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Date: 2019
Abstract: Antisemitismus in der Schule ist ein öffentliches Thema, dem sich manche schulische Akteure entziehen möchten. Wenn man sich des Themas nur anlassbezogen und sporadisch, beispielswiese in einer Projektwoche, annimmt, kann man Diskussionen über die Frage vermeiden, ob einzelne Kolleg(inn)en im eigenen Lehrkörper Antisemit(inn)en sind, ob es Schüler/-innen gibt, bei denen Antisemitismus ein manifestes Problem darstellt, das nicht mehr pädagogisch gelöst werden kann oder auch, ob Lehrpläne und Unterrichtsmaterialien überhaupt den Ansprüchen genügen, um mittel- und langfristig eine Minimierung von Antisemitismus herbeizuführen.

Das vorliegende wissenschaftliche Gutachten will das Feld „Antisemitismus in der Schule“ systematisch erfassen und aufzeigen, an welchen Stellen welche Erkenntnisse der Forschungen über Antisemitismus und politische Bildung umgesetzt werden müssten, wollte man etwas am Antisemitismus in der Schule ändern. Denn es ist naheliegend, dass die Gründe für die unzureichende Handlungsbereitschaft mancher beteiligter Akteure nicht in erster Linie in Unwissenheit liegt, sondern neben weltanschaulichen Gründen auch materielle und finanzielle eine Rolle spielen.

Das Gutachten wird Erkenntnisse der Forschung systematisch darstellen, offene Fragen benennen und am Ende konkrete Handlungsempfehlungen formulieren - viele davon sind Samuel Salzborn/Alexandra Kurth: Antisemitismus in der Schule 5evident und offensichtlich, ob man sie umsetzen will und wird, hängt von der politischen Prioritätensetzung und damit auch von der Frage ab, ob Antisemitismus als zentrales Problemfeld von und für Schulen erkannt wird oder ob man sich weiterhin auf eine punktuelle, von Prinzipien der Aufmerksamkeitsökonomie geprägte Feuerwehrpolitik orientieren möchte, die von den zahlreichen Herausforderungen kaum eine löst, wenngleich die meisten von ihnen - so die vorweggenommene Grundeinschätzung dieses Gutachtens - durchaus gelöst werden könnten
Author(s): Radvan, Heike
Date: 2010
Author(s): Bernstein, Julia
Date: 2018
Abstract: „Antisemitismus ist an deutschen Schulen Normalität.“ Zu diesem Ergebnis kommt die im Dezember 2018 veröffentlichte Studie „‚Mach mal keine Judenaktion!‘ Herausforderungen und Lösungsansätze in der professionellen Bildungs- und Sozialarbeit gegen Antisemitismus“ von Prof. Dr. Julia Bernstein unter Mitarbeit von Florian Diddens, Ricarda Theiss und Nathalie Friedlender.

Für die Studie wurden 227 Interviews an 171 Schulen mit jüdischen Schülerinnen und Schülern, deren Eltern, mit jüdischen und nichtjüdischen Lehrkräften sowie mit Fachleuten aus der Sozialarbeit und aus Bildungsorganisationen durchgeführt. Die Befunde von Prof. Dr. Bernstein zeigen, dass antisemitische Äußerungen und Handlungen an Schulen normal sind und häufig nicht erkannt werden. Jüdische Kinder und Jugendliche erleben subtile Anmerkungen, diffuse Ablehnung, offenen Hass und Gewalt. Die offene Selbstpräsentation als Jüdin_Jude in der Schule wird aufgrund der Gefahr von antisemitischen Angriffen weitgehend vermieden. Die Perspektive der jüdischen Lehrer_innen zeigt, dass sie als offen auftretende religiöse Jüdinnen_Juden sowohl von der Schulleitung und im Kollegium als auch von Schüler_innen Benachteiligungen, teils sogar Anfeindungen erfahren.
Es ist die erste empirische Studie zu Antisemitismus im schulischen Bereich, die die Perspektiven von Jüdinnen und Juden in den Vordergrund stellt. Die Studie schlüsselt die Erlebnisberichte aus drei Perspektiven auf: die der jüdischen Schüler/-innen, die der nicht-jüdischen Lehrkräfte und die der jüdischen Lehrkräfte.
Date: 2020
Abstract: Welche Erfahrungen machen Lehrer*innen mit Antisemitismus und Diskriminierung an Schulen? Welchen Umgang mit antisemitischen Phänomenen praktizieren sie? Welche Praktiken, Präventions- und Interventionsansätze sind bereits etabliert, welche könnten zusätzlich vorgeschlagen, entwickelt und implementiert werden?

