Abstract: Der 7. Oktober 2023 ist insbesondere für Israel, aber auch für Jüdinnen und Juden in aller Welt eine Zäsur. Nichts ist mehr so, wie es davor war. Das Hamas-Massaker richtete sich nicht nur gegen Israel, nicht nur gegen Jüdinnen und Juden, sondern gegen die gesamte westliche Welt und ihre Idee von Freiheit – es ist Israels 9/11. Antisemitische Straftaten sind seit dem 7. Oktober 2023 weltweit explodiert, vor allem in Europa, in den USA. Und auch in Deutschland befinden sich die jüdischen Gemeinden in einem Ausnahmezustand – seit einem Jahr.
Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat zum Jahrestag des Hamas-Massakers nach der ersten Analyse vom Dezember 2023 erneut ein Lagebild über die Auswirkungen des Terrors und des Krieges in Israel auf die jüdischen Gemeinden in Deutschland erstellt. Die Grundlage für die Ergebnisse des Lagebilds lieferte eine Umfrage unter den Führungspersönlichkeiten der jüdischen Gemeinden in Deutschland, an der sich über 90 Prozent beteiligt haben. Die Gemeinden bieten in dieser psychischen Extremsituation für Jüdinnen und Juden einen Halt. Zwei Drittel der Führungspersönlichkeiten sprechen jedoch von negativen Auswirkungen des Krieges in Gaza auf ihre Gemeinden – ein konstant hoher Wert. Personell, emotional und organisatorisch sind die Gemeinden am Limit. Das Leben für Jüdinnen und Juden hat sich laut den Angaben stark verändert, jüdisches Leben ist weniger sichtbar und fast die Hälfte der Gemeinden waren im Jahr 2024 von antisemitischen Vorfällen betroffen.
Zentralratspräsident Dr. Josef Schuster sagt zu den Ergebnissen des Lagebilds: „Die Lage der jüdischen Gemeinden ein Jahr nach dem 7. Oktober treibt mich um, sie sollte uns alle aufrütteln. Ja, die Gemeinden sind für die Mitglieder da, das Gemeinschaftsgefühl steigt, es finden wieder mehr Veranstaltungen statt, man passt sich an. Doch auf dieser Gewöhnung an einen Ausnahmezustand liegt ein Schatten. Niemals darf ein solcher Zustand Normalität werden. Für die Gemeinden kann dies nicht Normalität werden. Unsere Gesellschaft darf nicht zulassen, dass jüdisches Leben weniger sichtbar wird; Jüdinnen und Juden weniger sichtbar werden. Sicherheitszäune bieten Schutz, sind aber keine dauerhafte Lösung. Wir sollten uns daran erinnern, wo die Verteidigung unserer offenen Gesellschaft anfängt.“
Abstract: Nach 2023 und 2024 hat der Zentralrat der Juden in Deutschland am 1. Mai 2026 zum dritten Mal ein Lagebild der Jüdischen Gemeinden in Deutschland herausgegeben. Das Lagebild basiert auf der Befragung der Führungspersönlichkeiten von 102 Jüdischen Gemeinden und Landesverbänden und hat damit einen repräsentativen Charakter.
Gut zweieinhalb Jahre nach dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober in Israel ist der Ausnahmezustand für Jüdinnen und Juden in Deutschland zu einem bedrückenden Dauer-Krisenzustand geworden. „Nach dem explosionsartigen Anstieg des Antisemitismus in Folge des 7. Oktober hat sich eine ‚neue Normalität‘ herausgebildet”, konstatiert Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. „Eine Lage, in der Jüdische Gemeinden permanent geschützt werden müssen und der Antisemitismus als Teil des öffentlichen Raums eine Normalisierung erfahren hat. Diese Zustände sind unhaltbar.“
Zwei Entwicklungen stechen im Lagebild besonders alarmierend hervor: der drastische Rückgang der gesellschaftlichen Solidarität und die Verdrängung jüdischen Lebens aus der Öffentlichkeit.
