Abstract: Nach dem Angriff der klerikal-faschistsichen Hamas auf Israel im Oktober 2023 kam es sehr schnell zu einer Mobilisierung für die Ziele der Terrororganisation. Diese waren von Anfang an getragen von antisemitischen Tropen und gingen einher mit einem rasanten Anstieg der antisemitisch motivierten Straft- und Gewalttaten. Relevante Trägergruppen dieses Antisemitismus sind dem eigenen Selbstverständnis nach im linken politischen Spektrum positioniert. Zeigt diese Mobilisierung eine bisher übersehene Verbreitung antisemitischer Ressentiments auch in der politischen Linken an? Und was sind mögliche Ursachen für das Vorkommen des Antisemitismus in Gruppen, für die Gerechtigkeitsnormen zum erklärten Selbstverständnis gehören? Auf Grundlage der Daten der Leipziger Autoritarismus Studie 2024 können wir zeigen, dass der Antisemitismus auch innerhalb der Linken verbreitet ist, wenn auch die Rationalisierung des Ressentiments teilweise anders ausfällt. Auffällig ist, dass innerhalb jüngerer Befragter der Antisemitismus häufiger anzutreffen ist, als bei älteren – mit Ausnahme des Schuldabwehrantisemitismus. Wir diskutieren diese Befunde auf auf kritisch-theoretischer Basis.Nach dem Angriff der klerikal-faschistsichen Hamas auf Israel im Oktober 2023 kam es sehr schnell zu einer Mobilisierung für die Ziele der Terrororganisation. Diese waren von Anfang an getragen von antisemitischen Tropen und gingen einher mit einem rasanten Anstieg der antisemitisch motivierten Straft- und Gewalttaten. Relevante Trägergruppen dieses Antisemitismus sind dem eigenen Selbstverständnis nach im linken politischen Spektrum positioniert. Zeigt diese Mobilisierung eine bisher übersehene Verbreitung antisemitischer Ressentiments auch in der politischen Linken an? Und was sind mögliche Ursachen für das Vorkommen des Antisemitismus in Gruppen, für die Gerechtigkeitsnormen zum erklärten Selbstverständnis gehören? Auf Grundlage der Daten der Leipziger Autoritarismus Studie 2024 können wir zeigen, dass der Antisemitismus auch innerhalb der Linken verbreitet ist, wenn auch die Rationalisierung des Ressentiments teilweise anders ausfällt. Auffällig ist, dass innerhalb jüngerer Befragter der Antisemitismus häufiger anzutreffen ist, als bei älteren – mit Ausnahme des Schuldabwehrantisemitismus. Wir diskutieren diese Befunde auf auf kritisch-theoretischer Basis.
Abstract: For many people, the coronavirus pandemic meant an enormous and existential loss of control. At the same time, an increase in right-wing extremist attitudes like xenophobia could be observed in Germany. In this study, we hypothesize that the loss of control caused by the pandemic has contributed to the rise in xenophobic and anti-Semitic attitudes in Germany. We propose that this occurs through an attempt to restore control via elements of a revised authoritarian syndrome understood as both the classic authoritarian dynamic of aggression, submission and conventionalism on the one hand, and a general belief in conspiracy theories on the other. In a representative, probability-based study, N = 2522 participants were surveyed on locus of control, right-wing authoritarianism, conspiracy mentality, xenophobia, and anti-Semitism. It was found that right-wing authoritarianism and conspiracy mentality mediated the relationship between external locus of control and xenophobia (partial mediation) and anti-Semitism (full mediation). Surprisingly, internal control beliefs had a direct effect on right-wing authoritarianism—an effect that also leads to increased resentment. We conclude that social crises make people particularly vulnerable to regaining control via conspiracy theories and authoritarianism, which harbors dangers such as right-wing extremism as a consequence. Limitations are discussed.