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Author(s): Kasstan, Ben
Date: 2016
Abstract: Using an integrated archival and ethnographic approach, this study investigates how the growing Haredi Jewish minority and the UK government negotiate their positions in the context of healthcare services in Manchester as one of the few sites where they directly engage. Low-level uptake of certain maternal and infant health interventions has led to claims that Haredi Jews are ‘hard to reach’ or a ‘non-compliant community.’ This thesis critically engages the above outlook by exploring how responses to healthcare services should be framed.
Rather than evading the NHS altogether, as the ‘hard to reach’ label implies, Haredi Jews in Manchester selectively negotiate healthcare services in order to avoid a cosmological conflict with the halachic custodianship of Jewish bodies. Maternal and infant care is situated as a particularly sensitive area of minority-state relations in which competing constructions of bodily protection are at play. Whilst maternal and infant care has historically formed part of the state’s strategy to govern the population, it is increasingly being seized as a point of intervention by Haredi rabbis, doulas, and parents when attempting to reproduce the Haredi social body.
Following Roberto Esposito’s (2015 [2002]) theoretical elaboration of ‘immunitas’ the present work depicts the margins as giving rise to antonymic conceptions of ‘immunity’ as a means of protecting collective life. Interventions that the state regard as protecting the health of the nation can, in turn, be viewed as a threat to the life of the Jewish social body. Immunity at the margins can be characterised by an antonymic fault of both the Haredim and the state to understand each other’s expectations of health and bodily care. The margins of the state illustrate how responses to healthcare interventions can be entangled within a struggle of integration, insulation, and assimilation for minority groups in ways that are contiguous over time.
Author(s): Schaum, Ina
Date: 2018
Abstract: Im Zentrum des Dissertationsprojektes steht die empirisch verankerte Erarbeitung einer intersektionellen, feministischen Theorie von Liebe und Liebesbeziehungen als Orte des Doing Gender in Verschränkung mit Doing Being Jewish (Jüdischsein) bzw. mit Doing Being German (Deutschsein). Was Jüdischsein und Deutschsein bedeutet und wie es konzeptualisiert werden kann, soll durch die Erhebung narrativer Interview empirisch rekonstruiert werden.

Die Dissertation hat zwei Ausgangspunkte. Der erste ist, sich Liebe als eigenständigem Forschungsgegenstand feministischer Analyse zuzuwenden. In Liebesbeziehungen – als verkörperlichte Erfahrungen von Liebe und Begehren, Macht und Dominanz – werden Geschlechterverhältnisse und andere Ungleichverhältnisse und damit zusammenhängend vergeschlechtlichte Arbeitsteilungen von care work und emotional work (re)produziert, verändert, aufgehoben oder legitimiert. Der zweite Ausgangspunkt ist die Feststellung von Kurt Grünberg in seiner Studie „Liebe nach Auschwitz“ (2000), dass Liebesbeziehungen den wohl intimsten Kontakt zwischen Nachkommen von Überlebenden der Shoah und Nachkommen von Täter*innen, Mitläufer*innen und Nazi-Sympathisant*innen im Land der Täter*innen und Opfer bilden. Vor dem Hintergrund der Shoah und der Nürnberger Gesetze von 1935, welche das sogenannte „Blutschutzgesetz“ und das Verbot von Eheschließungen und Geschlechtsverkehr zwischen Juden/Jüdinnen* und Nicht-Juden/Jüdinnen* umfassten, ist zu fragen, welche Gefühlserbschaften und Erinnerungen (active memory) an die Folgegenerationen weitergegeben werden und wie intime Beziehungen und Liebesbeziehungen davon (nicht) beeinflusst werden. Die beiden Ausgangspunkte sollen miteinander verknüpft werden, um eine kritische, intersektionelle feministische Analyseperspektive in Bezug auf Liebesbeziehungen als auch auf die komplexen Differenz- und Identitätskonstruktionen von Jüdischsein und Deutschsein einzunehmen.

Außerdem sollen forschungsethische Überlegungen in Hinblick auf Theoriebildungsprozesse, Methodenentwicklung und Ergebnisdarstellung im Kontext der „negativen deutsch-jüdischen Symbiose“ (Diner 1986) einerseits und einer feministischen Epistemologie des „situierten Wissens“ (Haraway 1988) andererseits entwickelt werden, da die individuelle, familiäre und soziale Verstrickung mit dem Nationalsozialismus keine Position der Unbeteiligtheit zulässt und eine reflektierte und selbstkritische Positionierung von mir als Forscherin verlangt.