Nahmen im Jahr 2023 noch 62 Prozent der Gemeinden eine Solidarität aus der Zivilgesellschaft wahr, ist dieser Wert auf erschütternde 35 Prozent abgefallen. Fühlten sich die Gemeinden anfangs noch von der Mitte der Gesellschaft getragen, sehen sie sich nun zunehmend im Stich gelassen, während Judenhass, oft getarnt als vermeintlich legitime „Israelkritik“, tief in der bürgerlichen Mitte Anschluss findet. Gerade dort, wo jetzt Zivilcourage nötig wäre, verzeichnet das Lagebild der Jüdischen Gemeinden in Deutschland einen massiven Rückgang der gesellschaftlichen Unterstützung.
Die alltägliche Bedrohung führt dazu, dass 68 Prozent der jüdischen Gemeinschaft das Leben in Deutschland verglichen mit der Zeit vor dem 7. Oktober 2023 als unsicherer wahrnehmen. Um sich zu schützen, ziehen sich Jüdinnen und Juden zunehmend aus dem öffentlichen Raum zurück, verheimlichen ihre Identität und verzichten auf das offene Tragen von Symbolen wie dem Davidstern oder der Kippa. Dies betrifft insbesondere Kinder und Jugendliche. In den vergangenen zwölf Monaten mussten zudem 21 Prozent der Gemeinden Veranstaltungen aus Sicherheitsgründen absagen.
Der Waffenstillstand in Gaza brachte für zwei Drittel der Befragten (66 Prozent) keine spürbare Erleichterung der Sicherheitslage. Währenddessen nutzen Extremisten neue Eskalationen wie den Krieg gegen das iranische Mullah-Regime sofort als Vorwand für ausufernden Hass. Dr. Josef Schuster macht deutlich: „Der Krieg im Nahen Osten war immer nur ein Vorwand, niemals ein Grund für antisemitische Übergriffe und Hetze in Deutschland.“
Die andauernde Belastung führt zu einer tiefen Resignation: Nur noch 13 Prozent der Gemeinden schätzen die Zukunft für jüdisches Leben in Deutschland positiv ein. „Die Ergebnisse dieser repräsentativen Erhebung unter den Jüdischen Gemeinden in Deutschland müssen für Entscheidungsträger und die Gesellschaft gleichermaßen Alarmsignal und Ansporn sein. Der Judenhass hat sich in Deutschland normalisiert und nur enorme Kraftanstrengungen können diesen Trend umkehren. In der jüdischen Gemeinschaft schwindet das Vertrauen in diese Trendumkehr zusehends“, stellt Dr. Josef Schuster abschließend fest.
Abstract: This study explores how students negotiate complex and sensitive issues in schools, focussing on the October 7, 2023, attacks and their consequences. Drawing on discourse analysis informed by Foucault and discursive psychology, we analyse students’ talk in focus group discussions as situated social action, examining how they make sense of events, construct accounts and position themselves and others. The analysis provides empirical insights into how students navigate a contested topic and contributes to pedagogical approaches that support democratic dialogue and critical engagement. The results show that students negotiate meaning through a knowledge positioning discourse, which shapes students’ willingness to engage amid epistemic ambiguity; a moral positioning discourse, which introduces pressures to take a stance and challenges deliberative ideals; and an anti-antisemitism discourse, which exposes tensions between critique of Zionism and antisemitism. Findings reveal that reliance on media-informed narratives, moral framings and contested identity categories can both enable and constrain dialogue, sometimes reinforcing polarisation and feelings of alienation. The study argues for pedagogical strategies that foster epistemic security, promote perspective-taking and critically engage with the politics of language to dismantle stereotypes and prevent dichotomous narratives.
Abstract: La Coordination intercommunautaire contre l’antisémitisme et la diffamation (CICAD) publie son rapport annuel sur l’antisémitisme en Suisse romande. Avec 2 438 incidents recensés en 2025, le phénomène atteint un niveau jamais observé depuis la mise en place du dispositif de monitoring de la CICAD.
Par rapport à 2024, où 1 789 incidents avaient été recensés, cela représente une augmentation de 36 % en un an.