Die qualitative Studie „Umgang mit Antisemitismus im Kontext Schule – Berlin“ ist eine Bedarfsanalyse, die vom Kompetenzzentrum für Prävention und Empowerment (ZWST) durchgeführt wird. Hierin wird nach den Sichtweisen, Strategien und Ansätzen von Lehrer*innen, Schulleitungen und Bildungsverwaltung in Bezug auf Antisemitismus und weiteren Diskriminierungsformen an unterschiedlichen Schulen gefragt. Ein wissenschaftlicher Beirat berät die Umsetzung des Forschungsprojekts. Die Umsetzung der Studie findet mit Genehmigung durch die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie statt.

Der Ausgangspunkt praxisorientierter Forschung im Kompetenzzentrum sind langjährige Erfahrungen im Präventions- und Interventionsbereich unterschiedlicher Bildungseinrichtungen. Sowohl die pädagogische Beratung von Schulen als auch die zahlreichen Anfragen seitens betroffener Familien begründen den Bedarf an empirischer Fundierung pädagogischen Handelns im Umgang mit antisemitischer Diskriminierung. Dabei ist es dem Kompetenzzentrum wichtig, mit Lehrer*innen ins Gespräch zu kommen und ihre Anliegen zu erfassen, um gezielt unterstützen zu können.

Auf der methodischen Grundlage der qualitativen Sozialforschung finden vertiefende Einzelinterviews, Gruppendiskussionen sowie fallbezogene Praxisgespräche mit Lehrer*innen, Schulpsycholog*innen und weiteren schulbezogenen Akteur*innen statt.

Dabei werden folgende Forschungsfragen bearbeitet:

Welches Verständnis von Antisemitismus bringen Lehrer*innen in den schulischen Alltag ein?
Welche Umgangsweisen praktizieren Lehrer*innen?
Auf welche Unterstützungssysteme greifen Lehrer*innen dabei zurück?
Welche Ansätze und Methoden können Lehrer*innen darin unterstützen, Antisemitismus und Diskriminierungen vorzubeugen und mit Vorfällen umzugehen?
Welche institutionellen Rahmenbedingungen können hierfür geschaffen werden?
Das Ziel der Studie ist eine Bedarfsanalyse in Bezug auf den Umgang mit Antisemitismus unter Berücksichtigung von Handlungsräumen und Strukturen der Institution Schule. Auf dieser Grundlage werden Empfehlungen für die Prävention und Intervention formuliert. Die Perspektive von Lehrer*innen bietet dabei zentrale Einsichten für die Erstellung einer Gesamtstrategie gegen Antisemitismus auf schulischer, struktureller und bildungspolitischer Ebene.
Date: 2020
Abstract: Antisemitismus ist ein umfassendes Phänomen der Ausgrenzung, das unabhängig von Alter, Religion, Herkunft, Bildungsabschluss, Geschlecht oder Hautfarbe auftritt. Somit liegt es im gesamtgesellschaftlichen Interesse, seine Ausdrucksformen und die ihm zugrunde liegenden Ursachen zu erkennen, zu begreifen und – aus der Geschichte lernend – wiederkehrende antisemitisch motivierte, eskalierende Bedrohungen rechtzeitig wahrzunehmen und zu unterbinden. Eine Auseinandersetzung mit antisemitischen Haltungen, Denkfiguren und Handlungen sowie ein faktenbasiertes Wissen gehören daher in den Kanon politischer Bildung.
Dieses Buch erscheint in einem historischen Kontext, in dem Risse in der Fassade des gemeinsamen deutsch-jüdischen Gebäudes erkennbar geworden sind. Mit dem zunehmenden zeitlichen Abstand zum Nationalsozialismus und dem Verblassen der Erinnerung nehmen Geschichtskonstruktionen, Verzerrungen oder Leugnungen der historischen Geschehnisse zu. Subtile antisemitische Einstellungen werden immer häufiger durch offen vorgetragene juden- und israelfeindliche Positionen überlagert.
Der Band diskutiert aktuelle Antisemitismus-Studien in Hinblick auf ihre pädagogischen Konsequenzen aus wissenschaftlichen, politischen und bildungspolitischen Perspektiven.

