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Date: 2025
Abstract: Die Problematik des politisch-islamischen Antisemitismus (PIA) hat in den letzten Jahren zunehmend Aufmerksamkeit erfahren. In diesem Kapitel gehen wir der oftmals wenig berücksichtigten Frage nach, wie Jüdinnen:Juden die aktuelle Bedrohungslage erleben und ausdeuten. Dies untersuchen wir aus Perspektive einer phänomenologisch orientierten Wissenssoziologie mittels eines Mixed-Methods-Ansatzes. Unsere Studie umfasst die Analyse von 21 problemzentrierten Interviews mit Jüdinnen:Juden sowie die Auswertung eines Online-Surveys mit 295 jüdischen Befragten. Die Interviewanalyse ergab, dass das Erleben von PIA strukturidentisch zu anderen Antisemitismusformen verläuft. Die alltägliche Konfrontation führt zum Erleben dreier Begrenzungen: Im Vorfeld der möglichen Konfrontation ist es problematisch, dass diese nicht immer vollumfänglich antizipiert werden kann. Kommt es zur Konfrontation, sind selbstgewählte Alltagsrelevanzen eingegrenzt. Im weiteren Konfrontationsverlauf kann sich zudem die eigene Handlungsfähigkeit als begrenzt erweisen. Die Auswertung der quantitativen Daten kann hieran anknüpfend zeigen, dass viele Befragte von Begegnungen mit PIA berichten, den sie vor allem durch Aussagen, Sprache und Kontext der Täter:innen identifizieren. 29 % der Befragten gaben an, in den letzten zehn Jahren PIA in Form von Beleidigung, Vandalismus oder physischer Gewalt erlebt zu haben. Bezüglich der Bedrohungs- und Problemwahrnehmung unterscheiden sie deutlich zwischen „Muslimen“ und „radikalen Muslimen“ und sehen PIA als großes gesellschaftliches Problem an, das ihre Sicherheit und alltägliche Lebenswelt beeinflusst.