Cette évolution s’inscrit dans un contexte international marqué par les conséquences de l’attaque terroriste menée par le Hamas contre Israël le 7 octobre 2023 et par la guerre à Gaza, qui ont contribué à une forte polarisation du débat public et à une diffusion accrue de discours antisémites.
La CICAD constate également une progression des actes les plus graves et sérieux. Les incidents qualifiés de graves ou sérieux sont passés de 109 cas en 2024 à 127 en 2025, soit une augmentation d’environ 16 %.
Ces actes comprennent notamment des menaces, des agressions verbales ou physiques, des dégradations visant des lieux ou des symboles juifs, ainsi que des contenus particulièrement violents ou appelant à la haine.
En 2025, la CICAD a reçu plus de 3 000 signalements. Après vérification et analyse, 2 438 incidents ont été confirmés, notamment sur la base de la définition opérationnelle de l’antisémitisme adoptée par l’Alliance internationale pour la mémoire de l’Holocauste (IHRA), organisation intergouvernementale qui réunit aujourd’hui 35 États membres.
Face à cette situation, la CICAD appelle les autorités et la société civile à une mobilisation déterminée contre l’antisémitisme, rappelant que ce phénomène constitue une menace pour la cohésion sociale et les valeurs démocratiques.
Abstract: Le rapport 2024 sur l’antisémitisme en Suisse romande dresse un constat alarmant : une augmentation de 89,52 % des actes antisémites a été enregistrée, totalisant 1 789 incidents. Ces chiffres révèlent une réalité glaçante : l’antisémitisme n’est plus un phénomène marginal, il gangrène aujourd’hui nos écoles, nos rues et nos plateformes en ligne.
Des actes d’une très grande violence
Parmi les incidents recensés, 42 actes ciblés ont été signalés. Parmi les plus graves :
À Genève, une élève juive de 10 ans a été frappée au visage, tirée par les cheveux et rouée de coups de pieds aux jambes par trois camarades lui criant : “Il n’y a pas de place pour les Juifs dans le monde !” tout en filmant la scène.
À Lausanne, un homme portant une kippa a été agressé dans un supermarché. Poussé et frappé, l’agresseur lui a crié « Les terroristes, c’est vous !
Des menaces verbales ou écrites se sont multipliées :
Une famille juive de Lausanne a trouvé un message menaçant dans leur boîte aux lettres : « Nous ne voulons pas de vous ici, partez avant qu’il ne soit trop tard ».
Le bureau d’un avocat juif, a été forcé. Les cambrioleurs ont laissé des documents éparpillés et ont tagué le mur avec la phrase : « Le monde sera purifié des sionistes ».
Les écoles, nouveaux foyers de haine
Le système éducatif n’est pas épargné. Des saluts nazis se multiplient dans les cours de récréation, des élèves juifs sont victimes d’insultes et de violences, et des enseignants comparent les Juifs aux nazis en classe.
Lors de manifestations et d’occupations universitaires, des slogans appelant à l’éradication du seul Etat juif ont été scandés.
Cette banalisation de la haine met en péril les valeurs fondamentales de respect qui devraient prévaloir au sein des établissements scolaires.
Les réseaux sociaux, catalyseurs de la haine
72,1 % des incidents recensés se sont déroulés en ligne. Des plateformes telles qu’Instagram, X (anciennement Twitter) et Telegram servent de caisse de résonance pour des théories complotistes et des appels à la violence. L’anonymat et la viralité de ces médias sociaux permettent une diffusion massive de contenus antisémites, rendant la lutte contre cette haine plus urgente que jamais.
Appel à l’action : le silence n’est plus une option
Face à cette situation intolérable, la CICAD appelle à une mobilisation immédiate :
Application stricte de la loi : Les auteurs d’actes antisémites doivent être poursuivis et sanctionnés avec la plus grande fermeté.
Renforcement de l’éducation : L’intégration de programmes pédagogiques de – sensibilisation est indispensable pour prévenir la haine dès le plus jeune âge.