Mit Beiträgen von Matthias J. Becker | Uwe Becker | Julia Bernstein | Michael Blume | Micha Brumlik | Marina Chernivsky | Florian Diddens | Andreas Eberhardt | Thomas Eppenstein | Matthias Heyl | Dervis Hizarci | Doron Kiesel | Felix Klein | Salomon Korn | Deborah Krieg | Thomas Krüger | Yael Kupferberg | Beate Küpper | Simon Lengemann | Friederike Lorenz | Harry Schnabel | Stefanie Schüler-Springorum | Monika Schwarz-Friesel | Luisa Maria Schweizer | Christian Staffa | Natan Sznaider | Christiane Thompson | Martin Vahrenhorst | Greta Zelener | Andreas Zick

Konzept und Redaktion: Doron Kiesel, Thomas Eppenstein

Inhalt

Doron Kiesel & Thomas Eppenstein: Einleitung
Salomon Korn: „Die Erforschung des Antisemitismus in all seinen chamäleonhaften, gefährlichen Erscheinungsformen bleibt unverzichtbar.“
Harry Schnabel: „Antisemitische Attacken sind schlimm genug, aber noch schlimmer ist es, diese zu ertragen, wenn alle wegschauen.“
Felix Klein: „Wir brauchen neue und bessere Instrumente im Kampf gegen den
Antisemitismus.“
Uwe Becker: „Es ist nicht hinnehmbar, dass das Wort ,Jude‘ heute wieder als
Schimpfwort auf Schulhöfen gebraucht wird.“
Greta Zelener: „Nie wieder“? – Es war nie weg. Pädagogische Ansätze zur
Antisemitismusbekämpfung
Yael Kupferberg: Antisemitismus in Deutschland – Kontinuität oder Zeitenwende?
Natan Sznaider: Antisemitismus zwischen Schwertern und Pflugscharen
Christian Staffa: Von der gesellschaftlichen Notwendigkeit christlicher Antisemitismuskritik
Micha Brumlik: Erziehung zur Mündigkeit und Kritik des Autoritären
Christiane Thompson: Erziehung nach Auschwitz – Erziehung nach den Antisemitismus-Studien?
Stefanie Schüler-Springorum: Antisemitismus-Studien – ein Überblick
Andreas Eberhardt & Luisa Maria Schweizer: Antisemitismus-Studien und ihre Folgen für die historisch-politische Bildungsarbeit
Beate Küpper & Andreas Zick: Antisemitische Einstellungen in Deutschland – Befunde aus Bevölkerungsumfragen und Ableitungen für die politische Bildung
Julia Bernstein & Florian Diddens: Antisemitismus an Schulen
Marina Chernivsky & Friederike Lorenz: „Das ist überhaupt nicht greifbar, und deswegen ist es so schwer, dagegen auch was zu machen“ – Eine Studie zu Antisemitismus im Bildungswesen
Monika Schwarz-Friesel: Antisemitismus im Web 2.0 – Judenhass zwischen Kontinuität und digitaler Adaption
Matthias J. Becker: Antisemitismus im Internet – eine unterschätzte Herausforderung mit wissenschaftlichem Handlungsbedarf
Thomas Krüger & Simon Lengemann: Antisemitismus und „Volksgemeinschaft“. Notwendige Impulse für historisch-politische Bildung in identitären Zeiten
Thomas Eppenstein: Grenzen und Spannungsfelder antisemitismuskritischer Bildung
Deborah Krieg: Bildungsarbeit gegen Antisemitismus – Perspektiven für die Praxis
Derviş Hızarcı: „Du Jude“ – Wie man mit Diskriminierung im Unterricht umgeht
Michael Blume: Welche Bildung hilft gegen Antisemitismus?
Martin Vahrenhorst: Der Umgang mit Antisemitismus im christlichen Religionsunterricht
Matthias Heyl: Was können bundesdeutsche KZ-Gedenkstätten zu einer
antisemitismuskritischen Bildungsarbeit beitragen?
Author(s): Poulton, Emma
Date: 2019
Abstract: While the anti-racist movement in English football has been established for 25 years, antisemitism was not specifically addressed until much later – most publicly through anti-discrimination organisation Kick It Out’s The Y-Word (2011) film campaigning against the use of ‘Yid’ in football fan culture. Antisemitism has occupied a sporadic position on football’s wider anti-racism agenda. Antisemitism in football is also a neglected area of research. The article addresses this academic indifference by contributing a critical analysis of the intermittent responses to antisemitism in English men’s football – by governing bodies, campaigners, and the criminal justice system – using a multiple streams approach to understand policy formulation, legitimation and implementation, arguing these attempts have usually been reactive and sometimes misguided, inconsistent, or misaligned with existing legislation. The role of ‘policy entrepreneurs’ is considered in relation to individuals lobbying for and influencing the priority of tackling formations of antisemitism amidst broader attempts to combat racism and faith-based abuse in football. This empirically-grounded critical analysis is informed by primary data from interviews with elite stakeholders from English football (The Football Association; Kick It Out) and Jewish community (Board of Deputies of British Jews; Jewish Leadership Council; Community Security Trust; Maccabi GB). The article explains the changing political salience of combating antisemitism and concludes with a call for a more congruous and coherent approach to addressing antisemitism, faith-based abuse and other forms of discrimination in football, which might lend itself to other sports and contexts. It also critiques the utility of the multiple streams approach.
Date: 2018
Abstract: The fight against antisemitism through the means of education should begin from as early an age as possible. Various informal, educational projects exist that work towards this goal, using a number of different methods. However, these projects often operate separately and on an ad hoc basis in educational institutions, hence they lack an overarching concept or idea for the students. This makes the projects less efficient, and their short and long term impact becomes more difficult to evaluate. Generally speaking, Jewish history and religion are not part of the national curriculum in secondary schools. In the rare cases when aspects of Judaism are taught, the main focus is on the Holocaust, which often has a negative and counterproductive effect. For this reason, the main objective of the New World project was to educate students on topics such as Hungary’s role in the Holocaust (which is still not fully accepted by Hungarian society), prejudices, radicalisation and Jewish identity.

