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Antisemitische Diskurse in deutschen Tweets vor dem 7. Oktober 2023. Eine Analyse von Online-Kommunikationen über ‚Juden‘ und ‚Israel‘ von 2019 bis 2022 auf Twitter

Translated Title

Antisemitic Discourse in German-Language Tweets Prior to October 7, 2023. An Analysis of Online Communications about ‘Juden’ (Jews) and ‘Israel’ on Twitter from 2019 to 2022

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Wir untersuchen Manifestationen von Online-Antisemitismus im deutschen Sprachraum anhand von Tweets über Jüdinnen, Juden und Israel aus den Jahren 2019–2022. Die manuell annotierten Zufallsstichproben von insgesamt mehr als 8000 Tweets geben Aufschluss darüber, wie in sozialen Medien im deutschen Sprachraum vor dem 7. Oktober 2023 über jüdisches Leben und Israel gesprochen wurde.

Auch wenn nur ein kleiner Teil der Kommentare, mit 312 Nachrichten etwa vier Prozent, antisemitisch laut der IHRA-Definition von Antisemitismus waren, zeigen sie eine große Bandbreite an Formen von Antisemitismus auf. So wird sichtbar, dass viele der nach dem 7. Oktober 2023 gemachten Anschuldigungen gegen Israel auch schon vorher vorhanden waren.

Aber auch die als nicht antisemitisch gelabelten Posts bilden viele unterschiedliche Aspekte und Perspektiven ab, mit denen in Deutschland über jüdisches Leben und Antisemitismus gesprochen wird. Ein Thema war die Shoah. Dabei wurden zum Teil fragwürdige Vergleiche gezogen, etwa zwischen der Verfolgung von Jüdinnen und Juden während des Nationalsozialismus und zeitgenössischen Themen. Beispiele dafür sind die öffentliche Kritik an Personen, die sich gegen Maßnahmen zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie stellen, das Diskriminierungsempfinden von Muslim_innen oder AfD-Sympathisant_innen sowie das Leid der Palästinenser_innen. Ein weiters Thema war Antisemitismus und die Verurteilung dessen, meist allgemein, gelegentlich aber auch konkret in Bezug auf eine bestimmte Äußerung oder Handlung. Eine zentrale Erkenntnis der Untersuchung ist, dass sich die meisten Online-Diskurse, in denen die Begriffe „Juden“ oder „Israel“ verwendet wurden, in irgendeiner Form mit Antisemitismus in Vergangenheit oder Gegenwart befassten – der Alltag von Jüdinnen, Juden und Israelis spielte dagegen eine untergeordnete Rolle.

Translated Abstract

We analyze manifestations of online antisemitism in German-language Twitter discourse on Jews and Israel between 2019 and 2022. Manually annotated random samples of more than 8000 tweets provide insights into how Jewish life and Israel were discussed on social media in German-speaking contexts prior to October 7, 2023.

Although only a small proportion of the comments—312 messages, or approximately four percent—were classified as antisemitic according to the IHRA definition of antisemitism, they reveal a wide range of forms of antisemitism. This indicates that many of the accusations directed at Israel after October 7, 2023 were already present beforehand.

However, posts labeled as non-antisemitic also reflect a wide range of aspects and perspectives through which Jewish life and antisemitism are discussed in Germany. One topic was the Shoah, which in some cases involved questionable comparisons, for example between the persecution of Jews under National Socialism and contemporary issues. Examples include public criticism of individuals opposing measures to contain the COVID-19 pandemic, perceived discrimination among Muslims or AfD sympathizers, as well as the suffering of Palestinians. Another topic was antisemitism itself and its condemnation, mostly in general terms, but occasionally in reference to a specific statement or action. A key finding of the study is that most online discourses using the terms “Juden” (“Jews”) or “Israel” engaged in some way with antisemitism in the past or present, while the everyday lives of Jews and Israelis played a subordinate role.

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Soemer, Katharina, Miehling, Daniel, Jikeli, Günther Antisemitische Diskurse in deutschen Tweets vor dem 7. Oktober 2023. Eine Analyse von Online-Kommunikationen über ‚Juden‘ und ‚Israel‘ von 2019 bis 2022 auf Twitter. Zeitschrift für Religion, Gesellschaft und Politik. 2026:  https://archive.jpr.org.uk/10.1007/s41682-026-00248-8