Lutte contre la haine en ligne : Une collaboration étroite avec les plateformes numériques est nécessaire pour endiguer la propagation des discours antisémites.
Condamnation unanime : Chaque acte antisémite doit être publiquement et systématiquement dénoncé.
La Suisse ne peut plus fermer les yeux. L’antisémitisme ne doit jamais devenir une norme tolérée. Il en va de la défense de nos valeurs et de notre humanité commune.
Abstract: – Beyond campus incidents, broader longitudinal survey data suggest attitudinal shifts across society, especially among younger populations. This longitudinal attitude survey suggests that there has been a significant rise in antisemitic sentiments in both Germany and the United States since the beginning of 2024 (unfortunately this is when the data set begins).
– Age is the strongest predictor of antisemitic attitudes, with younger respondents, particularly young men, consistently more likely to endorse exclusionary views about Jews in both the U.S. and Germany.
– High social media use and conspiratorial thinking strongly correlate with antisemitic sentiment, especially in the United States, indicating digital environments as key drivers of contemporary prejudice formation.
– In the United States young people are more likely to evince antisemitic views, while in Germany older people are more likely to be islamophobic.
– The data do not support a broad resurgence of left-wing antisemitism; instead, political polarization and xenophobia, especially on the right, remain central predictors of exclusionary attitudes.
Topics: Main Topic: Antisemitism, October 7 2023 attacks + aftermath, Gender, Feminism, Antisemitism, Antisemitism: Israel-Related, Antisemitism: Left-Wing, Antisemitism: Theory, Theory: Critical Theory, Sexism and Misogyny, Intersectionality
Abstract: Antisemitism and Sexism: Ideological Constellations Before and After 7 October analyses the manifold ways in which antisemitism and sexism appear not as isolated ideologies but as intersecting ones, exploring their historical, social, political, economic, and psychological constellations. Drawing on Critical Theory, the book offers a comparative historical analysis of these entanglements from nineteenth-century Europe—particularly Germany and Austria—through National Socialism and its preconditions, to the historical and contemporary formations of Islamism. The sexist antisemitism of 7 October and its aftermath are examined as a contemporary eruption of these enduring ideological patterns, while Critical Theory itself is sharpened in light of these events.
Structured around distinct analytical dimensions, the book opens with a theoretically dense examination of the damaged relationship between human beings and nature under modern labour society, identified by Critical Theory as a key source of both antisemitism and sexism. Subsequent chapters analyse the contradictory constructions of Judaism and femininity, the relation between body and mind, and socially regulated forms of sexuality. Conspiracy myths linking weakness and omnipotence, the psychosocial roots of authoritarian dispositions, and the embedding of these ideologies in specific formations of capitalist modernity and repressive communities are examined in turn. The book also offers a critical examination of intersectional feminist antisemitism in the aftermath of 7 October and advances a proposal to reformulate intersectionality as an ideology-critical framework for a feminist critique of antisemitism.
Abstract: Der 7. Oktober 2023, der brutale Terrorangriff der Hamas auf Israel mit rund 1200 Ermordeten und hunderten Verschleppten und der anschließende Krieg in Gaza markieren auch hierzulande eine Zäsur. Unmittelbar nach Bekanntwerden des Terrorangriffs der Hamas auf Israel am 7. Oktober und des kurz darauf beginnenden
und zum Veröffentlichungszeitpunkt dieser Publikation noch laufenden Krieges in Gaza, erreichte die Bildungsstätte Anne Frank eine Flut an Anfragen. Insbesondere Lehrkräfte und andere an Schule beschäftigte Fachkräfte meldeten sich mit der Bitte nach Beratung und Fortbildung zum Umgang mit Terror, Krieg und den sich daran entzündenden Folgen hierzulande.
