Abstract: Der Bundesverband der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus e. V. (Bundesverband RIAS) ist der Dachverband zivilgesellschaftlicher Meldestellen für antisemitische Vorfälle in Deutschland. Er verfolgt das Ziel, bundesweit eine einheitliche zivilgesellschaftliche Dokumentation antisemitischer Vorfälle ober- und unterhalb der Strafbarkeitsgrenze zu gewährleisten, die in jährlichen Berichten systematisch ausgewertet und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Neben den Meldungen von Betroffenen und Zeug*innen, dem Versammlungs- und Pressemonitoring sind auch polizeilich erfasste Straftaten Teil der Datengrundlagen, wenn diese zugänglich gemacht werden. In den vergangenen Jahren gab es allerdings keinen flächendeckenden systematischen Abgleich mit den polizeilichen Statistiken zu antisemitischen Straftaten. Der Kriminalpolizeiliche Meldedienst Politisch Motivierte Kriminalität (KPMD-PMK), in den neben den klassischen Staatsschutzdelikten auch Hasskriminalität beziehungsweise antisemitische Straftaten eingehen, ist seit Beginn Gegenstand der Arbeit des Bundesverbandes RIAS, etwa in den vom Bundesverband RIAS durchgeführten Problembeschreibungen zu Antisemitismus in mehreren Bundesländern (vgl. RIAS-BK 2018; Bundesverband RIAS, 2019, 2020, 2021a, 2021b, 2022; SABRA 2020). Das durch das BMI geförderte Projekt Austausch von Polizei und Zivilgesellschaft zu Antisemitismus (APZAS) wurde ins Leben gerufen, um einerseits den Austausch zwischen regionalen Antisemitismus-Meldestellen und den Polizeistellen zu initiieren und zu begleiten sowie andererseits die Erfassungspraxis in den föderal arbeitenden Landeskriminalämtern aus zivilgesellschaftlicher Perspektive zu untersuchen und dabei insbesondere den zugrunde liegenden antisemitismusbegriff nachzuvollziehen. Dafür wurden 2023 zwölf leitfadengestützte Interviews mit Expert*innen (vgl. Helfferich, 2019) aus den Bereichen Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Justiz, der polizeilichen Hochschullehre sowie Vertreter*innen unterschiedlicher Landeskriminalämter geführt. Die Interviews wurden im Anschluss inhaltsanalytisch ausgewertet (vgl. Kuckartz, 2012; Schreier, 2012). Ausgewählte Ergebnisse werden in diesem Beitrag diskutiert. Bevor wir uns der Kritik der Extremismus-Konzeption widmen, werden zunächst das Antisemitismusverständnis des KPMD-PMK sowie Perspektiven von Betroffenen untersucht.
Abstract: Die deutsche Gesellschaft steht angesichts globaler und regionaler Entwicklungen der letzten Jahrzehnte vor vielfältigen gesellschaftspolitischen Herausforderungen. Verschärfte Konflikte, Rassismus, Diskriminierung sowie die Verbreitung von Falschinformationen und Verschwörungsmythen prägen das gesellschaftliche Klima. Rassistische,
antisemitische, rechtsextreme und autoritäre Einstellungen sind tief in Teilen der Gesellschaft verwurzelt und manifestieren sich zunehmend sichtbarer und gewaltbereiter (Decker et al., 2022; Zick et al., 2023; Institut
für angewandte Familien-, Kindheits- und Jugendforschung e. V., 2023a; 2023b). Die Erkenntnisse dieser Studien verdeutlichen die Dringlichkeit, die Verbreitung extremistischer Einstellungen, insbesondere unter jungen
Menschen, genauer zu erforschen. In diesem Beitrag werden die Ergebnisse einer bundesweiten OnlineBefragung zu antisemitischen Einstellungen junger Menschen in Deutschland zwischen 16 und 27 Jahren vorgestellt. Die Befragung wurde in drei Phasen durchgeführt: In der ersten Phase wurden antisemitische (n = 1 593, Erhebungszeitraum: November 2022), in der zweiten Phase antimuslimische (n = 1 625, Erhebungszeitraum: September 2023) und in der
dritten Phase rechtsextreme Einstellungen (n = 1 313, Erhebungszeitraum: Dezember 2023) junger Menschen erforscht. Bei der Ziehung der Stichprobe wurde auf das Online-Access-Panel GapFish zurückgegriffen. Die
ausgewählten Ergebnisse in diesem Beitrag beziehen sich auf die erste und dritte Phase (antisemitische und rechtsextreme Einstellungen junger Menschen in Deutschland)