With the professional leadership and support of the Tom Lantos Institute, a complex educational project was realised. Its components build on each other, following a single line of thought: it incorporates the performance of the play New World, a subsequent drama-based pedagogical session and finally, 2-3 weeks later, an informal educational class led by the Haver Foundation. Each step of the programme was evaluated using a variety of methods such as mini-interviews, participants’ reports and questionnaires. Following a short literature review, this report intends to give a summary of the concept, structure, conclusions and results of the project. The report is dedicated to participants and leaders of similar initiatives, as well as to a wider audience of individuals interested in the topic.
Date: 2020
Author(s): Elman, R Amy
Date: 2015
Date: 2019
Abstract: This report, produced by Professor P. Weller and Dr. I. Foster of the University of Derby, United Kingdom, is based on two phases of research conducted in six OSCE participating States—Belgium, Germany, Greece, Moldova, Poland and the United States of America—between December 2016 and May 2018. The research took various forms, including focus groups, interviews, questionnaires, observations, as well as desk research based on published literature. A detailed bibliography of works consulted is provided in an appendix to the report. The report provides background information about the history of anti-Semitism in each of the countries studied, along with recent statistics concerning reported anti-Semitic incidents in each country. The report does not compare how significant an issue anti-Semitism is in these participating States; rather, it presents an overall pattern of evidence to identify a range of key challenges with at least some relevance for teaching about and addressing anti-Semitism in classroom contexts across the OSCE region as a whole, and thus provides the basis for recommendations that could inform the development of teacher resources to meet those challenges in any OSCE participating State, not just the ones studied for this report. The research has made clear that, while the incidence, frequency and forms of anti-Semitism may vary over time, it remains a reality in OSCE participating States. However, there is relatively little published research on anti-Semitism among young people as such, and even less that is specifically focused on teaching about anti-Semitism and/or addressing it in classroom contexts. Therefore, the primary research that informs this report makes a clear contribution to understanding anti-Semitism as it currently exists in a number of OSCE countries, albeit subject to certain limitations in terms of methodology, which are noted in the report’s appendices.
Author(s): Ullrich, Peter
Date: 2019
Abstract: Mit der im Jahr 2016 von der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) anerkannten «Arbeitsdefinition Antisemitismus» liegt ein Instrument für die notwendige Erfassung und Bekämpfung von Antisemitismus vor, das weite Verbreitung gefunden hat. In einem Handlungsfeld, das durch hochgradige begriffliche Verunsicherung gekennzeichnet ist, verspricht die Definition als praktische Arbeitsgrundlage begriffliche Orientierung. Tatsächlich stellt die «Arbeitsdefinition» mit ihrer konkreten, ohne Fachterminologie auskommenden Sprache sowie mit anschaulichen Beispielen, die den Begriff Antisemitismus anhand typischer, immer wieder auftretender Phänomene verdeutlichen, inzwischen eine Grundlage für die Arbeit verschiedener Nutzer*innengruppen dar. Zudem erfolgte mit der Aufnahme bis dato nur wenig beleuchteter (israelbezogener) Aspekte von Antisemitismus eine zum Zeitpunkt der Formulierung der Definition (Anfang der 2000er Jahre) notwendige Aktualisierung der Diskussion.