Unser Team reagierte schnell mit einer Vielzahl ad hoc durchgeführter digitaler Gesprächsangebote, mit Fortbildungen vor Ort, mit Veranstaltungen, Publikationen und Materialien. Den ersten Jahrestag des
7. Oktobers 2023 nahmen wir zum Anlass, die aktuellen Bedarfe an Schulen systematisch zu erfassen – eine Lücke, die wir mit einer Online-Umfrage unter Lehrkräften schließen. Ziel war es zu erfassen, ob und in welcher Weise der 7. Oktober 2023 und der Gaza-Krieg ein Jahr später noch Thema in den Schulen sind, wie die Lehrkräfte damit umgehen und welche Unterstützung sie sich dabei wünschen.
Zwischen dem 09.09.24 und 23.09.24 haben sich 159 Lehrkräfte aller Schulformen, vor allem aus Gymnasien, Berufs- und Gesamtschulen und mit 98 Prozent überwiegend aus Hessen, an der Umfrage beteiligt. Ihnen und ihren aussagekräftigen Antworten, die wir auf den folgenden Seiten präsentieren, gilt unser ausdrücklicher
Dank. Ihre Antworten zeigen, dass dem Thema große Wichtigkeit beigemessen wird und einzelne Lehrkräfte im Rahmen ihrer Möglichkeiten versuchen, den sogenannten Nahostkonflikt zu thematisieren – dass strukturelle Zwänge, insbesondere mangelnde zeitliche Kapazitäten, einen angemessenen Umgang mit der Thematik
aber erschweren.
Die Umfrage bestätigt uns in unserer Forderung nach einer Bildungsoffensive, die Schulen in all ihrer Heterogenität dazu befähigt und sie mit den entsprechenden zeitlichen und materiellen Ressourcen ausstattet, den Nahostkonflikt und andere komplexe globale Konflikte unserer Zeit, deren Geschichte und gesellschaftspolitische Dimensionen besser verstehen und einordnen zu können.
Ziel muss es sein, dass Lehrkräfte sprechfähig sind zu den Themen, die ihre Schüler*innen und uns als Gesellschaft bewegen – und entsprechend der vielfältigen Identitäten und Positionen im Raum Schule sind Perspektivwechsel dafür unumgänglich. Insbesondere müssen dabei auch der digitale Raum und dessen besondere Dynamiken1
mit adressiert werden – die Umfrageergebnisse zeigen überdeutlich, dass es an Strategien des Umgangs mit den Sozialen Medien mangelt, hier bedarf es einer konsequenten Verzahnung medienpädagogischer Angebote mit Inhalten der politischen Bildung.
Abstract: Im Oktober 2019 übte ein bekennender Rechtsextremist am höchsten jüdischen Feiertag – Jom Kippur – in Halle ein Attentat aus, bei dem er explizit betende Jüdinnen und Juden in der Synagoge ermorden wollte. Seit dem Terrorakt der Hamas am 7. Oktober 2023 im Süden Israels und dem darauffolgenden Krieg erleben wir weltweit eine neue und andere Welle des Antisemitismus. Während einige Menschen aus dem linken und dem muslimischen Spektrum Israel das Existenzrecht absprechen, stehen nun rechte und rechtsextreme Politiker:innen vermeintlich an der Seite Israels. Diese Gemengelage kanalisiert sich in antisemitischem Hass und Hetze, sowohl online als auch auf den Straßen. Sie richten sich zwar zunächst augenscheinlich gegen „die Juden“, sind aber vielmehr eine Bedrohung unserer gesamten Demokratie, die die Rechte von Minderheiten schützen und stärken und die das friedliche Zusammenleben aller gewährleisten soll. Die genannten Beispiele des Hasses, die in ihrer Brutalität aus dem in Deutschland nachweislich verbreiteten „Alltagsantisemitismus“ herausstechen, zeugen von der Transformations- und Anschlussfähigkeit des Phänomens Antisemitismus. Nach dem Attentat in Halle schrieb das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Jahr 2020 die Förderlinie „Aktuelle Dynamiken und Herausforderungen des Antisemitismus“ aus. In zehn bundesweit aufgestellten Forschungsverbünden wurden in den vergangenen vier Jahren sowohl grundlegende als auch praxisorientierte Untersuchungen zu unterschiedlichen Dimensionen, Akteur:innen und Adressat:innen bearbeitet. Mit dieser Ausgabe von Politikum werden Ergebnisse aus diesen, aber auch weiteren Forschungen vorgestellt. Dabei wird u. a. den Fragen nachgegangen, welche Vor- und Nachteile die derzeit heftig debattierten Antisemitismusdefinitionen bieten, wie israelbezogener Antisemitismus von legitimer Kritik an der Regierung Israels unterschieden werden kann, wie Deepfakes antisemitische Narrative bedienen und wie man sie dekonstruiert oder auch, ob Graphic Novels als Unterrichtsmaterial in der Antisemitismusprävention geeignet sind. Mit den Einordnungen, Bestandsaufnahmen und Empfehlungen laden wir ein, sich mit unterschiedlichen Aspekten des Phänomens zu befassen, und bieten Einblicke in aktuelle Forschungen und neueste Materialien.
