Abstract: Jüdische Identität im Spannungsverhältnis zwischen Eigendefinitionen, Antisemitismus und Rassismus.
Welche Hautfarben haben Jüdinnen und Juden - und welche werden ihnen zugeschrieben? Wie verorten sie sich selbst?
Seit Jahrhunderten werden Menschen durch rassistische Weltanschauungen vor allem nach ihrer Hautfarbige bewertet. »Rassentheorien«, Kolonialismus, Antisemitismus und andere Überlegenheitsfantasien schufen eine fundamentale Hierarchie: eine Ordnung der Welt, die auf der Ordnung nach Hautfarben beruht. Die Publikation beleuchtet diese Stereotypisierungen und Ausgrenzungen, die Jews of Color welt-weit - insbesondere in Europa, den USA und Israel - erfahren.
Heutige Diskurse verstehen Hautfarbige als historische und soziale Konstruktion und weniger als biologische Kategorie. Gerade die jüngste Eskalation des Nahost-Konflikts führte zur Verfestigung des Stereotyps von Juden als Weiße Kolonialherren, die eine »nicht-Weiße«, indigene Bevölkerung unterdrücken. Dafür wird ausgeblendet, dass Jüdinnen und Juden - nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass ihre Geschichte von Migration, Vertreibung, und allen voran von der Schoa geprägt ist - auf allen Kontinenten präsent waren und sind.
Sind Jüdinnen und Juden nun aber Weiß, »nicht-Weiß« oder Schwarz? Die verschiedenen Antworten und ihre weitreichenden Folgen bekräftigen die Aktualität und Dringlichkeit dieser Publikation.
Abstract: Since the Hamas massacre on October 7, 2023, German-speaking universities are no longer a safe haven for Jewish life. Those affected describe how the normality of yesteryear has been destroyed.
On October 7, 2023, a new era began for Jewish people. Even beyond the media-visible cases and hateful demonstrations on the streets, high-profile occupations and calls for boycotts at universities, the atmosphere at many universities changed permanently.
What did this development do to Jewish people working at these universities? To what extent were their professional self-image, their position in the academic space and their reality of life influenced? What strategies did they develop in dealing with hostility and institutional uncertainty?
In over sixty personal testimonies from members of the network of Jewish university lecturers in Germany, Austria and Switzerland, as well as their support group, those affected paint a striking picture of rejection, exclusion and loneliness in the world they once considered their spiritual home. At the same time, the band documents the ability of those involved to act under difficult conditions. The book thus offers a disturbing and insightful look at the precarious situation of Jewish university members behind the charged discourses of our time.
Abstract: Eine Vielzahl von Institutionen und Initiativen in Deutschland, Österreich und der Schweiz sammelt, erforscht und vermittelt jüdische Geschichte und Kultur. Dazu gehören Museen, Bibliotheken und Archive, Gedenkstätten, Vereine, Kommissionen, Universitätsinstitute und private Initiativen; es gibt Projekte zur Erforschung jüdischer Friedhöfe ebenso wie genealogische Gesellschaften. Sie sind lokal, regional sowie überregional tätig und werden durch staatliche Förderung oder privates Engagement getragen.
Das Buch bietet erstmals eine aktuelle Bestandsaufnahme dieser Institutionen und Initiativen, die mitunter auf eine lange Tradition zurückblicken können, insbesondere in den letzten drei Jahrzehnten aber an Zahl zugenommen und Bedeutung gewonnen haben. In diesem übersichtlichen Nachschlagewerk beschreiben die einzelnen Institutionen ihre Entstehung, Entwicklung und Aufgaben. Genaue Angaben zu den Archiv- und Sammlungsbeständen ermöglichen Interessierten einen Zugang zu schriftlichen, bildlichen und materiellen Überlieferungen zur jüdischen Geschichte und Kultur im deutschsprachigen Raum.
Topics: Antisemitism: Definitions, Antisemitism: Christian, Antisemitism: Discourse and Tropes, Antisemitism: Education against, Antisemitism: Right-Wing, Antisemitism: Institutional, Antisemitism: Israel-Related, Antisemitism: Left-Wing, Antisemitism: Incident Monitoring, Antisemitism: Muslim, Antisemitism: New Antisemitism, Antisemitism: Online, Philosemitism, Main Topic: Antisemitism
Abstract: Über den gesellschaftlichen Umgang mit Minderheiten in Deutschland - aus historischer ebenso wie aus zeitgenössisch-aktueller Perspektive.
Internationale Wissenschaftler analysieren die Präsenz von Juden und Muslimen in Deutschland und erarbeiten die Parallelen und Unterschiede der beiden Minderheiten in der Vergangenheit und Gegenwart. Erstmals werden sowohl juristische wie auch politische und kulturelle Dimensionen dieses Fragenkomplexes gemeinsam analysiert. Dabei gerät das Verhältnis von Mehrheit und Minderheit und ihrem jeweiligen Selbstverständnis - nicht nur in Deutschland, sondern im modernen Nationalstaat mit der für ihn charakteristischen Spannung zwischen Partikularismus und Universalismus überhaupt - in den Blick.