Abstract: Angesichts globaler und regionaler Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte steht die Gesellschaft vor erheblichen Herausforderungen wie politischer Instabilität, verschärften Konflikten, Migration, Rassismus, Diskriminierung sowie der Verbreitung von Fake News und Verschwörungserzählungen. Dabei gewinnen Extremismus, Antisemitismus, islamistische Radikalisierung und Rassismus an Bedeutung. In der Phase intensiver Persönlichkeitsentwicklung sind junge Menschen, geprägt von Unsicherheit, besonders anfällig für extremistische Überzeugungen und Handlungen. Der Drang, die eigene Identität zu formen, kombiniert mit der Suche nach einem Sinn im Leben, macht sie besonders empfänglich für Einflüsse aus ihrer sozialen Umgebung. Fehlender Zugang zu staatlichen, zivilgesellschaftlichen und familiären Unterstützungsmaßnahmen erhöht das Risiko einer Radikalisierungsspirale. Diese wird durch die Verbreitung radikaler Versprechungen über Soziale Medien und gezielte Rekrutierung in der sozialen Umgebung begünstigt. Insbesondere die Bedürfnisse und Emotionen junger Menschen werden dabei zum Ziel extremistischer Propaganda. Die Ergebnisse der Studie „IU-Kompass Extremismus“ zu antisemitischen Einstellungen bei jungen Menschen in Deutschland verdeutlichen weitverbreitete Ausprägungen dieses Phänomens. Es gilt, das Bewusstsein für menschenverachtende Ideologien zu schärfen und Jugendliche mit den nötigen Werkzeugen auszustatten, um diese Phänomene zu erkennen, zu benennen und aktiv dagegen vorzugehen.
Abstract: With the breakdown of the Soviet Union, and with Mikhail Gorbachev’s politics of glasnost and perestroika, suppressed religious and national movements emerged as visible elements of political conflict in what once constituted the Union of Soviet Socialist Republics (USSR). While in the former USSR this concerned the huge former “Turkestan” region with its religious roots in Islam, and the Orthodox denominations of Russia and the Ukraine, the post-USSR Eastern European satellite states saw an eruption of both nationalism and/or suppressed Catholicism. Mark Juergensmeyer (2008: 152) describes how in Russia, the Ukraine, and Poland “religion became the expression of a nationalist rejection of the secular socialist ideology.” Partly, the free expression of religion was a component of what could be termed a democratic “eruption,” and at the same time it created strong links to “nationalist and transnationalist identities of a bygone era” (Juergensmeyer 2008: 156). The role of right-wing extremism, xenophobia, and anti-Semitism ought to be assessed in the context of the transformation of the post-Stalinist political cultures of Eastern Europe and Russia. As much as religion and its institutions were indispensable for the opposition to the Stalinist state, they helped to recreate the old nationalisms of the 19th century (and earlier) of which anti-Semitism was often an integral component. Religious zeal combined with nationalistic patriotism contains ideologies of purity for which “others,” be they ethnic minorities or Jews, were the paramount danger and source of a feared “racial pollution” (cf. Douglas 1966/2007). In the early 1990s, after German re-unification, similar developments could be observed in parts of the former German Democratic Republic. Minkenberg (2002) sees the rehabilitation of the nation state (National-staat) in Eastern Europe in line with the spread of nationalistic rhetoric and the concept of a national ethnic identity. In the context of economic, and partly also cultural crisis, minorities are used as a scapegoat for the problems at hand. Combined with a rejection of internationalism, diversity, and European Union (EU) integration, such resentments seem like “natural” consequences of newly formed national identities (Thieme 2007a, 2007b). In the findings of the European Social Survey (2006), Polish, Hungarian, and Ukrainian populations frequently show more sympathy for conservative (right-wing) politics, gender inequality, and homophobia than Western European societies.