Stefanie Schüler-Springorum
„Der ewige Antisemitismus“
Armin Pfahl-Traughber
Israelbezogener Antisemitismus oder legitime Kritik?
Kursierende Definitionen zur Differenzierung kritisch geprüft
Thomas Haury
Schwierige Gemengelagen
Zur Unterscheidung von israelbezogenem Antisemitismus und nicht-antisemitischen Antizionismen in Geschichte und Gegenwart
Sara Han
Die Verbindung zwischen christlichem Antisemitismus und der Neuen Rechten in Deutschland
Sina Arnold
„Importierter“ Antisemitismus?
Zur Funktionalität eines zweifelhaften Konzepts
Sarah Jadwiga Jahn
„From the river to the sea, Palastine will be free“
Herausforderungen und Perspektiven für den Rechtsstaat
Marcus Scheiber
Antisemitische Deepfakes
Dekonstruktion über Bildwissen
Ursula Hennigfeld
Antisemitismusprävention im Schulunterricht
Kriterien zum Einsatz von Graphic Novels
Projekt RESPOND!
Antisemitismus in den sozialen Medien junger Menschen
Ein Training zur Stärkung der Medien- und Handlungskompetenz
Matthias Springborn
Geldverleiher im Mittelalter?
Herausforderungen bei der Darstellung von Jüdinnen und Juden, vom Judentum und von Israel in Schulbüchern
Philipp Graf und Alexander Weidle
Das Objekt zum Subjekt machen
Jüdische Alltagskultur in Deutschland vermitteln
Abstract: This roundtable offers a collaborative, multi-vocal forum on the topic of teaching Jewish Studies in the Nordic region, featuring contributions from scholars and instructors based in Denmark, Finland, Norway, and Sweden. Conceived as a reflective platform, it weaves together critical insights, pedagogical experiences, and institutional perspectives. Topics include national contexts, classroom practices, both conventional and experimental curricular offerings, strategies for integrating Jewish Studies into broader academic frameworks, and reflections on the impact of 7 October 2023. Beyond mapping current conditions, the roundtable aims to envision what Jewish Studies in the Nordics could become, foregrounding both the challenges and the possibilities that shape its future
Abstract: The recent Israeli onslaught on Gaza has sparked bitter arguments on United Kingdom (UK) university campuses. These conflicts have intertwined with wider disputes over politics, cultural identity, freedom of speech, and also empathy. Both sides routinely accuse their opponents of a lack of empathy with the victims of violence with whom they themselves identify. This chapter sets these arguments, in relation to empathy with suffering in particular, in historical context, extending back to the 1930s. The memory of the Holocaust, and the rise since the 1990s, in the United Kingdom and elsewhere, of a form of empathy-focused Holocaust education, has fed into the politicization and weaponization of empathy in the context of the Middle East conflict. The chapter closes with four practical suggestions, which might help to unblock these unproductive, acrimonious, and emotionally charged disputes on British campuses.
