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Author(s): Edthofer, Julia
Date: 2013
Abstract: Dieser Text bezieht sich auf aktuelle Debatten in der Wiener Linken, er ist als Reaktion auf Konflikte im Umfeld des „Europäischen Instituts für Progressive Kulturpolitik“ (EIPCP) zu lesen und soll einen Beitrag zur differenzierten Auseinandersetzung mit Antisemitismus in der dekolonialen Theorie sowie speziell im Umfeld des „Projektes Modernität/Kolonialität“ leisten. Die Diskussion in Wien entzündete sich im Jahr 2011 an der Wiener Akademie der Bildenden Künste an Kontroversen über antisemitische Deutungsmuster und problematische Israelpositionierungen in Texten des dekolonialen Theoretikers Walter Mignolo und wurde im April 2012 mit einer Intervention von Eduard Freudmann an eine breitere Öffentlichkeit getragen. Mein Beitrag knüpft an diese Intervention und speziell an Ivana Marjanovićs Analyse des umstrittenen Textes „Dispensable and Bare Lives. Coloniality and the Hidden Political/Economic Agenda of Modernity“ an und beschäftigt sich ebenfalls mit den strittigen Teilaspekten der dekolonialen Kritik. Der besagte Text ist Teil einer Spezialausgabe des dekolonialen Internetjournals „Human Architecture“, die sich aus den Beiträgen der 2007 durchgeführten Konferenz „The post September 11 New Ethnic/Racial Configurations in Europe and the United States: The Case of Anti-Semitism” zusammensetzt. Ich analysiere vier Beiträge dieser Ausgabe und fokussiere auf deren spezifische Auseinandersetzung mit Antisemitismus sowie auf Israelpositionierungen (vgl. Ellis 2009; Grosfoguel 2009, Mignolo 2009a, Slabodsky 2009). Vor allem gehe ich dabei kritisch auf Texte von Walter Mignolo und Ramón Grosfoguel ein und setze diesen Fokus, da sich bei beiden Theoretikern meines Erachtens problematische Verquickungen der Analyse von Modernität/Kolonialität mit der Diskussion von globalem Antisemitismus sowie der geo-politischen – und dabei vor allem neo-kolonialen – Bedeutung des israelischen Staates finden. Die von mir kritisierten verkürzten Positionen der beiden Autoren betrachte ich dabei als spezifisch für de- und auch post-koloniale linke Debatten im Kontext aktueller israelkritischer Boykott- und Desinvestitions-Kampagnen, bei denen dem Staat Israel mitunter die Rolle der kolonialen Supermacht mit Bedrohungspotenzial für den Weltfrieden zugeschrieben wird.