Abstract: Die antisemitische Protestmobilisierung hat sich seit dem 7.Oktober 2023 von einer akuten, ereignisbezogenen Gelegenheitsstruktur zu einem festen Bestandteil politischer Mobilisierung in Deutschland entwickelt. In den Jahren 2025 und 2026 bildeten sich dauerhafte Akteursnetzwerke und gefestigte Protestmilieus heraus; hier sind zwar rückläufige Teilnehmendenzahlen, aber auch Radikalisierungstendenzen und eine Verschärfung der antisemitischen Rhetorik zu beobachten.
Langjährig aktive, oft PFLP-nahe oder islamistisch geprägte Strukturen beeinflussen Tonlage, Inhalte und Aktionsformen der Proteste maßgeblich. In denselben Protestkontexten treten die antiimperialistische Linke und zunehmend Teile der Klima-, der feministischen und der antimilitaristischen Szene auf; israelbezogene Mobilisierungen haben sie in ihre politische Praxis integriert.
Die Anschlussfähigkeit antisemitischer und israelfeindlicher Narrative wird maßgeblich durch reichweitenstarke InfluencerInnen und Content-CreatorInnen, die auch ohne formale organisatorische Einbindung erhebliche Deutungsmacht entfalten, befördert. So entstehen flexible digitale Allianzen, in denen etablierte politische Trennlinien an Bedeutung verlieren.
Kennzeichnend ist eine Diskursverschiebung, mit der antisemitische Narrative und Deutungsrahmen an gesellschaftlicher Akzeptanz gewinnen. Dazu zählen die Umdeutung von Gewalt in legitimen Widerstand, die Delegitimierung Israels, das Feindbild Zionismus, die Abwehr historischer Verantwortung sowie Verschwörungsdenken.
Die beschriebenen Dynamiken gehen mit einem messbaren Anstieg antisemitischer Bedrohungen im öffentlichen und digitalen Raum einher: Jüdische Personen und Einrichtungen sind verstärkt Anfeindungen, Gewalt und erhöhten Schutzanforderungen ausgesetzt. Jüdische Perspektiven und Erfahrungen werden delegitimiert oder anhand ihrer Haltung zu Israel hierarchisiert – und gegebenenfalls aus öffentlichen Debatten ausgeschlossen.
Abstract: This report from B’nai B’rith International, democ and the European Union of Jewish Students (EUJS) documents the surge of antisemitism on university campuses across Europe in the aftermath of the October 7, 2023 Hamas terrorist attack in Israel. Since then, Jewish students and faculty have faced harassment, intimidation and violence, creating a climate of fear and exclusion across campuses.
Universities that should safeguard open debate and diversity have instead seen antisemitic rhetoric, Holocaust distortion, glorification of Hamas and calls for “intifada.” Professors, radical student groups, and outside organizations have often fueled this atmosphere, while administrators too often failed to act.
Covering Austria, Belgium, France, Germany, Italy, the Netherlands, Spain, Sweden and the United Kingdom, the report identifies repeated patterns: threats and assaults against Jewish students, antisemitic vandalism, incitement to violence, and weak or inconsistent institutional responses.