Abstract: The events of October 7, 2023, and their aftermath have intensified social and political tensions across Europe, profoundly impacting both Jewish and Muslim communities. This article explores the phenomenon of dual silencing, where members of these communities face exclusion, misrepresentation, and suppression in public discourse. Jewish voices, often conflated with Israeli state politics, encounter rising antisemitism, while Muslim perspectives are increasingly marginalized amid heightened Islamophobic/anti-Muslim rhetoric. Through an analysis of personal accounts, public testimonies, media narratives, political responses, and societal attitudes, this study examines how both communities experience symbolical erasure and selective amplification depending on shifting political agendas. Using the Czech context as a case study, this article argues that the post-October 7 discourse has deepened existing societal fault lines and significantly influenced how Jewish and Muslim identities are negotiated in the public sphere. The study concludes by considering the implications of this dual silencing for intercommunal relations, and the future of pluralism in Europe.
Abstract: Nach dem Angriff der klerikal-faschistsichen Hamas auf Israel im Oktober 2023 kam es sehr schnell zu einer Mobilisierung für die Ziele der Terrororganisation. Diese waren von Anfang an getragen von antisemitischen Tropen und gingen einher mit einem rasanten Anstieg der antisemitisch motivierten Straft- und Gewalttaten. Relevante Trägergruppen dieses Antisemitismus sind dem eigenen Selbstverständnis nach im linken politischen Spektrum positioniert. Zeigt diese Mobilisierung eine bisher übersehene Verbreitung antisemitischer Ressentiments auch in der politischen Linken an? Und was sind mögliche Ursachen für das Vorkommen des Antisemitismus in Gruppen, für die Gerechtigkeitsnormen zum erklärten Selbstverständnis gehören? Auf Grundlage der Daten der Leipziger Autoritarismus Studie 2024 können wir zeigen, dass der Antisemitismus auch innerhalb der Linken verbreitet ist, wenn auch die Rationalisierung des Ressentiments teilweise anders ausfällt. Auffällig ist, dass innerhalb jüngerer Befragter der Antisemitismus häufiger anzutreffen ist, als bei älteren – mit Ausnahme des Schuldabwehrantisemitismus. Wir diskutieren diese Befunde auf auf kritisch-theoretischer Basis.Nach dem Angriff der klerikal-faschistsichen Hamas auf Israel im Oktober 2023 kam es sehr schnell zu einer Mobilisierung für die Ziele der Terrororganisation. Diese waren von Anfang an getragen von antisemitischen Tropen und gingen einher mit einem rasanten Anstieg der antisemitisch motivierten Straft- und Gewalttaten. Relevante Trägergruppen dieses Antisemitismus sind dem eigenen Selbstverständnis nach im linken politischen Spektrum positioniert. Zeigt diese Mobilisierung eine bisher übersehene Verbreitung antisemitischer Ressentiments auch in der politischen Linken an? Und was sind mögliche Ursachen für das Vorkommen des Antisemitismus in Gruppen, für die Gerechtigkeitsnormen zum erklärten Selbstverständnis gehören? Auf Grundlage der Daten der Leipziger Autoritarismus Studie 2024 können wir zeigen, dass der Antisemitismus auch innerhalb der Linken verbreitet ist, wenn auch die Rationalisierung des Ressentiments teilweise anders ausfällt. Auffällig ist, dass innerhalb jüngerer Befragter der Antisemitismus häufiger anzutreffen ist, als bei älteren – mit Ausnahme des Schuldabwehrantisemitismus. Wir diskutieren diese Befunde auf auf kritisch-theoretischer Basis.
Abstract: I 2024 har AKVAH registreret det højeste antal antisemitiske hændelser nogensinde med i alt 207 antisemitiske hændelser. 1 Det er en stigning på 71 % fra 2023, hvor AKVAH registrerede 121 antisemitiske hændelser.
Terrorangrebet i Israel d. 7. oktober 2023, den efterfølgende krig i Gaza og den bredere konflikt i Mellemøsten dannede bagtæppe for størstedelen af de antisemitiske hændelser i 2024. I 125 (60 %) af de 207 antisemitiske hændelser var indholdet eller konteksten for hændelserne relateret til Israel, krigen i Gaza eller andre udviklinger og begivenheder i Mellemøsten.