Topics: Antisemitism: Muslim, Antisemitism: Left-Wing, Anti-Zionism, Antisemitism, Antisemitism: Incident Monitoring, Islamic Fundamentalism / Islamism, Israel Criticism, Israeli-Palestinian Conflict, Main Topic: Antisemitism, Hate Crime, Extremism
Abstract: Terrorism against Jewish communities and Israeli targets abroad represents the most violent aspect of contemporary antisemitism, and the greatest physical danger to Diaspora Jewish communities. Antisemitic conspiracy theory, extremist ideology and irrational hatred combine with the rational calculations of political violence to threaten the lives of ordinary Jews and others all over the world. This ongoing terrorist threat to Jews demonstrates in the starkest terms why Jewish communities require security at their synagogues, schools and community buildings, and that an attack on a Diaspora Jewish community is also an attack on the state and its capacity to protect its citizens.
Terrorist Incidents Against Jewish Communities and Israelis Abroad catalogues 427 terrorist attacks and
plots, including those which were foiled by police or aborted by the plotters, which targeted Jews or Israelis outside
Israel between 1968 and 2010. It includes attacks and plots by neo-Nazis, Marxist-Leninists, anarchists, Palestinian
and other Arab nationalists, revolutionary Iran and its surrogates and radical Sunni Islamists. The first edition of this book, which was published in 2003 by CST and the Institute for Counter-Terrorism in Herzliya, Israel, was the first time that this history of post-1967 anti-Jewish terrorism had been comprehensively collated. This
edition includes an updated chronology of attacks, an expanded analysis and new statistical tables.
Abstract: Elections were held in 181 local authorities
in England, Scotland and Wales on 3 May 2012, for
the London Assembly and for the mayoralties of
London, Liverpool and Salford. Ten other cities held
a referendum to decide whether to adopt the
system of an elected mayor, while one, Doncaster,
voted on whether to abolish theirs.
The British National Party (BNP) stood 137
candidates in the local elections, as well as standing
for the mayors of London, Salford and Liverpool,
and for the party list section of the London
Assembly. This compares poorly with the 323 BNP
candidates who stood in the local elections in 2011,
and with the 611 BNP candidates who stood the last
time these seats were up for election, in 2008. This
fall in candidate numbers continued the BNP’s
gradual decline in membership numbers, financial
resources and popular support over the past three
years.
Partly as a result of the BNP’s problems, this
election saw an increased presence from other
far right parties. The National Front (NF) stood
38 candidates, more than it has managed
to muster for several years, and stood for mayor
of Liverpool and the party list section of the London
Assembly. Other, tiny far right groups, such as the
British Freedom Party and the Democratic
Nationalists, stood candidates in single figures.
The English Democrats (ED), although not itself
a far right party, has absorbed large numbers
of former BNP members in recent years without
requiring any of them to publicly renounce their
views. In this election the ED stood 87 candidates
in the local elections, well over a third of whom
were former BNP activists, candidates or councillors.
It also stood for the mayor of Liverpool and for the
party list section of the London Assembly.
The elections took place against the backdrop
of recession and public service cuts, which might
be expected to benefit extremist parties. The
question of candidates’ attitudes to the Jewish
community became a significant theme in the
London mayoral election, particularly regarding
statements allegedly made by the Labour
candidate, Ken Livingstone