Bei einer näheren Untersuchung offenbaren sich jedoch auch gravierende Mängel. Insbesondere ist die «Arbeitsdefinition» inkonsistent, widersprüchlich und ausgesprochen vage formuliert; mithin erfüllt sie nicht die Anforderungen guten Definierens. Die Kerndefinition des Antisemitismus ist zudem reduktionistisch. Sie hebt einige antisemitische Phänomene und Analyseebenen hervor, spart aber andere, wesentliche, sehr weitgehend aus. Dies gilt insbesondere für ideologische und diskursive Aspekte, beispielsweise den Antisemitismus als verschwörungstheoretisches Weltbild. Ebenso fehlt eine Erwähnung organisationssoziologischer Aspekte der Mobilisierung in Bewegungen und Parteien sowie deren Niederschlag in diskriminierenden institutionellen Regelungen und Praxen. Zudem können manche israelbezogenen Beispiele, die der Kerndefinition hinzugefügt sind, nur mithilfe weiterer Informationen über den Kontext als antisemitisch klassifiziert werden, da das Beschriebene mehrdeutig ist. Es tritt in komplexen, sich überlagernden Konfliktkonstellationen auf, bei denen eine Zuordnung zu einem spezifischen Problemkreis wie Antisemitismus oft nicht einfach möglich ist. Ein Beispiel sind die sogenannten doppelten Standards. Sie sind kein hinreichendes Kriterium, um eine antisemitische Fokussierung auf Israel von einer solchen zu unterscheiden, die mit den Spezifika israelischer Politik und ihrer weltpolitischen Bedeutung zusammenhängen.

In der Folge begünstigt die «Arbeitsdefinition» eine widersprüchliche und fehleranfällige Anwendungs praxis und führt zu Einschätzungen von Vorfällen oder Sachverhalten, die nicht auf klaren Kriterien basieren, sondern eher auf Vorverständnissen derer, die sie anwenden, oder auf unreflektiert übernommenen verbreiteten Deutungen. Die Anwendung der «Arbeitsdefinition» produziert die Fiktion eines kriteriengeleiteten, objektiven Beurteilens. Die Definition stellt prozedurale Legitimität für Entscheidungen zur Verfügung, die faktisch auf der Grundlage anderer, implizit bleibender Kriterien getroffen werden, welche weder in der Definition noch in den Beispielen festgelegt sind.

Die Schwächen der «Arbeitsdefinition» sind das Einfallstor für ihre politische Instrumentalisierung, etwa um gegnerische Positionen im Nahostkonflikt durch den Vorwurf des Antisemitismus moralisch zu diskreditieren. Dies hat relevante grundrechtliche Implikationen. Die zunehmende Implementierung der «Arbeitsdefinition» als quasi-rechtliche Grundlage von Verwaltungshandeln suggeriert Orientierung. Stattdessen ist sie faktisch ein zu Willkür geradezu einladendes Instrument. Dieses kann genutzt werden, um Grundrechte, insbesondere die Meinungsfreiheit, in Bezug auf missliebige israelbezogene Positionen zu beschneiden. Anders als die Bezeichnung «Arbeitsdefinition» suggeriert, findet auch keine Weiterentwicklung der Definition statt, um diese Schwächen zu beheben.

Fazit: Der Versuch, Probleme allgemeiner begrifflicher Klärung und universeller praktischer Einsetzbarkeit mithilfe der «Arbeitsdefinition Antisemitismus» zu lösen, muss insgesamt als gescheitert angesehen werden. Vor allem aufgrund ihrer handwerklichen Schwächen, ihrer defizitären Anwendungspraxis, ihres trotzdem teilweise verbindlichen rechtlichen Status und ihrer politischen Instrumentalisierbarkeit mit problematischen Implikationen für die Meinungsfreiheit kann die Verwendung der «Arbeitsdefinition Antisemitismus» nicht empfohlen werden. Eine mögliche Ausnahme könnten lediglich eng umgrenzte pädagogische Kontexte darstellen.

Wie die Entstehungsgeschichte der «Arbeitsdefinition Antisemitismus» und ihre weite Verbreitung deutlich machen, gibt es – auch angesichts einer weiter bestehenden Bedrohung durch gegenwärtigen Antisemitismus – einen großen Bedarf vonseiten verschiedener Institutionen nach in der Praxis anwendbaren Kriterien zur Identifikation antisemitischer Phänomene. Folglich ist die Entwicklung von klaren und kontextspezifischen Instrumenten für die Praxis dringend zu empfehlen.