Abstract: Der Beitrag untersucht, inwiefern die Betrachtung von institutionellem Antisemitismus und von Antisemitismus in Institutionen hilfreich ist, um aktuelle antisemitische Dynamiken angemessen zu beschreiben. Er liefert konkrete
empirische Befunde dazu, wie Betroffene Antisemitismus in (ausgewählten) Institutionen erleben: Ausgehend von Interviews und zivilgesellschaftlich dokumentierten Vorfällen wird gezeigt, wie wirkmächtig entsprechende
antisemitische Erfahrungen für die Betroffenen sind. Auf der Grundlage des Forschungsstands und einer Begriffsbestimmung, die zwischen institutionellem Antisemitismus und Antisemitismus in Institutionen unterscheidet, wird die Bedeutung von Institutionen für antisemitische Dynamiken herausgestellt; dafür wird das Konzept der Gelegenheitsstrukturen erläutert und genutzt. Schilderungen aus qualitativen Interviews mit Jüdinnen_Juden verdeutlichen und konkretisieren, wie Betroffene Antisemitismus in Institutionen erleben und welche Rolle institutionelle Routinen, Regeln und Normen spielen. Der Beitrag argumentiert, dass der Blick darauf einen wichtigen Beitrag leistet, um gegenwärtigen Antisemitismus zu verstehen.
Abstract: This rapid review has sought to examine how the regulatory system for healthcare professionals, from employment through to national oversight and professional regulatory bodies, supports recognition and reporting of antisemitism and other forms of racism, and tackles racism at every stage and level. In particular, the review has sought to answer 2 principal questions:
How do we make sure in the NHS in England that perpetrators of antisemitism and other forms of racism are held to account with effective action taken to tackle their behaviour?
How do we make sure that patients and staff are protected from racism within the NHS in England and across the UK health and care professional regulation system?
This review proposes that the NHS establishes a clear organisation-wide priority to increase trust and confidence in NHS services among Jewish, and other minority ethnic patients and staff through actively promoting an anti-racist workplace culture and putting in place systems to tackle incidents of all forms of racism thoroughly, fairly and transparently. The NHS must work to embed anti-racism principles at its very core, eliminate racist prejudice and disadvantage, and demonstrate fairness in all aspects of NHS employment and care. That must include efforts to tackle anti-Jewish racism.
The scope of this review considers actions that can be taken to address racism from all quarters, including:
NHS staff
patients and their relatives
members of the public
Building on the existing large body of evidence on the impact of racism in healthcare, and on the extensive experience of Lord Mann, the review undertook:
a period of targeted engagement with relevant stakeholders, including the UK health and care system and professional regulatory bodies
thorough examination of existing mechanisms, guidance, and processes for addressing incidents of racism in the NHS
Abstract: Der Beitrag geht der Frage nach, welches Empathieverständnis sich für eine wirksame Antisemitismusprävention in öffentlichen Institutionen eignet, wenn die Rolle von Emotionen und affektiven Deutungsmustern im Antisemitismus ernst genommen und Empathie als wichtige Ressource professionellen Handelns verstanden wird. Dabei wird die professionelle Haltung von Staatsbediensteten in ihrem rollenspezifischen institutionellen Kontext in den Blick genommen, deren Verständnis im Beitrag auf der Grundlage eines reflexiven Professions- und Haltungsverständnisses entfaltet wird. Auf Basis aktueller empirischer Befunde zu antisemitischen Erfahrungen in Institutionen und zum Phänomen eines zunehmend tolerierten Antisemitismus wird gezeigt, dass kognitives Faktenwissen zwar eine notwendige Grundlage bildet, allein jedoch nicht ausreicht, um Betroffene zu schützen und verantwortliches Handeln im öffentlichen Dienst zu fördern.
Im Zentrum steht ein an Carl Rogers orientiertes Empathieverständnis, das Empathie als Teil einer Haltung konzipiert, die Selbstwahrnehmung, emotional anschlussfähiges Verstehen und kognitive Differenziertheit verbindet, ohne in eine Identifikation mit der anderen Person zu münden. Darauf aufbauend werden die personellen und prozessualen Bedingungen und Wirkfaktoren eines solchen Empathieverständnisses herausgearbeitet. Auf dieser Grundlage wird ein Modell empathisch-selbstreflexiver Professionalität weiterentwickelt und dargelegt, das die Verschränkung von Wissensbeständen, berufsethischen Anforderungen und emotionsreflexiven Lernprozessen beschreibt. Praxisorientierte Zugänge wie Focusing dienen dabei als Beispiel für Herangehensweisen, die emotionale Resonanzen bewusst machen und in Reflexionsprozesse über antisemitismuskritische Fragestellungen integrieren.
Es wird argumentiert, dass eine empathisch-selbstreflexive Professionalität Staatsbedienstete darin unterstützt, Ambivalenzen auszuhalten, für jüdisches Leben und Betroffenenperspektiven zu sensibilisieren und zugleich handlungs- und urteilsfähig zu bleiben. Damit wird ein konzeptioneller Rahmen für antisemitismuskritische Bildungsarbeit im öffentlichen Dienst skizziert, der fachliches Wissen mit einer auf kommunikativer Rationalität beruhenden Haltung verbindet.
Topics: Antisemitism: Definitions, Antisemitism: Christian, Antisemitism: Discourse, Antisemitism: Education against, Antisemitism: Far right, Antisemitism: Institutional, Antisemitism: Israel-Related, Antisemitism: Left-Wing, Antisemitism: Monitoring, Antisemitism: Muslim, Antisemitism: New Antisemitism, Antisemitism: Online, Philosemitism, Main Topic: Antisemitism