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Author(s): Wetzel, Juliane
Date: 2010
Abstract: Antisemitische Stereotype sind heute in allen politischen und gesellschaftlichen Kreisen virulent, sie sind in hohem Maße integrativer Bestandteil rechtsextremer Ideologie, finden sich im globalisierungskritischen und im linken Umfeld und sind auch in der Mitte der Gesellschaft längst kein Tabu mehr. Seit Beginn der Zweiten Intifada im Herbst 2000, als sich erneut zeigte, welchen Mobilisierungseffekt die Radikalisierung des Nahostkonflikts auf antisemitische Einstellungen und Aktionen hat, zeigt sich, dass antisemitische Stereotype und Propaganda in verschiedenen europäischen Ländern auch unter Migranten und deren Nachkommen virulent sind, die aus der arabischen Welt, aus Nordafrika oder der Türkei stammen. Wobei diese antisemitischen Vorurteilsstrukturen kaum Anknüpfungspunkte an etwaige Traditionen im Islam aufweisen, sondern vielmehr Ergebnis einer von europäischen Vordenkern des Antisemitismus in die muslimische Welt getragenen Topoi sind, die dort inzwischen einen zentralen Stellenwert einnehmen und sich insbesondere in einer antizionistischen Variante gegen Israel, aber ebenso gegen Juden überhaupt richten (vgl. zum Antisemitismus in der arabischen Welt Tibi 2003). Entgegen verbreiteter Vorstellungen – nach denen Araber als Semiten keine antisemitischen Vorurteile hegen könnten – schließt der Begriff „Antisemitismus“ auch Judenfeindschaft von Arabern ein. Der Begriff Antisemitismus, der gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstand, meint ausschließlich die Feindschaft gegen Juden und ist ein Konstrukt der Agitatoren seiner Entstehungszeit.