Brandattentatet mod en jødisk kvindes hjem i maj 2024 var en ekstrem og personfarlig antisemitisme af en karakter, som AKVAH ikke har registreret siden terrorangrebet mod synagogen i 2015, hvor den frivillige vagt Dan Uzan
blev dræbt. AKVAH registrerede i 2024 hele 9 tilfælde af vold, overfald og anden fysisk chikane mod jøder, heriblandt et knivoverfald mod en jødisk dreng i Slagelse.
I 5 hændelser i 2024 modtog jødiske borgere konkrete og eksplicitte dødstrusler. I yderligere 20 hændelser blev der opfordret til drab på jøder generelt eller udtrykt ønske om jøders død.
Over halvdelen (63 %) af de antisemitiske hændelser i 2024 var rettet mod personer eller institutioner, der tydeligt kunne identificeres som jøder eller jødiske.
Denne tendens var hyppig både offline (49 % af alle hændelserne offline) og i særdeleshed online (90 % af alle hændelserne online).3 AKVAH vurderer på den baggrund, at personer eller institutioner, der er synligt jødiske i det offentlige eller online rum, er i betydeligt forhøjet risiko for at blive udsat for antisemitiske hændelser.
I 2024 var der en udbredt tendens til, at jødiske borgere, institutioner eller organisationer i Danmark blev holdt kollektivt ansvarlige for Israels handlinger (71 hændelser). Denne tendens forekom både offline (56 % af de 71 tilfælde) og online (44 % af de 71 tilfælde).
Antisemitiske hændelser, der involverede børn og unge, var en udtalt og alvorlig problematik i 2024 (26 hændelser). Ligesom i 2023 var størstedelen af de antisemitiske tilfælde af overfald, trusler, chikane og mobning mod jødiske børn og unge i 2024 relateret til begivenheder i Israel, Gaza eller bredere udviklinger i konflikten i Mellemøsten (17 hændelser).
Referencer til Holocaust, 2. verdenskrig eller Hitler, eller eksplicit nazistisk symbolik, retorik og gestik indgik i 97 (47 %) af de antisemitiske hændelser for 2024. Dette forekom både med eksplicit afsæt i den ekstreme højrefløj, men
optrådte også hyppigt med relation til Israel, krigen i Gaza og begivenheder i Mellemøsten. Det vidner om en udbredt tendens til, at både nazismen som ideologi og Holocaust som historisk begivenhed benyttes som midler til
antisemitisk chikane med afsæt i forskellige ideologier, politiske overbevisninger og samfundsmæssige agendaer.
Antisemitiske hændelser offline udgjorde en større andel (66 %) af de registrerede hændelser i 2024 end i 2023 (47 %). Antallet af onlinebaserede antisemitiske hændelser var højere i 2024 (71) end i 2023 (64).
Antisemitiske konspirationsteorier optrådte i 28 % af de antisemitiske hændelser online.
Abstract: In June 2025, Hadassah UK partnered with the Hadassah Medical Organization in Jerusalem to undertake important mental health research in the community. Developed by leading Israeli trauma experts, a UK-wide survey was presented to the community to understand how British Jews were coping with the psychological and social impact of October 7th, the ongoing conflict, and rising antisemitism.
This research involved 511 participants from diverse backgrounds within the UK Jewish community, representing various denominational affiliations, geographic locations, and demographic characteristics. The completed study provided robust statistical power for examining complex relationships between trauma exposure, psychological symptoms, and protective factors.Our comprehensive statistical analysis reveals critical insights into the psychological impact of exposure to the October 7th events and subsequent antisemitism on the UK Jewish community.
Participants were recruited through multiple channels including synagogues, Jewish community organisations, and social networks to ensure broad representation, as well as help to capture the full spectrum of experiences within the UK Jewish community.
From our study, we can see that the psychological impact of October 7th and subsequent events created significant mental health challenges within the UK Jewish community. A key finding showed that over one-third of participants exhibited clinically significant PTSD symptoms, including intrusive memories of attack imagery, avoidance of trauma reminders, and heightened reactive responses.