Delegitimierung der israelischen Staatlichkeit, einhäufig zu beobachtendes Phänomen, das Juden und Jüdinnen das Recht auf Selbstbestimmung ab- spricht. Es zeigt sich, dass die Debatten stark durch die jeweilige nationale Kultur beeinflusst sind. Antizionismus wird nicht durchgehend als antisemitisch bewertet, ja z.T. sogar gerechtfertigt. InGroßbritannien ist eine weitere Verwendung des Antizionismus-Begriffs zu beobachten als in Deutsch-land, die z.T. Kritik an der israelischen Regierung einschließt. Diese Verwirrung wird noch gesteigert,weil nicht immer klar ist, ob über potentiell antisemitische Wirkungen oder aber jüd*innenfeindliche Motivationen gesprochen wird.