Abstract: Keine sechs Jahre nach dem Ende des Holocaust schrieb Theodor W. Adorno, einer der bekanntesten Vertreter der Kritischen Theorie, in seiner Schrift Minima Moralia: „Der Antisemitismus ist das Gerücht über die Juden.“ Der Philosoph und Soziologe wollte mit dieser schlichten Definition das formulieren, was kennzeichnend für den
Antisemitismus ist und sich häufig hinter der Verbreitung von Verschwörungsideologien verbirgt: Das Konstruieren einer homogenen Gruppe, der pauschal negative Eigenschaften zugeschrieben werden. Das Wort „Gerücht“ drückt zugleich etwas „Heimliches“ aus, etwas, das im Verborgenen passiert. Ein Geheimnis also, von dem nicht alle
Menschen wissen sollen oder dürfen. Sogenannte Verschwörungsmythen kommen selten ohne Antisemitismus aus – und umgekehrt. Das zeigen nicht zuletzt aktuelle verschwörungs- ideologische Diskurse um SARS-CoV-2. Wie das
Virus, so breiten sich weltweit in ebenso rasanter Geschwindigkeit Geschichten um dessen Herkunft und Ursprung aus. Das „Gerücht“, nach dem die Krankheit von einer geheimen Macht erfunden worden oder harmlos sei, glauben in den USA viele Menschen bis hin zum amtierenden Präsidenten Donald Trump, und sie haben inzwischen auch in Deutschland Hochkonjunktur. Insbesondere die extreme Rechte versucht, sich diesen Verschwörungsmythos zunutze zu machen. So entwickelte sich von den Vereinigten Staaten ausgehend ein neues Phänomen, das zum Synonym für viele Verschwörungsideologien wurde. Das Schlagwort hinter diesem Phänomen lautet:
QAnon.
Abstract: Postkoloniale und poststrukturalistische antirassistische Theorieansätze gewinnen weltweit einen immer größeren Einfluss an Universitäten, im Politik- und Kulturbetrieb sowie in sozialen Bewegungen. Das Bild, das prominente Vertreterinnen und Vertreter dieser Ansätze dabei von Antisemitismus und Holocaust einerseits, Judentum und Zionismus andererseits zeichnen, weist systematische Verzerrungen und Fehler auf: Unterschiedliche Formen und Radikalitätsgrade der begrifflichen Entspezifizierung oder Verharmlosung von Antisemitismus, der Relativierung der Shoah sowie der Dämonisierung Israels und des Zionismus sind dabei festzustellen. Die folgende Bibliographie bietet einen ersten Überblick über Kritiken an postkolonialen, bzw. postmodern-antirassistischen Deutungen von Antisemitismus, Shoah, Zionismus und Israel. Nicht alle der dabei aufgelisteten Texte sind grundlegende Kritiken an solchen Ansätzen. Manche kritisieren lediglich spezielle, aber signifikante Punkte der postkolonialen und antirassistischen Deutung der oben genannten Themen. Eine Liste mit ausgewählten kritischen Beiträgen zur 2020 begonnenen deutschen Feuilleton-Debatte über postkoloniale Theoretiker wie Achille Mbembe, Michael Rothberg oder Dirk Moses wurde ebenso angefügt wie einige Literaturhinweise zu Kritiken an der Israel-Boykottkampagne BDS, dem prominentesten politischen Bewegungskontext postkolonialer und antirassistisch artikulierter Angriffe auf den jüdischen Staat. Berücksichtigung fanden in Gestalt einer separaten Liste auch Kritiken an der sog. Jerusalem Declaration on Antisemitism, weil diese als wesentlicher Versuch gewertet werden kann, ‚subalterne‘ oder ‚postkoloniale‘ Formen von israelbezogenem Antisemitismus zu verharmlosen.