Inhaltsverzeichnis
José Brunner und Shai Lavi
Editorial
Am Eingang zur Moderne
S. N. Eisenstadt, Jerusalem
Minorities, the Formation and Transformation of Nation-States, and Intercivilizational Relations - Jewish and Christian Minorities in Germany
Shulamit Volkov, Tel Aviv
Jewish Emancipation, Liberalism and the Challenge of Pluralism in Modern Germany
Elimelech (Melech) Westreich, Tel Aviv: The Response of Jewish Law to Modern Science and State Laws in German-Speaking Countries in the Nineteenth Century
Yossef Schwartz, Tel Aviv: On Two Sides of the Judeo-Christian Anti-Muslim Front - Franz Rosenzweig and Muhammad Asad
Islam in Deutschland vor 1945
Aischa Ahmed, Berlin
»Die Sichtbarkeit ist eine Falle« - Arabische Präsenzen, Völkerschauen und die Frage der gesellschaftlich Anderen in Deutschland (1896/1927)
David Motadel, Cambridge
Islamische Bürgerlichkeit - Das soziokulturelle Milieu der muslimischen Minderheit in Berlin 1918-1939
Ursula Wokoeck, Jerusalem/Beer-Sheva
Wie lässt sich die Geschichte der Muslime in Deutschland vor 1945 erzählen?
Geregelte Freiheiten
Nikola Tietze, Hamburg
Polyphonie der Religionssemantiken - Muslimische Religionspraxis in bundesdeutscher Rechtsprechung sowie Staats- und Verwaltungspolitik
Shai Lavi, Tel Aviv
Unequal Rites - Jews, Muslims and the History of Ritual Slaughter in Germany
Schirin Amir-Moazami, Frankfurt/Oder
Islam und Geschlecht unter liberal-säkularer Regierungsführung - Die Deutsche Islam Konferenz
Imaginäre Identitäten und deutsche Realitäten
Gilad Margalit, Haifa
On Being Other in Post-Holocaust Germany - German-Turkish Intellectuals and the German Past
Karen Körber, Marburg
Puschkin oder Thora? Der Wandel der jüdischen Gemeinden in Deutschland
Uriya Shavit, Tel Aviv
»Sheikh Google« - The Role of Advanced Media Technologies in Constructing the Identity of Muslim-Arab Germans
Rezensionen
Zvi Tauber, Tel Aviv
Jakob Hessing, Der Traum und der Tod. Über das Werk Heinrich Heines, übersetzt von Katja Manor, Bnei-Brak 2008
Yfaat Weiss, Jerusalem
David Bankier, Hitler, die Schoah und die deutsche Gesellschaft. Mittäterschaft und Mitwissen, Jerusalem 2007
Dan Tamir, Zürich
Gilad Margalit, Guilt, Suffering and Memory: Germany Remembers Its Dead of the Second World War, Haifa 2007
Moshe Zuckermann, Tel Aviv
Hanna Yablonka, Abseits der Gleise. Die Misrachim und die Schoah, Tel Aviv 2008
Dissertationen
Tamar Gazit: Life under Nazi Rule
The Jewish Community of Breslau, 1933-1941, Based on Documents and the Diaries of Dr. Willy Cohn
Sharon Livne
Education and Reeducation: Victim and Perpetrator in Youth and Children’s Newspapers in Postwar Germany (1945-1952)
Abstract: Juden in Deutschland befinden sich heute an einem Wendepunkt: Die Überlebenden des Holocaust sterben und mit ihnen die authentische Erinnerung. Heute sind es die Kinder der russischsprachigen Einwanderer, die zahlreich nach Deutschland gekommen sind und hier mit großem Elan eine neue diasporische Kultur erschaffen. Auch das Umfeld jüdischen Lebens in Deutschland hat sich geändert. Durch die Einwanderung zahlreicher Türken und anderer Muslime sind Juden nicht mehr die einzige Minorität. Namhafte Autoren zeichnen ein differenziertes Bild von der deutschjüdischen Wirklichkeit im 21. Jahrhundert. Religiöse und Säkulare kommen zu Wort, Repräsentanten des deutschen Vorkriegsjudentums, nichtjüdische Deutsche und Beobachter aus Israel, Israel-Kritiker und Loyalisten. Vor diesem Hintergrund wird deutlich, was in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wird: dass die jüdische Gemeinschaft schon lange nicht mehr monolithisch, keineswegs politisch, kulturell und religiös homogen ist. Mit Beiträgen u.a. von: Maxim Biller, Michael Brenner, Esther Dischereit, Salomon Korn, Hazel Rosenstrauch, Julius Schoeps, Tom Segev, Moshe Zuckermann